Cradle-to-Cradle (C2C) – damit Recycling rund läuft!

Gepostet von am 21. Jun 2016

Cradle-to-Cradle (C2C) – damit Recycling rund läuft!

Von der Wiege zur Bahre, das ist unser Weg. Und meist auch der Weg all dessen, was wir unterwegs dabei haben. Manches verbrauchen wir, anderes gebrauchen wir. Nicht (mehr) Gebrauchtes lassen wir am Wegrand liegen. Dort verschmutzt es oft die Umwelt. Und häuft sich an, bis wir und die, die uns folgen, nicht mehr drüber schauen können. Damit wird unser Weg zur Schneise, immer enger, bis die endlosen Müllhaufen von links und rechts auf uns einstürzen und kein Fortkommen mehr möglich ist.

Weder für uns vorneweg, noch die hintendran. Klingt düster? Ist leider Tatsache! Doch keine Sorge, es gibt Licht gegen das Dunkel: Cradle-to-Cradle. Das Stoffkreislaufprinzip „von der Wiege zur Wiege“ zeigt, dass es keinen Abfall geben muss. Vorausgesetzt, alle ziehen am selben Strang. Wovon wir leider noch weit entfernt sind. Dennoch Grund genug, sich mit C2C zu befassen. Je eher, desto besser.

Was ist Cradle-to-Cradle?

C2C ist ein Modell, nach dem industrielle Prozesse ablaufen können. Bei C2C wird angenommen, dass sich sämtliche Materialien in geschlossenen, entweder biologischen oder technischen Kreisläufen bewegen. Demnach gäbe es null Abfälle. Vielmehr setzt C2C das, was wir heute unter Abfall verstehen, mit „Nahrung“ gleich. Wobei damit „biologischer und technischer Nährstoff“ gemeint ist, weshalb man auch von „Biosphäre und Technosphäre“ spricht. Biologischer Nährstoff ist demnach das Grundmaterial, das Organismen bis zur letzten Zelle nutzen, um zu existieren. Solche biologischen Nährstoffe basieren zumeist auf Kohlenstoffverbindungen. Dementsprechend sind technische Nährstoffe Materialien, die andauernd in geschlossenen industriellen Kreisläufen fließen. Technische Nährstoffe sollten nicht in biologische Kreisläufe gelangen.

Michael Braungart: „. . . neue Art der Produktion . . . Deren Ziel ist es, Dinge nicht weniger schädlich, sondern nützlich herzustellen und hochprofitable, gesunde Produkte zu kreieren, deren Bestandteile in biologischen und technischen Nährstoffkreisläufen zirkulieren können. Von der Wiege in die Wiege statt wie bisher von der Wiege bis zur Bahre. Eine Welt ohne Abfall.“

Wie effizient ist Cradle-to-Cradle?

Cradle-to-Cradle will gar nicht effizient sein, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn: Vielmehr stellt das Konzept den aktuellen ökoeffizienten Ansätzen, denen es vor allem um eine quantitative Reduktion all der negativen Folgen unseres derzeitigen Produzierens und Konsumierens geht, eine ökoeffektive Alternative entgegen. Ökoeffektives Wirtschaften beruht darauf, dass die Industrie Möglichkeiten und Wege findet, öko-korrekt zu produzieren, so dass öko-korrekte Produkte entstehen.

Michael Braungart: „Tatsächlich stagniert Deutschland beim Thema Umweltschutz schon seit der Wiedervereinigung. Es tut mir weh, wenn ich sehe, dass die Deutschen Umweltschutz immer noch als nachgeschaltete Umwelttechnik verstehen statt als Produktinnovation. Damit sind die Deutschen für das, was ich vorschlage, eine Gefahr.“

Wie bewertet C2C Gebrauchsgüter?

Gebrauchsgüter sind solche, die wir zwar ge– aber nicht verbrauchen. Gebrauchsgüter bleiben im C2C-Konzept im Besitz des Herstellers. Das entlastet uns Verbraucher, denn um die Entsorgung müssen wir uns nicht kümmern, das obliegt ihrem „Besitzer“. Zugleich unterliegen alle Gebrauchsgüter einer stetigen Optimierung, um den Anforderungen in den geschlossenen technischen Kreisläufen zu genügen.

Michael Braungart: „Gebrauchsgüter hingegen sollten so produziert werden, dass sie nach der Benutzung wieder und wieder recycelt werden. Dass ihre technischen Nährstoffe wieder in Produktionskreisläufe zurückgeführt werden können, ohne an Materialwert oder Intelligenz zu verlieren.“

Michael Braungart: „Menschen müssen Marktwirtschaft neu denken. Man sollte zum Beispiel nicht Autos verkaufen, sondern Mobilität. Wir haben für Ford einen Prototyp samt Konzept entwickelt, um den Menschen nur 60.000 Meilen zu verkaufen. Im Paket ist das Benzin drin, die Steuer, die Versicherung. So hat der Hersteller plötzlich ein Interesse an einem energiesparenden, sicheren Auto, das kaum Wartung braucht. Man kann nicht wie bisher den Gewinn privatisieren und das Risiko vergesellschaften. Daher sollten definierte Nutzungszeiten verkauft werden, eine Art Leasing.“

Was sind Verbrauchsgüter?

Die Güter, die für geschlossene, biologische Kreisläufe gemacht sind, und die die „Nährstoffe“ für unsere Lebenswelt bilden, sind im C2C-Konzept sogenannte Verbrauchsgüter. Sie können wegen ihrer öko-korrekten Beschaffenheit jederzeit bedenkenlos in Kontakt mit der Umwelt geraten.

Michael Braungart: „Das heißt, dass Verbrauchsgüter so umweltfreundlich hergestellt werden sollten, dass man sie bedenkenlos in den Kompost werfen kann.“ 

Was ist mit Gütern, die „unverwertbar“ sind?

Unverwertbare Güter ließen sich weder konsumieren noch nutzen: nicht in organischen, nicht in industriellen Stoffwechseln. Ein gesundes und sicheres Recycling solcher Güter ist nach heutigem Erkenntnisstand nicht möglich – daher fordert das C2C-Konzept, solche unverwertbaren Güter möglichst schnell zu ersetzen. Einstweilen sollte man sie aber zumindest sicher lagern.

Michael Braungart: „Produkte, die nicht kompostierbar sind, müssen nach unserem Verständnis von Entwicklungsbeginn an so gestaltet werden, dass ihre Bestandteile endlos wiederverwendet werden können. Was uns bisher als Recycling präsentiert wurde, ist meist ein Downcycling, eine Alibi-Maßnahme.“

C2C – wer hat’s erfunden?

Das Konzept Cradle-to-Cradle stammt aus der Feder des deutschen Verfahrenstechnikers und Chemikers Michael Braungart. Braungart entwickelte C2C zusammen mit dem US-Amerikaner William McDonough, einem Architekt, Designer und Autor.

 

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