Die Biotonne – Teil 2: Sammelergebnisse

Gepostet von am 25. Jul 2017

Die Biotonne – Teil 2: Sammelergebnisse

Wir reden hier immer noch über die Biotonne. Während ich euch im ersten Teil der Serie mit Grundlagenwissen versorgt habe, unter anderem zur Pflicht, Biomüll getrennt zu entsorgen und dazu, was ihr in die Biotonne werfen dürft und was nicht, geht es m mir heute um die konkreten Sammelergebnisse. Die unterscheiden sich regional nämlich enorm, wie ihr gleich lesen könnt. Warum es unter uns offensichtlich Biomüllmuffel gibt, das ist hier die Frage.

Wie viel Müll landet von jedem deutschen Verbraucher in der Biotonne?

Ende 2016 informierte das Statistische Bundesamt (Destatis) über die Haushaltsabfälle, die wir deutschen Verbraucher im Jahr 2015 in den Müll warfen. Demnach seien von uns 32,7 Millionen Tonnen Abfälle eingesammelt worden: 200.000 Tonnen weniger als noch 2014 (ein Minus von 0,6 Prozent). Im Schnitt seien 2015 pro Einwohner 454 Kilogramm Haushaltabfälle gesammelt worden.

Ein genauerer Blick auf die Haushaltsabfälle zeigt deren Art und Zusammensetzung, wobei die getrennt gesammelten Abfälle laut Destatis mit 59 Prozent, also 21,9 Millionen Tonnen oder 267 Kilogramm pro Einwohner, den größten Anteil am Abfallaufkommen gehabt hätten:

  • Der Wertstoff-Anteil (hierzu zählen demnach Papier, gemischte Verpackungen und Glas) sei mit 12,1 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent gestiegen.
  • Dafür sei der Anteil der organischen Abfälle (sogenannter Biomüll) um knapp 0,2 Millionen Tonnen oder 1,8 Prozent auf 9,7 Millionen Tonnen gesunken. Den Rückgang begründet Destatis damit, dass er in erster Linie mit der langanhaltenden Dürreperiode in Deutschland in 2015 zusammenhängen würde. Wobei angemerkt wird, dass der Rückgang der Abfälle aus der Biotonne (ein Minus von 0,7 Prozent) wesentlich geringer ausgefallen sei als bei den Garten- und Parkabfällen. Hier sei die Menge von gut 5,2 Millionen Tonnen um 2,7 Prozent auf knapp 5,1 Millionen Tonnen im Jahr 2015 gesunken.
  • Mit 13,1 Millionen Tonnen beziehungsweise 159 Kilogramm je Einwohner hätte der Hausmüll (sogenannter Restmüll) 35 Prozent der Haushaltsabfälle ausgemacht.
  • Der Sperrmüll hätte sich demzufolge auf 2,3 Millionen Tonnen oder 28 Kilogramm je Einwohner (6 Prozent) belaufen.

Damit sei das Aufkommen an Haus- und Sperrmüll um knapp 0,1 Millionen Tonnen auf zusammen 15,4 Millionen Tonnen gesunken: auf den niedrigsten Stand seit 1990.

Aus der zur Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes gehörigen Tabelle habe ich die folgenden Zahlen zur Biotonne: Demnach fielen in deutschen Haushalten 2015 insgesamt 9.665.800 Tonnen organische Abfälle an (118 Kilogramm pro Einwohner), davon stammten 4.569.300 Tonnen aus der Biotonne (56 Kilogramm pro Einwohner) und 5.096.500 Tonnen waren Garten- und Parkabfälle (62 Kilogramm pro Einwohner).

Damit haben wir eine konkrete Zahl für die Menge an Biomüll, die jeder von uns deutschen Verbrauchern 2015 in die Biotonne entsorgte: 56 Kilogramm.

Regional stark variierende Sammelergebnisse bei Biomüll

Die Deutschen sammeln Biomüll in der Biotonne, keine Frage. Doch die durchschnittliche Menge von 56 Kilogramm im Jahr 2015 ist eben nur ein Durchschnittswert. Laut Medienberichten im Mai 2016 seien die Berliner beispielsweise „Biomüll-Muffel“: Sie entsorgten demnach nur 19 Kilogramm Biomüll pro Jahr in ihren Biotonnen. Nur die Brandenburger seien wohl noch biomüll-muffliger. Die Stadtstaaten Hamburg und Bremen kämen auf Bio-Müll-Sammelquoten von 33 und 35 Kilogramm pro Einwohner.

Der NDR meldete Ende 2016, dass Niedersachsen im Jahr 2014 „Biomüll-Meister“ geworden sei: Jeder Niedersachse habe demnach „im Durchschnitt 164 Kilogramm Bioabfälle getrennt vom übrigen Haushaltsmüll in die Abfalltonne gepackt.“ Das seien laut Landesamt für Statistik (LSN) 43 Kilogramm mehr als im Bundesdurchschnitt. Den letzten Platz im Ranking hätte Berlin mit 23 Kilo Biomüll pro Einwohner belegt. Wer aufmerksam gelesen hat, kann demzufolge eine Verringerung des von den Berlinern gesammelten Biomülls in der Biotonne von 23 Kilogramm im Jahr 2014 auf 19 im Jahr 2015 feststellen.

Übrigens treffe dieses Ranking auch beim Thema Wertstoffe zu: Hier hätten die Niedersachsen 167 Kilogramm pro Kopf gesammelt, während die Berliner nur auf 112 Kilogramm Wertstoffe gekommen seien. Der deutsche Durchschnitt hätte im Jahr 2014 bei 149 Kilogramm gelegen. Spitzenreiter sei hier mit 174 Kilogramm pro Einwohner das Bundesland Rheinland-Pfalz gewesen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) veröffentlichte dazu Ende 2015 die passende Statistik (Quelle: Statista) unter dem Titel „Mehr Biomüll – außer in Berlin“. In Klammern stehen die Veränderungen zum Vorjahr 2013):

  • Niedersachsen: 163 Kilogramm Biomüll (+16 Kilogramm)
  • Rheinland Pfalz: 160 Kilogramm Biomüll (+13 Kilogramm)
  • Bayern: 149 Kilogramm Biomüll (+7 Kilogramm)
  • Saarland: 145 Kilogramm Biomüll (+2 Kilogramm)
  • Baden-Württemberg: 138 Kilogramm Biomüll (+8 Kilogramm)
  • Hessen: 136 Kilogramm Biomüll (+10 Kilogramm)
  • Sachsen-Anhalt: 122 Kilogramm Biomüll (+14 Kilogramm)
  • Nordrhein-Westfalen: 120 Kilogramm Biomüll (+13 Kilogramm)
  • Schleswig-Holstein: 103 Kilogramm Biomüll (+8 Kilogramm)
  • Thüringen: 97 Kilogramm Biomüll (+11 Kilogramm)
  • Bremen: 88 Kilogramm Biomüll (+3 Kilogramm)
  • Mecklenburg-Vorpommern: 67 Kilogramm Biomüll (+8 Kilogramm)
  • Brandenburg: 55 Kilogramm Biomüll (+9 Kilogramm)
  • Sachsen: 51 Kilogramm Biomüll (+3 Kilogramm)
  • Hamburg: 45 Kilogramm Biomüll (+4 Kilogramm)
  • Berlin: 23 Kilogramm Biomüll (-16 Kilogramm)

Daraus und aus den zuvor bereits geschriebenen Infos lässt sich ablesen, dass die Berliner immer weniger Biomüll in der Biotonne sammelten, während alle anderen deutschen Verbraucher ihre Biotonne fleißiger als zuvor füllten.

Ursachen für regional unterschiedliche Sammelergebnisse

Ich begebe mich jetzt auf Ursachenforschung: Warum weichen die Sammelergebnisse für Biomüll in der Biotonne so stark voneinander ab? Ich habe folgende Erklärungen:

Warum sammeln die Stadtstaatler auffallend wenig Biomüll in der Biotonne?

Auffallend ist zum einen, dass die Stadtstaatler in Hamburg, Bremen und Berlin vergleichsweise wenig Biomüll in der Biotonne sammeln. Ich bin selbst Hamburger, mitten aus der Stadt. Ohne Garten und damit auch ohne Gelegenheit, Biomüll dort zu kompostieren. In meinem Haus wohnen 20 Parteien. Wir haben eine grüne Biotonne. Die ist zum Abholtag, Donnerstag alle 14 Tage, nicht immer voll. Von recherchierenden Blicken in die grauen Restmülltonnen weiß ich, dass ein Großteil der Mietparteien in unserem Haus organischen Biomüll dorthinein entsorgt. In Gesprächen mit unseren Nachbarn erfuhr ich, dass diese nicht alle wirklich über die Mülltonnenfarben Bescheid wussten. Anderen sei das Sammeln von Bio-Abfällen in der Küche zu „stinkig“ und „eklig“. Der daraus resultierend häufiger nötige Gang zur Biotonne sei ihnen (zu) „lästig“. Auf meinen Hinweis hin, dass es doch aber ein Gebot der Stunde sei, den Müll noch sortenreiner zu trennen, um ihn wiederverwerten zu können, erntete ich erstaunte Blicke oder das Argument, „dass sei doch egal, weil eh alles in die selbe Müllverbrennungsanlage käme …“.

Eine lange aber dennoch durchaus lesenswerte, weil das Hamburger Müll-Milieu studierende, Reportage dazu hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ verfasst. Die will ich euch an dieser Stelle unbedingt ans Herz legen. Sie bestätigt meine Minirecherche vor der eigenen Wohnungstür. Leider.

Brandenburg –gibt’s hier kaum Biomüll?

Das Bundesland Brandenburg ist in 2014 dem Vorgeschriebenen zufolge Viertletzter und in 2015 Letzter im Ranking der Bundesländer gewesen, als es ums Sammeln des Biomülls ging. Auf der Suche nach Gründen habe ich diesen Artikel in der Online-Ausgabe der Lausitzer Rundschau von Anfang 2015 gefunden, dessen Titel lautet: „Warum Brandenburg mit der Biotonne hadert“.  Nach der Lektüre ergibt sich folgender Grund: Brandenburg hätte demnach „der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung (MBA) den Vorzug eingeräumt“, während anderswo schon die Biotonne „auf dem Vormarsch“ gewesen sei. Daraus resultierten Infra-Entsorgungs-Strukturen, die für die Biotonne geändert werden müssten, ganz klar. Denn laut dem Artikel habe Brandenburg „sich das Ziel gestellt, bis 2020 eine Menge von mindestens 70 Kilogramm Bioabfall jährlich pro Einwohner einzusammeln. 30 Kilogramm davon über die Biotonne.“

Gibt es schon überall Biotonnen?

Weitere Gründe für das regional unterschiedliche Biomüll-Sammelverhalten liefert uns der NABU: Recherchen des Naturschutzbundes hätten ergeben, „dass mehr als zwei Jahre nach Einführung der Getrenntsammlungspflicht für Bioabfälle noch immer 35 von 402, also fast neun Prozent der deutschen Kreise und kreisfreien Städten keine Biotonne eingeführt haben. Manche Kreise bieten noch nicht einmal ein Bringsystem für diese Abfälle an. Das heißt, dass den Bürgerinnen und Bürgern keine Möglichkeit gegeben wird, Bioabfälle getrennt zu entsorgen. Daher werden im Jahr 2017 immer noch weit weniger als die möglichen neun Millionen Tonnen Bio- und Grünabfall in Deutschland getrennt erfasst und verwertet werden“. Hierzu zeigt der NABU eine anschauliche Grafik zum voraussichtlichen Biotonnen-Angebot für 2015/6, die das Umweltbundesamt herausgegeben habe.

Als zweiten Grund neben der lückenhaften Getrenntsammlung nennt auch der NABU „die mangelnde Bereitschaft zu trennen. Dort, wo die Getrenntsammlung möglich ist, wird noch zu wenig getrennt. Verbraucherinnen und Verbraucher bzw. Großverbraucher entsorgen noch immer viel zu viele Küchenabfall in der Restmüll- statt in der Bioabfalltonne. Dabei eignen sich gerade Küchenabfälle besonders gut für die Vergärung. Auch die Salzfrachten sind für die stoffliche Verwertung heutzutage kein Problem mehr. Dass zu wenig Küchenabfall in der Biotonnen landet, kann nicht nur den Verbraucherinnen und Verbrauchern angelastet werden: mancherorts bestärken veraltete kommunale Abfallsatzungen sogar dieses Verhalten“.

Damit haben wir ganz klar herausgearbeitet, woran es liegt, dass die Biotonne hierzulande  regional so auffallend unterschiedlich befüllt wird:

  1. wegen der noch immer lückenhaften Getrenntsammlung, die aus den lückenhaft zur Verfügung stehenden Biotonnen resultiert
  2. wegen der mangelnden Bereitschaft der privaten Verbraucher und Großverbraucher zur Getrenntsammlung.

Im nächsten Teil unserer Info-Reihe zur Biotonne geht es mir um deren Inhalt. Ja, meine Lieben, wir gucken da mal rein! Ich möchte nämlich aufzeigen, was in der Biotonne derzeit landet und was mit dem Biomüll überhaupt geschieht. Denn damit räume ich zugleich den Mythos aus dem Weg – dem Weg zur Biotonne quasi -, den mir meine Nachbarn nannten: Dass sowieso aller Müll in einer Anlage landen würde. Von wegen! Bleibt gespannt!

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