Aluminiumfolie – das Wichtigste zu Klimabilanz, Gesundheitsrisiko und Recyclingpotenzial

Aluminiumfolie – das Wichtigste zu Klimabilanz, Gesundheitsrisiko und Recyclingpotenzial

Gepostet von am 24. Nov 2015

Aluminiumfolie – das Wichtigste zu Klimabilanz, Gesundheitsrisiko und Recyclingpotenzial

Aluminiumfolie ist ein praktisches Verpackungsmaterial, das in vielen Küchenschränken liegt. Trotz mieser Klimabilanz und bekannter Risiken für die Gesundheit. Doch dem Verbraucher wird es nicht leicht gemacht, recycelte Alternativen zu kaufen. Denn obwohl Aluminium sich prima recyceln lässt, gibt’s kaum Recyclingalufolie.

Aluminium als praktisches Verpackungsmaterial

Nicht ohne Grund zählt Aluminiumfolie, kurz: Alufolie genannt, zu den beliebten Verpackungsmaterialien für Lebensmittel. Alufolie lässt weder Gase noch Feuchtigkeit durch, so dass darin eingewickelte Nahrungsmittel länger halten, als wenn sie mit Luft/Luftfeuchtigkeit in Berührung kämen. Die dichte Alufolie verhindert so auch, dass sich die Aromen der eingepackten Speisen verflüchtigen oder diese die Aromen anderer Speisen annehmen. Es findet demnach kein Aromaaustausch statt. Deshalb bieten viele Hersteller ihre Lebensmittel in Alufolie verpackt an: Klassische Beispiele sind Schokolade, Kakao, Kaffee, Gewürze und Tee. Auch Milchprodukte wie Butter und Käse sind oft in Alufolie gewickelt. Und empfindliche Nüsse und Kerne werden ebenfalls häufig in Aluminium verpackt.

Doch Alufolie dient nicht nur als Verpackungsmittel für den Verkauf und Transport der aromareichen Speisen. Auch beim Zubereiten von Speisen ist Aluminium als Kochgeschirr und als Alufolie willkommenes Hilfsmittel, zum Beispiel beim Grillen oder Backen von Fleisch, Fisch, Gemüse (klassisch: die Backkartoffel) oder Gebäck.

Aluminium beziehungsweise Alufolie ist zum einen von der Rolle im Einsatz als Lebensmittelverpackung. Denn sie ist weich und biegsam, so dass sie an nahezu jede Form angepasst werden kann. Die haushaltsübliche Alufolie ist praktischerweise in zig Metern von der 30 Zentimeter breiten Rolle zu haben und zwischen 0,010 bis 0,015 Millimeter dünn.

Auch die Deckel von Joghurtbechern, Getränkedosen, Glasflaschen, Grillschalen von Einweggrills, Tuben für Tomatenmark, Senf & Co. sind häufig aus Aluminium. Auch viele Verbundverpackungen für Getränke haben als eine Komponente Aluminium dabei.

Aluminium ist wegen seines geringen Gewichts und seiner hohen Leitfähigkeit sehr begehrt. Und so steigt die Nachfrage nach dem Leichtmetall stetig. Deutschland gilt als das Industrieland mit dem höchsten Pro-Kopf-und-Jahr-Verbrauch an Aluminium vor den USA und Japan: 31,6 Kilogramm.

Aluminium als zunehmend bedeutender Rohstoff
in anderen Industrien

Der Gebrauch von Aluminium beschränkt sich längst nicht nur auf die Lebensmittelindustrie. Dekorative und pflegende Kosmetika stecken auch häufig in Tuben aus Aluminium. Viele Baumaterialien, Flugzeug-, Bahn-, Schiffs- und Autoteile sind aus dem Leichtmetall gefertigt. In der Elektroindustrie ersetzt Aluminium immer häufiger das Edelmetall Kupfer (Stichwort: Substitution).

Ein Überblick über die Verwendung von Aluminium in den verschiedenen Industrien weltweit:

  • Verkehrssektor: 29 Prozent
  • Bausektor: 22 Prozent
  • Verpackungen: 15 Prozent
  • Stromproduktion: 12 Prozent
  • Maschinenbau: 9 Prozent
  • langlebige Konsumgüter: 9 Prozent

Deutschlands Anteile sind wegen der großen Automobilindustrie anders gestaffelt, unter anderem:

  • Verkehrssektor: 44 Prozent
  • Bausektor: 16 Prozent
  • Verpackungen: 9 Prozent

Bezieht man also die neun Prozent Verbrauch an Aluminiumverpackungen auf unseren Pro-Kopf-Verbrauch, kommt man auf die Zahl 2,8 Kilogramm Aluminiumverpackungen, die jeder von uns im Jahr verwendet.

Klingt erstmal nicht nach viel. Doch um die Menge zu bewerten, muss man den Rohstoff Aluminium beziehungsweise Produkte daraus nicht nur mit praktischen Augen betrachten. Es kommt auch auf die ökologische Sichtweise an: Um eine Klimabilanz für den Rohstoff Aluminium aufzustellen, muss man seine Herkunft mitbilanzieren.

Die Klimabilanz von Aluminium ist schlechter als mies

Bisher klang alles ganz positiv. Aluminium beziehungsweise Alufolie hat viele praktische Vorzüge. Doch Aluminium als Rohstoff kommt ja nicht von irgendwoher geschneit. Das Chemie-Lexikon schreibt dazu:

Aluminium ist mit einem Anteil von 7,57 Gewichtsprozent nach Sauerstoff und Silicium das dritthäufigste Element der Erdkruste und damit das häufigste Metall. Es tritt allerdings nicht gediegen auf, sondern nur in chemischen Verbindungen. Aluminium findet man in der Natur häufig in Alumosilikaten, wo es in der Kristallstruktur die Position von Silicium in Sauerstoff-Tetraedern einnimmt, als Bestandteil von Ton, Gneis und Granit.

Die Gewinnung von Aluminium ist laut Utopia ein dreckiges Geschäft:

„Für den Aluminiumabbau relevant ist dabei das Erz Bauxit. Es besteht zu rund 60 Prozent aus Aluminium und wird im Tagebau aus dem Boden gefördert. Danach wird es zusammen mit Natronlauge erhitzt, wobei Aluminiumoxid frei wird und sogenannter Rotschlamm als Abfallprodukt entsteht. Das Aluminiumoxid wird eingeschmolzen und in einem sogenannten Elektrolyseverfahren schließlich zu Aluminium umgewandelt.“

Laut Utopia zerstöre jeder Fertigungsschritt von Aluprodukten wie Alufolie die Umwelt: Hauptabbaugebiete von Bauxit seien demnach derzeit Australien, China, Brasilien, Guinea, Indien und Jamaika. Dort müsse häufig Ur- und Regenwald weichen, um an das Bauxit heranzukommen. Der eben erwähnte Rotschlamm sei ein Cocktail aus giftigen Chemikalien, darunter Schwermetalle wie Blei und Quecksilber sowie Natronlauge, der nicht weiterverarbeitet werden könne. Nur, um das Ausmaß zu dokumentieren: Beim Herstellen einer Tonne Aluminium fielen eine bis sechs Tonnen Rotschlamm an. Je nach Gesetzeslage im Abbauland lande der giftige Rotschlamm auf Deponien oder in großen Seen und Flüssen. Letzteres zerstöre ganze Ökosysteme direkt, denn der Giftschlamm sei meist tödlich für Flora und Fauna.

Das Risiko, das von deponiertem Rotschlamm ausgeht, wurde uns vor wenigen Jahren schmerzlich vor Augen geführt, als am 4. Oktober 2010 im Westen Ungarns der Damm einer Rotschlammdeponie brach und mehrere Dörfer von dem giftigen Gemisch überflutet wurden. Zehn Menschen starben (die Zeit nennt sieben Tote), Dutzende wurden verletzt.

Regenwald.org nennt auch die Gesundheitsrisiken, die die Verhüttung von Aluminium berge:

„Die bei der … Verhüttung entstehenden Gase (vor allem: Fluoride) schädigen die Flora, Fauna und Anwohner der Fabriken. Sie führen zu Atemwegserkrankungen, Knochenschäden (Fluorose), Hautproblemen und vielen weiteren Gefahren für die Gesundheit.“

Das Elektrolyseverfahren, mit dessen Hilfe Aluminiumhydroxid in Aluminium gewandelt werde, ist ein extrem energiefressender Prozess: Das Herstellen von Aluminium verbrauche laut Utopia etwa 25-mal so viel Energie wie das Verarbeiten von Glas und in etwa zehnmal so viel wie die Fertigung von Weißblech (Material von Konservendosen). Wikipedia beziffert die Energiemenge, die zur Herstellung von einem Kilogramm Aluminium durch Schmelzflusselektrolyse gebraucht würde, auf etwa 13 bis 16 Kilowattstunden (kWh). Um die ausreichende Menge an Energie zu gewährleisten, würden deshalb an Aluminiumproduktionsorten oft große Wasser- oder Kohlekraftwerke errichtet.

Der Vollständigkeit halber muss geschrieben werden, dass es weniger energieintensive Herstellungsverfahren für Aluminium gibt. So wird in Stade nahe Hamburg in der letzten Fabrik in Deutschland, die Bauxit verarbeitet, der Aluminium Oxid Stade, der Rotschlamm aufwendig aufbereitet, gereinigt und so die Natronlauge ausgewaschen, um sie dann zu recyceln. Angemerkt werden muss, dass das Verfahren offensichtlich sicherer ist, dennoch aber viel Energie verbraucht:

„Die Herstellung von einer Million Tonnen Aluminiumoxid verbraucht so viel Energie wie eine halbe Million Haushalte im Jahr. Dabei frisst die Anlage in Stade nur halb so viel wie ähnliche Firmen im Ausland“, schreibt die Zeit.

Doch damit nicht genug. Aluminium und Alufolie kommen nicht nur mit einer miesen Klimabilanz daher. Von Aluminium gehen auch direkte Gesundheitsgefahren aus.

Aluminium birgt Risiken für die Gesundheit

Aluminium könne laut Utopia das Nervensystem schädigen und den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen. Zudem werde vermutet, dass es die Fruchtbarkeit senke und sich negativ auf Ungeborene auswirken könne. Ein möglicher Zusammenhang sei demnach auch zwischen Aluminium und Krebs, sowie Aluminium und Alzheimer festgestellt worden.

Gefährlich werde Aluminium vor allem dann, wenn der Körper dauerhaft und regelmäßig mit Aluminium belastet werde, so dass sich das Leichtmetall darin anreichere. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (European Food Safety Authority) habe deshalb einen Grenzwert dafür aufgestellt, wie viel Aluminium der Körper vermutlich ohne schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit aufnehmen könne: pro Woche rund ein Milligramm pro Kilo Körpergewicht.

Bezugsquellen von Aluminium seien Nahrungsmittel, die Aluminium von Natur aus enthalten. Das scheide der Körper Utopia zufolge zu 99 Prozent wieder aus. Anders sei es laut Wikipedia, wenn saure, basische und salzige Speisen zusätzlich mit Aluminium in Kontakt kämen, beispielsweise, weil sie in Alufolie gewickelt wurden, das Metall angegriffen und so Aluminium-Ionen ausgelöst hätten, die in die Speisen übergingen. So könnten die von der EFSA empfohlenen Grenzwerte deutlich überschritten werden. Hier ein aktueller Test von der Verbraucher-TV-Sendung Markt des NDR, in dem Markenalufolie und Discounteralufolie auf dem Prüfstand standen. In den letzten Jahren hat man als weitere Aluminiumquelle Deos entlarvt.

Gründe genug, auf Aluminium wie Alufolie ganz zu verzichten und Produkte mit Aluminium wie Deo zu meiden. Und wenn nötig, auf recycelte Aluminiumprodukte zu setzen. Schauen wir deshalb als Nächstes, wie sich Aluminium als Recyclingrohstoff macht.

Recyclingrohstoff Aluminium: Theorie und Praxis

Laut BUND lässt sich Aluminium sehr gut recyceln. Stellt sich die Frage, wie viel des Aluminiums recycelt wird. Die Antwort weiß Utopia: Zwei Drittel aller Aluminiumreste. Dazu sollte man folgende Fakten wissen, die der Aluminiumerzeuger Hydro auf seiner Internet-Seite auflistet:

  • Nur fünf Prozent der Energie, die man brauche, um Primäraluminium zu erzeugen, sei erforderlich, um Aluminium zu recyceln.
  • Somit spare man, verglichen mit der Erzeugung neuen Aluminiums jede Menge Energie und CO2.
  • Der weltweite Bestand an Aluminium, das noch genutzt werde, sei laut Hydro eine Ressourcenbank. Denn ungefähr drei Viertel des Aluminiums, das je erzeugt wurde, sei noch in Gebrauch – wobei ein Teil dessen vielfach recycelt sei.
  • Mit der Energiemenge, die für die Produktion von Aluminium für eine neue Getränkedose erforderlich ist, könne Hydro 20 recycelte Dosen produzieren. Es gelte: Je häufiger Aluminium recycelt werde, desto energieeffizienter werde es.

Utopia beleuchtet zudem zwei Aspekte, die insbesondere das Recyceln von Aluverpackungen von Lebensmitteln kompliziert machen:

  1. Für Verbundverpackungen (also zum Beispiel Kaffeeverpackungen, Getränkekartons usw.), bei denen Aluminium ein Mitbestandteil der Verpackung sei, sei bislang noch keine befriedigende Recyclingmethode gefunden worden – das Aluminium könne nicht effizient von den anderen Stoffen getrennt werden. Die Verpackungen würden daher in der Regel verbrannt, das Aluminium somit nicht wiederverwertet.
  2. Ein anderes Problem seien außerdem bedruckte Aluminiumprodukte, wie Aludosen oder Joghurtdeckel. Werde das Aluminium hier zur Wiederverwertung eingeschmolzen, können von den Aufdrucken langlebige organische Giftstoffe freigesetzt werden.

Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage nach Aluminium und der zugleich langen Lebensdauer vieler Aluprodukte könne laut Hydro recyceltes Aluminium nur 20 bis 25 Prozent der gegenwärtigen Nachfrage nach Aluminium decken. Der Rest müsse demnach aus Primäraluminium hergestellt werden.

Mein Fazit: Aluminium ist derzeit offensichtlich unverzichtbar für so manches Produkt. Solange der Rohstoff umweltfreundlich gewonnen und hergestellt wird, ist gegen seinen Einsatz auch wenig einzuwenden. Zumal viele Produkte recht langlebig sind und sich Aluminium ziemlich gut recyceln lässt.

Einwände erhebe ich jedoch gegen den Einsatz von Aluminium in der Lebensmittelbranche und in der Kosmetikindustrie sowohl als Zutat als auch als Verpackung. Vor allem als Verpackung und somit auch als Alufolie sollte Aluminium nicht mehr angeboten werden. Ich warte hier keinesfalls auf die regulierenden Eingriffe der Gesetzgebung, sondern handle als mündiger Verbraucher: Alufolie von der Rolle kommt mir nicht mehr ins Haus!

Und wer dennoch keineswegs auf Alufolie verzichten will, sollte zumindest auf recycelte Aluminiumfolie zurückgreifen.

Doch Halt! Ganz so einfach ist das auch wieder nicht: ES GIBT IN DER DROGERIE UM DIE ECKE KEINE RECYCLINGALUFOLIE! Ich habe nur eine Bezugsquelle für recycelte Aluminiumfolie, hergestellt von einem US-amerikanischen Unternehmen namens If You Care, gefunden: den Online-Shop Seitenbacher. Falls jemand eine andere Quelle kennt, bitte in den Komentaren posten.

Und das lässt mich nur noch den Kopf schütteln. Warum bitteschön wird ein Rohstoff, der in aller Welt Haushalte als Alufolie im alltäglichen Masseneinsatz ist und sich prima recyceln lässt – und zwar vielfach! – nach Gebrauch nicht wieder und wieder zu dem begehrten Produkt Aluminiumfolie recycelt?

 

    6 Kommentare

  1. Und was wäre deiner Meinung nach eine sinnvolle Alternative zu Aluminium? Plastik?

  2. Ich verstehe einfach die Welt nicht mehr. Dein Bericht wäre ein Zeitungsartikel wert. Danke für das Augen öffnen! Und dass Milch und Getränkepakungen verbrannt werden, enttäuscht mich doch sehr.

  3. Auch wenn die Verwendung so gefährlich ist und die Herstellung solch einen hohen Energieaufwand benötigt, warum versuchen Firmen wie die schweizer Korff AG nicht etwas darüber zu schreiben? Also etwas zu ihren Gunsten?
    Oder warum schreibt niemand über solche Firmen?

  4. Meine Familie und ich haben uns komplett von Alufolie verabschiedet. Um Butterbrote einzupacken verwenden wir Papier und auch beim Grillen kommt keine Alufolie mehr zum Einsatz. Ich hoffe das sich noch mehr Menschen mit dem Thema beschäftigen, wenn Ihnen die Gesundheit und die Umwelt am Herzen liegt.

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