Alle Jahre wieder zu Weihnachten: 20 bis 30 Prozent mehr Abfall

Gepostet von am 22. Dez 2015

Alle Jahre wieder zu Weihnachten: 20 bis 30 Prozent mehr Abfall

Weihnachten ist das Fest der Geschenke. 274 Euro wolle jeder Deutsche 2015 laut einer Umfrage der GfK im Schnitt in Geschenke investieren, wobei die geplanten Ausgaben mit dem Alter der Schenkenden steigen und verglichen mit dem Vorjahr leicht fallen. Viele verschenken ihre Geschenke nur verpackt – der Überraschung wegen. Das ist verständlich. Aber: Die Geschenkverpackungen erhöhen den Berg an Verpackungsabfällen, der aus deren handelsüblichen Verkaufsverpackungen sowieso resultiert, nochmal erheblich. Alle Jahre wieder. Zeit, zu fragen, ob das Geschenk tatsächlich verpackt werden muss – und falls ja, wie sich Verpackung sparen ließe.

Böse ausgedrückt, kommt der Weihnachtsmann nicht nur mit einem Sack voller Geschenke zu uns, sondern in dem Sack steckt auch eine Menge Abfall. Verpackungsmüll, um genau zu sein. (K)Ein Schelm, wer beim Lesen gerade an das eine oder andere Geschenk dachte. Und genau der Abfall steht im Mittelpunkt dieses Artikels. Wobei ich bewusst nach Verkaufsverpackung und vom Schenkenden noch zusätzlich verwendeter Geschenkverpackung unterscheiden möchte. Und das nicht nur wegen der korrekten Entsorgung des Abfalls nach dem Auspacken. Doch dazu später mehr. Zunächst finde ich es spannend, zu ergründen, worin die Gewohnheit wurzelt, dass wir Geschenke überhaupt verpacken. Die Frage ist, ob das Geschenkverpacken traditionell mit dem Weihnachtsfest verbunden ist oder nicht – sprich: aus ökologischen Gründen womöglich verzichtbar wäre oder unverzichtbar ist.

Weihnachtsgeschenke verpacken – verzichtbar oder nicht?

In Europa verschenkt man schöne Dinge schon seit Jahrhunderten mit einer Verpackung. Ursprünglich handelte es sich dabei um Spanholzschachteln, teilweise aufwendig verziert, die mit dem Aufkommen von Karton und Pappe immer häufiger von diesen ersetzt wurden. Im 17. Jahrhundert fertigten die Papiermacher erstmals Geschenkkartons – den Job übernahmen ab dem 18. Jahrhundert die Buchmacher. Später gab es sogar Schachtelmacher.

Das Geschenkpapier kommt aus China. Dort verschönerte man schon Anfang des 2. Jahrhunderts Geschenke mit dem gerade erfundenen Papier. Doch bis Geschenkpapier in Europa verwendet wurde, dauerte es noch lange: Zunächst nutze man hier im 15. Jahrhundert den für seine Widerspenstigkeit bekannten und deshalb wohl schnell wieder aus der Mode geratenen Tapetenstoff. Erst das viktorianische Zeitalter brachte in Geschenkpapier gewickelte und mit Spitzen und Schleifen gebundene Geschenke – und das auch nur für die bessere Gesellschaft. Das war auch die Zeit, in der das Fest der Geburt Christi zum Fest der Bescherung wurde. In den 1870er-Jahren gab es das erste Weihnachtspapier.

Nun, eine christliche Tradition ist das Verpacken von Geschenken demnach nicht. Hat das Verpacken vielleicht eher mit dem Überraschungseffekt zu tun und den Gefühlen, die beim Auspacken von Geschenken ausgelöst werden: Ungeduld, Spannung und Erwartung – und zwar sowohl beim Schenkenden als auch Beschenkten?

Geschenkverpackung – eine emotionale Notwendigkeit?

So langsam komme ich der Geschenkverpackung auf die Spur. Neben dem eben schon als Motiv fürs Verpacken ermittelten Überraschungseffekt gibt einem eine Geschenkverpackung die Möglichkeit, dem Geschenk eine individuelle Note zu verleihen. Das macht Sinn, immerhin ist ein Großteil der Geschenke gekauft und laut TNS Emnid oft ein erfüllter Wunsch (76 Prozent): Die Liste der beliebtesten Geschenke wird laut der eingangs bereits erwähnten GfK-Studie angeführt von Büchern, gefolgt von Spielzeug, Bekleidung und Accessoires, Kosmetika und Parfüm. Geschenke, die kaum Spielraum für einen persönlichen Stempel durch die Hand des Schenkenden bieten. Also wird dafür die Verpackung benutzt.

Aber: Sieht man sich während der Weihnachtszeit im Handel um, ist das Verpacken gekaufter Geschenke vor Ort weit verbreitet. Und da liegt das Problem: Wer ein standardmäßig vom Hersteller verpacktes Geschenk in der Verkaufsverpackung belässt und im Laden noch als Geschenk einwickeln lässt, produziert zwar eindeutig Müll, der in die Gelbe Tonne darf, aber es ist eben eine Menge Abfall – ohne individuelle Note.

Die ökologischere Variante wäre: Geschenk im Laden auspacken, Verpackung dalassen und daheim nach einer Verpackung suchen, die keinen Abfall hinterlässt.

Alternative zu Verpackungsmüll: ökokorrekte Verpackungen

Wer tatsächlich Freude beim Einpacken sucht und dem Geschenk eine persönliche Note verleihen will, weil er so seiner Wertschätzung des zu Beschenkenden Ausdruck verleihen möchte, der hat öko-korrekte Alternativen zu herkömmlichen Geschenkpapier & Co. Meine besten zehn Ideen für natürliche Bio-Geschenkverpackungen, die kaum Müll hinterlassen, findet Ihr hier.

Weniger Verpackungsmüll dank der sparsamen Geschenkpapierverbrauchsformel

Soll das Geschenk unbedingt eingepackt werden, dann lässt sich auch am Verpackungsmaterial sparen. Das geht günstig, schnell und umweltfreundlich mit einer mathematischen Formel, die von Warwick Dumas von der Uni Leicester, Großbritannien, stammt: „Nach seiner Formel entspricht die minimale Geschenkpapierfläche der gesamten Oberfläche des Geschenks – berechnet aus Höhe mal Breite mal zwei plus Höhe mal Tiefe mal zwei plus Breite mal Tiefe mal zwei. Und als Zugabe zum Kleben soll man noch einmal das Doppelte des Quadrats der kleinsten Seitenlänge hinzurechnen“, berichtet der Bayerische Rundfunk (BR) hier. So schaut die Verpackungsformel aus:

A = 2 (ab + ac + bc + c²)

  • A = die Gesamtfläche des Papiers
  • a = die längste Seite des Geschenks,
  • c = die kürzeste
  • b = die verbleibende Seite

Da seine Formel recht kompliziert sei, habe Dumas dem BR zufolge diese Faustformel formuliert: „Die Länge des benötigten Papiers entspricht dem gesamten Umfang des Geschenks – und auch hier sollten zwei Zentimeter fürs Zukleben dazugegeben werden. Die Breite der Verpackung sollte etwas über der Summe von Geschenkbreite und -tiefe liegen. Dumas rät, bei quaderförmigen Geschenken stets die längste Seite als Basis zu nehmen – diagonales Einpacken über die Ecken verbraucht wesentlich mehr Papier.“ Für die, die’s interessiert: Das britische Handelsunternehmen Bluewater hatte die Suche nach einer Geschenkpapiersparmöglichkeit in Auftrag gegeben, da allein die Briten pro Jahr mehr als 80 Quadratkilometer Geschenkpapier verschwendeten.

Weihnachten – Geschenk- und Verbundverpackungen sind ein zusätzliches Entsorgungs- und Verwertungsproblem

Die Geschenke sind nach der weihnachtlichen Bescherung schnell ausgepackt und der Verpackungsmüll wandert in die Tonne. Bestenfalls sortiert nach Geschenkpapier, Geschenkfolie aus Kunststoff (eine der größten Verpackungssünden überhaupt!) und so weiter. Doch wo lassen wir Weihnachtskarten, die sprechen oder singen konnten? Und in deren Batterien (Knopfzellen) unter anderem Schwermetalle stecken? Meist landen solche Karten unzerlegt im Papierabfall oder Restmüll und machen beim Entsorgen und Verwerten Probleme. Ebenso problematisch sind übrigens Verbundverpackungen, also Geschenkverpackungen, die aus zwei oder mehr fest verbundenen Wertstoffen bestehen. Bei Spielzeug findet man solche Verpackungen häufig, zum Beispiel vorne Kunststoff (wegen der guten Aussicht auf den Inhalt) und hinten Pappe, das Ganze nahezu untrennbar verschweißt oder verklebt. Mal ganz ehrlich, wer nimmt die Verbundverpackungen wertstoffgerecht auseinander und entsorgt die Bestandteile nach Vorschrift in der Gelben Tonne?

Wie groß das Mehraufkommen an Müll zu Weihnachten ist, belegen diese Zahlen für Wien: 300 Tonnen Altpapier mehr fallen in Österreichs Hauptstadt zusätzlich an, darunter Verkaufsverpackungen und Geschenkverpackungen. Außerdem 550 Tonnen mehr Restmüll und 600 Tonnen Weihnachtsbäume (dazu in Kürze mehr auf dem Blog). Für das deutsche Nördlingen finde ich 20 bis 30 Prozent höhere Abfallmengen zu Weihnachten.

Mehr Weihnachtsverpackungsmüll wegen Online-Handel

Doch das Weihnachtsfest hat eine weitere Facette, die Verpackungsabfälle in großer Menge produziert: Dann nämlich, wenn Geschenke via Post verschickt werden. Einerseits vom Online-Shop zum Schenkenden und andererseits vom Schenkenden zum Beschenkten. Das Aufkommen von Päckchen und Paketen geht in die Millionen, die Zusteller berichten von der alljährlichen Weihnachtsflut: Während an normalen Tagen um die drei Millionen Sendungen zugestellt werden, sind es an den Tagen vor Weihnachten mehr als acht Millionen. Man stelle sich den zusätzlichen Berg von Verpackungen vor!

Selbstverständlich ist der Online-Handel Mitverursacher der zunehmenden Paketzahl. Aber ich scheue mich immer davor, den Online-Handel zu verdammen, denn mir beschert er im wahrsten Sinne des Wortes ein großes Stück Lebensqualität: Er schenkt mir Zeit, indem er mir den Shopping-Weg erspart. Das mögen andere anders sehen, als arbeitende Mutter von vier Kindern bin ich froh, dass es den Online-Handel gibt. Und ich bin da offensichtlich nicht allein: Laut der GfK-Studie kaufen zu Weihnachten 2015 51 Prozent der Befragten mindestens ein Geschenk im Internet. Renner im Online-Handel sind Abos und Veranstaltungstickets. Aber: Ich bestelle möglichst viel zugleich, so dass die bestellten Sachen in nur einem Paket bei mir landen, und nicht in mehreren. Dafür warte ich mitunter lieber länger drauf – alles eine Frage geplanter Bestellungen.

Mein Fazit: Schaue ich mir die nationalen Verpackungsabfallberge an, fällt mir auf, dass die Abfallberge der Industrieländer in Nordamerika und Europa am höchsten sind. Das ist ganz sicher auch dem extrem erhöhten Verpackungsabfall- und Restmüllaufkommen (zu dieser Zeit wird in den Ländern übrigens auch extrem viel Essen weggeworfen und Energie verbraucht!) zu Weihnachten zuzuschreiben. Dabei ließe sich eine Menge Verpackung ganz leicht sparen. Von jedem einzelnen Verbraucher. Und wenn man dem Handel seine handelsüblichen Verpackungen da ließe, wäre auch das ein Signal an die richtige Adresse. Ich persönlich setze viel eher mit dem Müllsparen an – nicht erst beim Verpackungswahn, sondern schon beim Konsumwahn: Bei uns gibt’s nur ein Geschenk für jeden – und das unverpackt oder ökologisch wertschätzend verpackt.

Die weihnachtlichen Abfallberge sind für die Entsorger und Verwerter nicht nur Mehrarbeit beim Sammeln. Sie sind auch insofern eine Herausforderung, als dass viele Wertstoffe falsch entsorgt werden. Handelt es sich dabei um intelligente Fehlwürfe, mag das noch gut gehen – andernfalls landet der Wertstoff ungenutzt in der Müllverbrennungsanlage oder auf einer Deponie. Und das ist eine Umweltsünde, mit der sich zu Weihnachten niemand gerne schmückt, oder?

 

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