Was ist eine Recyclingquote?

Gepostet von am 9. Jul 2015

Was ist eine Recyclingquote?

Im Jahr 2011 gab es hierzulande ein Abfallaufkommen von 386,7 Millionen Tonnen. Tendenz steigend. Die Recyclingquote lag im selben Jahr laut Angabe des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bei 69,1 Prozent. Tendenz ebenfalls steigend. Alles, was man zur Recyclingquote wissen muss, wird hier erklärt – und zwar: kurz & knapp, versprochen!

Was bedeutet Recycling?

Recycling ist ein englischer Begriff, der sich längst eingedeutscht hat. Recycling bedeutet auf Deutsch so viel wie „Wiederverwertung“ beziehungsweise „Wiederaufbereitung“ und wird von uns Deutschsprachlern benutzt, wenn wir über die Wiederverwertung von Abfall sprechen. Oder auch dann, wenn’s um die Wiederverwertung der Rohstoffe geht, die das Ausgangsmaterial der Produkte waren, die inzwischen Abfall sind – also um die Wertstoffe, die noch im Abfall stecken. Diese Wertstoffe lassen sich zurück gewinnen und wiederverwenden (sprich: recyceln). So werden aus den ehemals Rohstoffen sogenannte (recycelte) Sekundärrohstoffe, denn sie dienen neuen Produkten wiederum als Ausgangsmaterial. Man könnte das Ganze in folgendem stofflichen Weg beschreiben:

Rohstoff > Produkt > Abfall mit Wertstoff > Recycling des Wertstoffs > Sekundärrohstoff > Recyclingprodukt/recycelter Wertstoff

Das kurz „Kreislaufwirtschaftsgesetz“ (KrWG) genannte geltende „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“ definiert in seinem Paragraph 3 Absatz 25 Recycling als „jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden.“ Wobei auch ausgeführt wird, dass Recycling „die Aufbereitung organischer Materialien“ einschließe, „aber nicht die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind“.

Wichtig: Recycling ist demnach eine Wiederverwertung, nicht eine Wiederverwendung. Ein recycelter Rohstoff war vor der Wiederverwertung auf jeden Fall Abfall. Andernfalls wäre es kein recycelter sondern ein wiederverwendeter Rohstoff. Gut zu wissen: Diese feine Unterscheidung wird im landläufigen Sprachgebrauch mitunter vernachlässigt.

Was ist eine Recyclingquote?

Als Recyclingquote oder auch Recyclingrate bezeichnet man den Anteil der tatsächlich aus dem Abfall recycelten Wertstoffe.

Man unterscheidet dabei die recycelbaren Wertstoffe übrigens nach ihrer Beschaffenheit in:

  • Sekundärbauteile (zum Beispiel komplette, wiederverwertbare Bauteile wie Dachpfannen, Türen oder Treppen bei Bauabfall)
  • und Sekundärrohstoffe (zum Beispiel stofflich wiederverwertbares Material wie Metalle, gebrochenes Glas oder Dämmstoffe bei Bauabfall).

Eine Recyclingquote R ergäbe sich demnach als Summe der Recyclingquote „Bauteile“ RBT und der Recyclingquote „Stoffe“ RS:

R = RBT + RS

Angegeben wird die Recyclingquote übrigens in Prozent, erfasst werden die Wertstoffmengen in Massen.

Und was ist eine sogenannte selbstlernende Recyclingquote?

Damit meint man nachhaltigere Quoten als die derzeit verwendeten, die auf systemische Grenzen stoßen. Eine „selbstlernende“ Quote passt sich selbstlernend an veränderliche rohstoffliche und technische Bedingungen an – was wiederum gewährleistet, dass die Quote auf Dauer ihre Lenkungsfunktion behält. Mehr dazu gibt’s in Kürze hier auf dem Wertstoffblog zu lesen.

Was ist die aktuelle deutsche Recyclingquote?

Die Recyclingquote lag 2011 bei fast 70 Prozent. Von den eingangs erwähnten rund 387 Millionen Tonnen Abfall, die in dem Jahr anfielen, „waren nach wie vor Bau- und Abbruchabfälle mit 51,6 Prozent, gefolgt von den übrigen Abfällen (insbesondere aus Produktion und Gewerbe) mit 15,1 Prozent und den Siedlungsabfällen mit 13,0 Prozent“. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Und weiter: „Auf Sekundärabfälle, die schon einmal in einer Anlage behandelt wurden, entfielen 11,4 Prozent des Abfallstroms und 9,0 Prozent waren Abfälle aus der Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen.“

In der Pressemitteilung heißt es dann auch: „300,3 Millionen Tonnen aller Abfälle wurden verwertet, das entspricht einer Verwertungsquote von 77,6  Prozent. Die meisten Abfälle davon wurden recycelt, also stofflich verwertet. Die Recyclingquote bezogen auf das gesamte Abfallaufkommen lag bei 69,1 Prozent. Nur ein geringer Anteil kommt auf Deponien – die Ablagerungsquote beträgt nur noch 17,5 Prozent.“

Aus den zitierten Angaben ergeben sich verschiedene Werte für die seitens des Statistischen Bundesamtes benutzte „Verwertungsquote“ (77,6 Prozent) und die „Recyclingquote“ (69,1 Prozent). Ausgehend von der Bedeutung des Begriffs Recycling mag das zunächst verwirren. Manch einer stellt sich vielleicht die Frage:

Sind Recyclingquote und Verwertungsquote nicht ein und dasselbe?

Nein – auch wenn die Bezeichnungen mitunter synonym gebraucht werden, unterscheiden sie sich doch deutlich: Während die Verwertungsquote auch die energetische Verwertung von Wertstoffen aus Abfall umfasst (also die Verbrennung derselben einschließlich deren Aufbereitung zu Brennmaterial), schließt die Recyclingquote diese Art der Verwertung aus. Daher ist die Verwertungsquote größer als die Wiederverwertungsquote (Recyclingquote).

Worin unterscheidet sich Recycling von Downcycling und Upcycling?

Downcycling meint die Abwertung, die ein Sekundärrohstoff erfährt, der mit vertretbarem Aufwand weder an die ursprüngliche Qualität noch Verarbeitbarkeit rankommt, die er bei der Primärherstellung vor dem Recycling erreichte.

Upcycling dagegen bezeichnet die Fertigung hochwertiger Produkte aus Abfallstoffen.

Welche Bedeutung kommt dem Recycling innerhalb der sogenannten Abfallhierarchie zu?

Die sogenannte Abfallhierarchie ist eine Abfolge von Prioritäten bezüglich des Umgangs mit Abfall, die auf europäischem Recht und europäischer Politik fußt. Nach EU-Vorgaben listet die geltende Abfallhierarchie folgende Maßnahmen auf, die nach Priorität, also entsprechend ihrer Wichtigkeit, sortiert sind:

  1. Abfallvermeidung
  2. Vorbereitung zur Wiederverwendung
  3. Recycling
  4. Verwertung wie energetische Verwertung (Ziel: Energiegewinnung)
  5. Beseitigung (Deponieren).

An der Liste erkennt man den gesellschaftlichen Stellenwert, sowohl ökonomisch, als auch ökologisch, der den einzelnen Maßnahmen zum Umgang mit Abfall eingeräumt wird.

 

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    1 Kommentar

  1. Gute Zusammenfassung, Danke!

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