Was zur ordentlichen Entsorgung von Sperrmüll gehört

Gepostet von am 30. Jul 2015

Was zur ordentlichen Entsorgung von Sperrmüll gehört

Was ist Sperrmüll? Wie werde ich meinen Sperrmüll am besten los? Wem gehört Sperrmüll am Straßenrand eigentlich? Und darf man sich vom Straßenrand nehmen, was man möchte? Was tun, wenn ich beobachte, wie jemand seinen Sperrmüll an den Straßenrand kippt? Fragen über Fragen, die hier beantwortet werden.

Was ist Sperrmüll, was ist keiner?

Aus dem Begriff Sperrmüll lässt sich bereits schließen, dass es sich dabei um „sperrigen Müll“ handelt, der entweder so groß ist, dass er nicht über die üblichen Wege entsorgt werden kann, weil er schlichtweg nicht in die dafür vorgesehenen Behälter passt. Oder, dass Sperrmüll von seiner Beschaffenheit her so andersartig als der normale Müll ist, dass er einer besonderen Entsorgung bedarf. Demnach ist alles, was sich ordnungsgemäß in Mülltonne, Biotonne, diversen Wertstofftonnen, Wertstoffcontainern oder Wertstoffsäcken, Restmülltonnen und Kompostbehältern sammeln lässt, kein Sperrmüll. Auch sanitäre Anlagen (der fehlplatzierte Klassiker auf dem Sperrmüllhaufen: die WC-Schüssel), Bauschutt, Kühlschränke sowie Elektrogeräte (findet man beides leider häufig auf den Sperrmüllhaufen) und Autoteile sind kein Sperrmüll.

Wem gehört der Sperrmüll am Straßenrand?

Man kann häufig beobachten, dass sich Menschen an Sperrmüllhaufen zu schaffen machen, wenn diese am Rand der Straße aufgehäuft wurden. Mitunter streiten sich solche Wertschätzer auch über einem Sperrmüllhaufen – wie jüngst in Emden, wo ein Staubsauger so sehr begehrt wurde, dass er eine Massenkeilerei auslöste, aber das nur ganz am Rande. Keine Frage, in einer Wegwerfgesellschaft wie der unseren landet auch so mancher Wertstoff ungeachtet seines aktuellen Gebrauchswertes im Sperrmüll. Und gut, wenn das, was für den einen bereits wertlos und unbrauchbar ist, für den anderen durchaus noch Wert hat, oder?

Ganz so einfach ist es nicht: Das Durchstöbern von Sperrmüll und das Mitnehmen dessen, was einem gefällt, ist hierzulande kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl. Denn der Sperrmüll gehört entweder noch dem ehemaligen Besitzer (also dem Erzeuger des Sperrmülls) oder schon dem Entsorgungsunternehmen, von dem der Erzeuger erwartet, dass es seinen Sperrmüll einsammelt und entsorgt. Das zumindest urteilte das Landgericht Ravensburg 2009 in einem Fall, der durch die Medien ging (mehr dazu hier). Im Urteil hieß es: „Stellt ein Künstler selbstgemalte Bilder zum Sperrmüll, so liegt darin wegen der persönlichen Beziehung zu den Gegenständen keine Eigentumsaufgabe, sondern nur eine auf eine Eigentumsübertragung an den Träger der Müllabfuhr zur Vernichtung der Bilder gerichtete Erklärung.“ Formuliert man das Juristendeutsch verbraucherverständlicher heißt das: Der Künstler möchte, dass sein Bild von der Müllabfuhr entsorgt wird – nicht jedoch, dass jemand anderes es mitnimmt. Der wäre dann nämlich ein Bilderdieb, um im Beispiel zu bleiben.

Das Ganze wird aber auch vor einem anderen Hintergrund zunehmend wichtiger: Denn es sind nicht nur die Nachbarn, also Privatpersonen, die im Sperrmüll nach Schätzen suchen, sondern längst auch organisierte illegale Sperrmüllsammler, die oft auf der Suche nach Wertstoffen wie Metall oder elektronischen Bauteilen sind. Indem diese Personen die Wertstoffe stehlen, entgehen der Kreislauwirtschaft Gelder, die sie für den Verkauf der Materialien hätte einnehmen können. Der organisierte Wertstoffdiebstahl verursacht so wirtschaftlichen Schaden in großem Ausmaß. Ganz zu schweigen davon, dass die illegalen Sperrmüllsammler den Sperrmüll nach Metall und anderem oft derart plündern, dass die rücksichtslos hinterlassenen Reste von Kühlschrank, Computer & Co. der Umwelt gefährlich werden können.

Wie wird man Sperrmüll ordentlich los?

Der Umgang mit Abfällen ist hierzulande gesetzlich geregelt. Das Strafgesetzbuch bestimmt in seinem Paragraphen 326, was an Sperrmüllentsorgung erlaubt ist und was nicht. Wer seinen Sperrmüll legal loswerden will, informiert sich deshalb zuerst bei seiner Kommune, welche Möglichkeiten sie zur Entsorgung bietet. Oft sind die Entsorgungswege verbraucherfreundlich im Internet aufgezeigt. Oder es werden Info-Flyer ausgegeben beziehungsweise telefonische Auskünfte erteilt, um sich vorab schlau zu machen.

Wer dagegen meint, seinen Sperrmüll mal eben in die Landschaft kippen zu können, ist nicht nur ein – mit Verlaub geschrieben: Umweltsünder – sondern macht sich strafbar (Ordnungswidrigkeitsverfahren wird eingeleitet, Bußgelder werden verhängt), wenn es sich dabei um gefährliche Abfälle handelt.

Es ist ganz unterschiedlich, wie Kommunen die Entsorgung von Sperrmüll händeln. Drei Wege haben sich offensichtlich bewährt:

  1. Es gibt entweder einen „amtlichen“ Termin*, an dem der Sperrmüll abgeholt wird. Ob vom Straßenrand oder einem Sammelplatz**, das ist unterschiedlich.
  2. Oder man ruft beim zuständigen Entsorger an, um den Sperrmüll an einem bestimmten Tag gegen Gebühr abholen*** zu lassen. Die dafür geltenden Bestimmungen sind vorab zu erfragen und einzuhalten. Zum Beispiel listet man vor der Abholung auf, was weg soll, wobei gilt: Abgeholt wird nur, was auf er Liste stand.
  3. Oder man bringt seinen Sperrmüll ohne Termin selbst**** zum zuständigen Entsorger. Dazu gibt es insbesondere in Städten sogenannte Recyclinghöfe, die zu bestimmten Geschäftszeiten geöffnet haben.

*Von Kommune zu Kommune gibt es unterschiedliche Regelungen, wann Sperrmüll, der von der Straße abgeholt werden soll, dorthin gestellt werden darf beziehungsweise bis wann er dort stehen muss, um noch mitgenommen werden zu können.

**Um den Gefahren zu begegnen, die ein loser Haufen Sperrmüll auf öffentlich zugänglichem Gelände birgt (Umweltverschmutzung, Unfallgefahr), schaffen manche Kommunen auch (zeitweise) abgezäunte Sammelplätze, deren Schlüssel von Anwohnern verwaltet wird.

***Mancherorts kann man sich auch einen Sperrmüllcontainer vor die Haustüre stellen lassen, um seinen Sperrmüll dorthinein zu werfen und anschließend abholen zu lassen. Dabei muss man beachten, nur das an Sperrmüll im Sammelcontainer zu entsorgen, was entsorgt werden darf. Während hölzerne und holzähnliche Möbel und Schrott wie kaputte Räder und Buggys rein dürfen, müssen Polster, Matratzen, Teppiche, Kunststoffe und elektronischer Schrott anderweitig entsorgt werden.

****Bringt man seinen Sperrmüll selbst zum Recyclinghof, muss man ihn in der Regel eigenhändig in verschiedene Behälter sortieren. Wer unsicher ist, was wo reingehört, kann sich an einen der Mitarbeiter des Hofes wenden, um sich zu informieren. Viele Kommunen nehmen für diese Art der Entsorgung Gebühren.

Darf man seinen Sperrmüll dazu stellen, wenn man einen Sperrmüllhaufen am Straßenrand sieht?

Nein. Das ist verboten. Auch das weitere Anhäufen von Sperrmüll auf illegal entsorgte Haufen in der Natur und somit das Entstehen illegaler Müllhalden zieht Strafen nach sich, wenn man erwischt wird.

Was ist beim Errichten eines Sperrmüllhaufens sonst noch zu beachten?

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zum einen: Wer seinen Sperrmüllhaufen nicht ordentlich errichtet, muss in so mancher Kommune damit rechnen, dass der Sperrmüll nicht als Sperrmüll abgeholt wird, sondern mit einem Sonderfahrzeug als „unsortierter Hausmüll“ – das kostet extra. Laut Medienberichten seien beispielsweise in Emden zwei, drei von 14 Sperrguthaufen zu unordentlich sortiert. Zum anderen ist auffällig: Wenn man nach dem Begriff Sperrmüll googelt – und dabei den Fokus auf News (Neuigkeiten) legt, ist bemerkenswert, wie oft Sperrmüll in Deutschland brennt. Und zwar sowohl am Straßenrand – als auch in der Müllverbrennungsanlage noch bevor er dort kontrolliert verbrannt wird, wie die aktuelle Meldung aus Hamburg zeigt.

Was passiert mit meinem Sperrmüll?

Wird der Sperrmüll beispielsweise vom Straßenrand eingesammelt oder nach Vereinbarung aus dem Keller abgeholt, wobei bestimmte Regeln der Bereitstellung des Sperrmülls einzuhalten sind, geschieht das in der Regel mit einem speziellen Müllfahrzeug. Das hat eine integrierte Müllpresse und fasst etwa zehn Tonnen Sperrmüll. Die Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens laden den Sperrmüll ins Heck des Müllautos, wo er von der Müllpresse zerkleinert und verdichtet wird. Die Müllpresse arbeitet dabei mit einer Kraft von etwa vierzig Tonnen. Der gepresste Sperrmüll wird Großteils in Müllverbrennungsanlagen verbrannt, nachdem er vorsortiert wurde.

Welche legalen Alternativen gibt es zur kommunalen Entsorgung von Sperrmüll?

Manche Entsorger kommen mit zwei Fahrzeugen zum Abholtermin und entscheiden vor Ort angesichts des Zustands des Sperrmülls, ob sich darin noch Brauchbares, Wertstoffe und Wiederverwendbares befindet beziehungsweise Sperrmüll darunter ist, der einer Spezialentsorgung bedarf. Dann wandert der unbrauchbare Sperrmüll in die mobile Müllpresse, der brauchbare oder gesondert zu entsorgende auf einen Transporter. Dazu muss man wissen: Viele Entsorger sind inzwischen nicht mehr nur Recyclinghof, sondern Recyclingmarkt – sprich: Sie unterhalten Hallen, in denen brauchbarer Sperrmüll wie Möbel und Haushaltswaren zu günstigen Preisen angeboten wird, den jedermann käuflich erwerben kann.

Für manche Orte gibt es inzwischen sehr innovative Lösungen zur sozialen Sperrmüllentsorgung, wie die Flohmarkt-App des Münchner Start-ups „Swop-Team“, zeigt, die Anwendern das Spenden – auch von noch brauchbarem Sperrmüll – an gemeinnützige Organisationen erleichtert.

Was ist zu tun, wenn man jemanden erwischt, der er seinen Sperrmüll illegal entsorgt?

So manche Kommune hat eine Telefonnummer eingerichtet oder auch eine E-Mail-Adresse, unter der man sich melden kann, um Umweltsünder anzuzeigen.

 

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    3 Kommentare

  1. Das ist ein sehr guter Beitrag. Informativ und übersichtlich. Wir finden diesen Beitrag sehr gut.

  2. Der Beitrag entspricht unserer Meinung. Wir übernehmen täglich die Entsorgung und Entrümpelung von Sperrmüll. Die Kunden haben schon viel auf diesem Gebiet erlebt. Darum halten wir diese Aufklärung in diesem Blog für sehr gut.

  3. Interessanter Beitrag. Wir finden eure Webseite sieht ganz nett aus. Ich hoffe Ihr macht weiter so gute Arbeit.

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