Seltene Erden – Wie wirkt man der Knappheit entgegen?

Gepostet von am 19. Jul 2016

Seltene Erden – Wie wirkt man der Knappheit entgegen?

Seltenen Erden sind begehrt. Kaum ein Hightech-Produkt funktioniert noch ohne sie. Aber wie der Name schon verrät, sie sind selten. Damit der Bedarf auf lange Zeit gedeckt bleibt, muss heute schon nach einer Lösung gesucht werden. Aber was ist die beste Lösung? Neue Lagerstätten finden, Alternativen für Seltenerdmetalle entwickeln oder in Recycling investieren?

Was haben Smartphones, LED-Lampen und Windräder gemeinsam? Sie funktionieren nur dank Metallen der Seltenen Erden. In einem Smartphone ist praktisch das halbe Periodensystem verbaut. So gut wie jedes Metall auf der Welt steckt in dem kleinen Ding. Gold, Silber, Platin, Kupfer sind dabei. Aber auch Seltene Erden wie Praesodym oder Neodym. Ohne diese könnte das Gerät nie so klein sein und der Touchscreen würde nicht funktionieren.

Metalle wie Gold, Silber, Platin und Kupfer können problemlos recycelt werden. Bei den Seltenen Erden hingegen funktioniert das nicht problemlos. Denn beim Herstellungsprozess werden Kleinstmengen an diesen Metallen so zusammen verbaut, dass sie nicht mehr zu trennen und später nicht mehr recycelbar sind.

Neben den Problemen, die diese Seltenen Erden nach ihrem Gebrauch machen, gibt es noch jene, die sie davor, nämlich bei ihrer Gewinnung machen. Seltene Erden entdeckt man nicht so leicht, wie Gänseblümchen auf einer Wiese. Um sie zu finden, muss man die Umwelt ramponieren. Aber was ist die Lösung all dieser Probleme? Sollte man Auschau nach neuen Lagerstätten halten oder in innovative Recyclingmethoden investieren oder nach Alternativen zu Seltenen Erden suchen?

Neue Vorkommen?

Nach wie vor werden rund 90 Prozent der Seltenen Erden in China verarbeitet. Das bedeutet: Ein einziges Land hat die komplette Kontrolle über Rohstoffe, die für das Leben, wie wir es heute kennen, essenziell sind. China hat ein gefährliches Monopol für den Export von Metallen wie Tantal, Praesodym oder Neodym. Schon in der Vergangenheit hat das Land die Muskeln spielen lassen. 2011 hat China den Export beschränkt, was die Preise in die Höhe schnellen ließ und viele Unternehmen veranlasst hat, ihre Produktion herunterzufahren.

Neue potenzielle Vorkommen stellen die Weltmeere dar. Diese sind übersäht mit Bodenschätzen. Aber auch das ist nicht frei von einem Haken. Denn in Hunderten Metern Meerestiefe lassen sich die Seltenen Erden ebenso wenig umweltfreundlich bergen, wie an Land. Laut derzeitigem Stand der Technik wäre eine starke Verschmutzung der Ozeane die Folge.

Auch durch neue Vorkommen und immer effizienter werdender Technologie zum Produzieren der Seltenen Erden, werden diese im Laufe der Zeit knapp. Es ist ja nicht nur das oben beschriebene Smartphone, das es ohne Seltene Erden nicht geben würde. Die ganze im Hype befindliche Grüne Technologie funktioniert bloß dank dieser Rohstoffe. Keine Windkraftanlage und kein Elektroauto würden ohne Seltene Erden auskommen. Und hier sprechen wir nicht von ein paar Gramm, wie beim Handy, sondern von bis zu 20 Kilogramm, die in einem einzigen Fahrzeug verarbeitet sind. Zu viel, um sie unwiederbringlich zu entsorgen.

Ist Recycling die Lösung?

Recycling ist die Chance für Deutschland und Europa. Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Die meisten – und eben auch die Seltenen Erden – müssen importiert werden. Das Positive an der Sache ist: Wenn die Rohstoffe einmal importiert wurden, sind sie bereits im Land. Und was Recyclingtechnologien betrifft, ist Deutschland ein Vorreiter. Vor einigen Jahren galt die Wiederverwertung von Kupfer und Gold als Durchbruch. Warum sollte man in fünf bis zehn Jahren nicht dasselbe über das Recycling von Seltenen Erden sagen können?

Aber recycelt wird nur dann, wenn es sich auch lohnt. Warum sollte man in Technologien investieren, die es ermöglichen die Seltenen Erden eines Smartphones zu gewinnen, wenn die Anschaffung des Primärrohstoffs billiger ist? Derzeit ist genau das der Fall. Obwohl die Vorkommen knapp sind, ein einziges Land ein Monopol hält und die Seltenerdmetalle immer begehrter werden, sind sie so billig, dass Recycling wirtschaftlich unrentabel wäre.

Gibt es Alternativen zu Seltenen Erden?

Jein. Derzeit ist die einzige Alternative zu einem Metall der Seltenen Erden ein Metall der Seltenen Erden. Die extrem leistungsstarken Magnete in Elektroautos oder Windrädern brauchen Dysprosium. Und da es immer mehr Elektroautos und Windkraftanalgen gibt, steigt der Bedarf an diesem Seltenerdmetall. Aber: Dysprosium ist ein schweres Metall der Seltenen Erde. Und ein solches ist noch seltener als die leichten.

Dem Autohersteller Honda ist vor Kurzem ein Durchbruch gelungen. Das schwere Seltenerdmetall Dysprosium im Elektromotor wurde durch das leichte Neodym ersetzt. Zwar sind beides Metalle der Seltenen Erden, aber Letzteres ist bei Weitem nicht so selten wie Dysprosium. Zudem wird Neodym nicht nur in China, sondern auch in Australien und Nordamerika gewonnen, was die Abhängigkeit vermindert.

Die eine Lösung gibt es (noch) nicht

Die Ausbeutung weiterer Lagerstätten ruiniert die Umwelt. Die bislang einzigen Alternativen zu Seltenen Erden sind andere Seltene Erden. Und Recycling ist im Vergleich zum Rohstoffpreis zu teuer. Der einzige Punkt, der sich in absehbarer Zeit ändern wird, ist der letzte. Denn irgendwann wird man den Seltenen Erden ihre Seltenheit auch am Preis ansehen. Und dann führt kein Weg mehr vorbei am Recycling. Je früher die Technologie dafür bereit ist, desto besser.

 

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Quellen:

http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article151650363/Nach-diesem-Handyrohstoff-buddeln-Kinder-metertief.html

http://future.arte.tv/de/seltene-erden

http://www.nzz.ch/mobilitaet/auto-mobil/nachhaltige-autoproduktion-weniger-seltene-erden-im-honda-hybrid-ld.105473

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