Die Akzeptanz von Recyclingrohstoffen: TEIL II – Baustoffe. Die Theorie.

Gepostet von am 10. Nov 2015

Die Akzeptanz von Recyclingrohstoffen: TEIL II – Baustoffe. Die Theorie.

In Teil I dieser kleinen Reihe ging es darum, dass es uns an Akzeptanz für recyceltes Papier fehlt. Wobei Recyclingpapier dank verordneter Akzeptanz in Behörden und öffentlichen Einrichtungen noch häufiger benutzt wird als daheim. Teil II und III drehen sich um recycelfähige Baustoffe. Mangelt es diesen Rohstoffen gegenüber an Akzeptanz – oder nicht? Eine Suche nach Belegen für oder wider die Akzeptanz …

Wer sich mit der Akzeptanz von recycelten Baustoffen beschäftigt, muss ein paar Begriffe und Sachverhalte kennen. Deshalb schicke ich der eigentlichen Akzeptanzbetrachtung eine kleine Baustoffkunde voraus.

Kleine Baustoffkunde

Was sind Baustoffe?

Ganz einfach ausgedrückt, sind Baustoffe Stoffe zum Bauen. Also Werkstoffe, aus denen Bauwerke wie Gebäude, Brücken und Straßen errichtet werden. Baustoffe unterscheidet man in:

  • Rohstoffe,
  • Hilfsstoffe (zum Beispiel Nägel, Schrauben, Farben und Kleber)
  • und sogenanntes Halbzeug (zum Beispiel Bleche, Stangen, Rohre und andere vorgefertigte Werkstücke).

Heute gelten Sand, Kies, Schotter und Kalk als Massenrohstoffe. Die daraus gefertigten Stoffe Zement, Beton, Glas und Kunststoff nennt man auch Sekundärrohstoffe. In Gesetzen werden Baustoffe als Bauprodukte bezeichnet. Das Gesetz, das Bauprodukte regelt, ist die Bauprodukteverordnung. Umgangssprachlich verwendet man auch Begriffe wie Baumaterial oder Verbrauchsstoffe für Baustoffe.

Was sind mineralische Baustoffe?

Baustoffe sind entweder anorganischer oder organischer Natur. Zu den anorganischen Baustoffen gehören die

  • mineralischen Baustoffe wie Naturstein, keramische Baustoffe (Ziegel aller Art aus Ton, Lehm und Sand), Glas, Mörtel, Beton, Zement und andere,
  • und die metallischen Baustoffe wie Gusseisen, Stahl, Aluminium, Kupfer und andere.

Zu den organischen Baustoffen gehören Holz und Holzwerkstoffe, Bitumen, Teerpeche und Kunststoffe.

Lassen sich Baustoffe recyceln?

Viele Baustoffe sind recycelfähig, insbesondere mineralische. Unbelasteter Beton beispielsweise, wie er beim Abriss von Bauwerken anfällt (Betonabbruch), kann gebrochen und als recycelter Baustoff im Straßenbau eingesetzt werden. Auch rückgebaute Ziegel (Ziegel und Ziegelschutt) lassen sich gut recyceln. Grundsätzlich gilt: Je homogener ein Baustoff ist, desto besser ist seine Recyclingfähigkeit. Bei Baustoffen aus Rohstoffgemischen kommt es auf die Trennbarkeit des Baustoffs in seine Bestandteile an. Je leichter das Trennen geht, desto sortenreiner wird das Ergebnis.

Beim Rückbau eines Bauwerks anfallende Bauteile wie Fenster, Türen und zugehörige Rahmen sowie Treppen, Anlagen oder deren Teile können als Secondhandbauteil einen zweiten Einbau erfahren.

Recycling von Baustoffen – die gesetzliche Vorgaben

Für den Rückbau, Umbau und Neubau gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen, die zu beachten sind, darunter das Abfallrecht, das Baurecht, das Arbeitsschutzrecht, das Wasserrecht, das Bodenschutzrecht, das Haushaltsrecht, das Gefahrstoffrecht, das Immissionsschutzrecht, das Naturschutzrecht.

Gut zu wissen: Die öffentliche Hand ist gemäß Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz grundsätzlich verpflichtet, bei anstehenden Baumaßnahmen abzuwägen, „ob und in welchem Umfang Erzeugnisse eingesetzt werden können, die sich durch … Wiederverwendbarkeit, Verwertbarkeit auszeichnen, im Vergleich zu anderen Erzeugnissen zu weniger oder zu schadstoffärmeren Abfällen führen oder aus Abfällen zur Verwertung hergestellt worden sind“.

Dabei geht die Vermeidung von Baustoffabfall vor deren Entsorgung, die sowohl dessen Verwertung als auch dessen Beseitigung bedeuten kann. Hier ist die Verwertung vorzuziehen. Die Wiederverwendung von Bauteilen ist demnach anzustreben. Vorausgesetzt, die Recyclingbaustoffe

  • sind technisch geeignet und funktionsfähig,
  • erfüllen entsprechende Zulassungserfordernisse
  • und werden entsprechend nachgefragt.

Auf den dritten Punkt komme ich dann im nächsten Artikel (erscheint morgen) nochmal zurück, versprochen.

Recycling von Baustoffen – die theoretischen Möglichkeiten

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) definiert das Recyceln von Baustoffen (Baumasse beziehungsweise -materie) als den „Wiedereinsatz von Materialien oder Bauteilen nach partieller oder völliger Formauflösung beziehungsweise Veränderung, und das Prinzip der Umwandlung von Materialien oder Bauteilen in neue Werkstoffe oder Produkte, gegebenenfalls unter Verlust der Materialidentität und/oder Gestalt“ (nach Kriteriensteckbrief „Rückbaubarkeit, Recyclingfreundlichkeit“ des BMVBS).

Die daraus resultierenden Kriterien zur Einteilung von Baustoffen hinsichtlich ihres Recyclings sind:

  • Recycling und Vorbereiten zum Recycling: Ausrangierte Materialien oder Bauteile werden woanders wiederbenutzt. Das Vernichten, Zerlegen oder Beseitigen entfällt demzufolge.
  • Energetisches Recycling oder Verfüllen: Brennbaren Restbaustoffe werden zur Energieerzeugung direkt verbrannt oder zu Materialien aufgearbeitet, die sich verfüllen lassen.
  • „Einfaches“ Beseitigen gilt für Baustoffe ohne Verwertungskonzept.
  • Entsorgungen als Sondermüll gilt für Baustoffe und Bauteile, die mit Schadstoffen belastet sind.

Sorry, dass ich euch hier jetzt mit einer Menge Theorie versorgen musste. Aber wie geschrieben, für das Verständnis der Lage ist diese nötig. Schauen wir uns im nächsten Artikel das Recycling von Baustoffen in der Praxis an!

 

Weitere Artikel zum Thema Recyclingrohstoffe:

ÜBER DIE AKZEPTANZ VON RECYCLINGROHSTOFFEN: TEIL III – BAUSTOFF. DIE PRAXIS.

DIE AKZEPTANZ VON RECYCLINGROHSTOFFEN: TEIL II – BAUSTOFFE. DIE THEORIE.

ÜBER DIE AKZEPTANZ VON RECYCLINGROHSTOFFEN: TEIL I – PAPIER

BATTERIEN: WERTVOLLE ROHSTOFFE – SCHWACHE RÜCKLAUFQUOTEN

DAS HANDY – EINE SCHATZKISTE VOLLER RECYCLINGROHSTOFFE

RECYCLINGROHSTOFF VERBUNDWERKSTOFFE: DAS ZWEITE LEBEN VON AUTOREIFEN

PRIMÄRROHSTOFFE VERSUS RECYCLINGROHSTOFFE

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