Die Biotonne – Teil 1: Grundlagenwissen

Gepostet von am 4. Jul 2017

Die Biotonne – Teil 1: Grundlagenwissen

Lasst uns mal über die Biotonne reden! Die soll nach dem Gesetz seit 2015 in Deutschland flächendeckend aufgestellt sein, so dass Verbraucher dort hinein ihren Biomüll entsorgen können. Doch noch immer gibt es wohl Kommunen, wo die Tonne nicht steht. Und auch die gesammelten Müllmengen schwanken regional enorm. Gründe genug, sich der Biotonne hier auf dem Blog anzunehmen. Wir starten damit, was in die Biotonne darf – und was nicht.

Was ist die Biotonne?

Die Biotonne ist ein spezieller Behälter für biologisch verwertbaren Abfall. In der deutschen Republik ist die Biotonne entweder grün oder braun.

Ist die Biotonne Pflicht?

Ja. Nach Paragraf 11 Absatz 1 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ist die Biotonne zum 1. Januar 2015 verpflichtend eingeführt worden – mit dem Ziel, hierzulande eine 100-prozentige Anschlussquote zu realisieren.

Wer bestimmt, was in die Biotonne darf?

Was ihr an Bioabfällen tatsächlich in eure Biotonne werfen dürft, das hänge laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) vor allem von den konkreten Verwertungsmöglichkeiten und Behandlungsanlagen vor Ort ab. Der lokale öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger lege demnach die Bioabfälle verbindlich fest, die ihr in eurer Biotonne vor Ort sammeln dürft. Die Abfallwirtschaftsstelle eurer Kommune (Stadt, Gemeinde, Kreis) berät euch darüber, welche Abfälle in die Biotonne dürfen und welche Abfälle in andere Sammelsysteme und in den Restmüll gehören.

Was darf in die Biotonne?

Das BMUB hat folgende Liste mit Bioabfällen veröffentlicht, die in die Biotonne dürften:

  • Gartenabfälle, darunter Abraum von Beeten, Baumschnitt, Baumrinde, Blumen, Blumenerde, Hecken- und Strauchschnitt, Laub, Nadeln, Pflanzen, Pflanzenteile, Reisig, Moos, Rasen- und Grasschnitt, Unkraut, Wildkraut, Zweige
  • Heu, Stroh in kleinen Mengen
  • Topfpflanzen (ohne Topf), auch mit Blumenerde
  • Schnittblumen
  • Bioabfall-Sammeltüten aus Papier und aus gekennzeichneten biologisch abbaubaren Kunststoffen
  • Brot- und Backwarenreste
  • Eierschalen
  • Fischreste und -gräten in haushaltsüblichen Mengen*
  • Fleisch- und Wurstreste in haushaltsüblichen Mengen*
  • Gemüsereste, Gemüseabfälle wie Kartoffelschalen und Gemüseputzreste
  • Salatreste, Salatabfälle
  • Käsereste, einschließlich Naturrinde
  • Kaffeefiltertüten, Kaffeesatz
  • Knochen in haushaltsübliche Mengen*
  • Milchproduktreste
  • Nussschalen
  • Obstreste, Obstschalen (auch von Südfrüchten, Zitrusfrüchten)
  • Speisereste, roh, gekocht, verdorben in haushaltsüblichen Mengen*
  • Teebeutel, Teereste
  • Federn
  • Haare
  • Kleintierstreu (nur aus biologisch abbaubarem Material) einschließlich enthaltenen Exkrementen von Kleintieren
  • Holzwolle, Holzspäne, Sägespäne (nur von unbehandeltem Holz)

*gegebenenfalls in Küchenpapier/Küchenkrepp oder Zeitungspapier eingewickelt, kein bunt bedrucktes Papier

Was darf nicht in die Biotonne?

Ebenso gibt’s eine Liste mit vermeintlichen Bioabfällen, die laut BMUB nicht in die Biotonne dürfen:

  • Asche
  • Blumentöpfe*
  • Draht (zum Beispiel Blumenbindedraht)
  • Einweggeschirr und -besteck aus Kunststoff*
  • Exkremente von Tieren (zum Beispiel Hundekot)
  • Glas
  • Geschenkband
  • Gummiartikel
  • Holzreste, behandelt (zum Beispiel imprägniert, lackiert, lasiert)
  • Hygieneartikel (Tampons, Binden usw.)
  • Kehricht
  • Keramik, Porzellan
  • Kerzenreste
  • Kleintierstreu, nicht biologisch abbaubar (zum Beispiel mineralische Katzenstreu aus Tonmineralien wie Bentonit usw.)
  • Kohlepapier
  • Lederreste
  • Medikamente
  • Möbelholz
  • Papier, Pappe, Papierhandtücher, Papiertaschentücher, Servietten
  • Plastiktüten, Trage- und Einkaufstaschen aus Kunststoff*
  • Putzlappen und -tücher
  • Rußschadstoffhaltige Abfälle, Problemabfälle
  • Spanplattenholz
  • Staubsaugerbeutel
  • Tapeten
  • Teppichböden
  • Textilien
  • Verbandmaterial
  • Verpackungen, zum Beispiel aus Kunststoff*, Aluminium, Glas, Metall, Verbundverpackungen
  • Watte, Wattestäbchen
  • Windeln

*auch biologisch abbaubar

Welcher Behälter eignet sich als Biotonne?

Angesichts der in der Liste genannten verwertbaren Bioabfälle wird schnell klar, dass eine bunte Mischung derselben in der Biotonne zu einigen „Nebenwirkungen“ führen kann – denn das Zeug reagiert: mit Sauerstoff, mit Wasser und miteinander. Dabei bilden sich sogenannte Faulgase, die mitunter zum Himmel stinken. Und die auf die Duftsensoren so mancher Lebewesen, die meisten aus der Gattung der – aus menschlicher Sicht betrachtet – Ungeziefer stammend, unheimlich anziehend wirken. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit schreibt hier dazu:

Zur Bioabfallsammlung soll ein möglichst dicht schließender Behälter und keine unkontrolliert belüftete Biotonne verwendet werden. Damit wird die Anlockung wie auch die Zutrittsmöglichkeit von Fliegen verringert. Eine offene Belüftung verstärkt den Fliegenanflug, während sich die damit angestrebte Geruchsminimierung nicht nachweisen ließ. Daher sollten die Behälterdeckel ständig geschlossen und der Behälterrand möglichst sauber gehalten werden.“

Unter dem Link findet ihr viele weitere Infos aus „Untersuchungen zum Vorkommen von Fliegen und Gerüchen bei der Bioabfallsammlung“, zum Beispiel darüber, wie sich die Zusammensetzung des Bioabfalls und die Abfuhrintervalle auf das Entstehen von Geruch und das Aufkommen von Ungeziefer in der Biotonne auswirken.

Was solltet ihr beim Umgang mit eurer Biotonne beachten?

  • Biomüll zersetzt sich leicht, so dass er unter ungünstigen Bedingungen fault. Infolge dessen entsteht übler Gestank (im Amtsdeutsch: Geruchsemissionen). Fäulnisprozesse geschehen unter Luftabschluss, etwa dann, wenn Biomüll in der Biotonne zu einer „nassen Pampe“ verbackt. Achtet deshalb darauf, dass ihr nasse und trockene Bioabfälle möglichst gemischt in die Biotonne werft.
  • Fliegen nutzen vorzugsweise Reste von Fisch und Fleisch zur Ablage ihrer Eier. Um das Eierablegen und dessen Folge – eine madenhafte Bevölkerung der Biotonne – zu verhindern, solltet ihr Fisch- und Fleischreste zunächst in Zeitungspapier einwickeln und dann erst in die Biotonne werfen. Zeitungspapier gilt in der Biotonne als unproblematisch, auch sehr nasse Bioabfälle könnt ihr darin einschlagen, um die Feuchtigkeit in der Tonne zu regulieren. Bei tierischen Lebensmitteln solltet ihr allerdings beachten, dass diese (je nach Art der Weiterverarbeitung des Biomülls) in einigen Kommunen nicht in den Biomüll gegeben werden dürfen.
  • Die Biotonne selbst solltet ihr schattig aufstellen. In der prallen Sonne wird es in der Biotonne nämlich ziemlich heiß. Die anderen Tonnen wie Restmülltonne übrigens auch. In der Biotonne sind hohe Temperaturen jedoch besonders unerwünscht, denn mit steigenden Temperaturen nehmen auch die Zersetzungsvorgänge der organischen Abfälle und damit potenzielle Geruchsbelästigungen zu.

Geht von der Biotonne ein gesundheitliches Risiko aus?

Schimmel gilt grundsätzlich als gesundheitsgefährdend. In Verbindung mit der Biotonne zitiert Wikipedia das Robert-Koch-Institut (Herausgeber sei demnach das Referat für Öffentlichkeitsarbeit) zu Schimmel: „Seit einigen Jahren wird darauf hingewiesen, dass die Biotonne als Streuquelle für Schimmelpilzsporen ein Gesundheitsrisiko für schwer immungeschwächte Patienten birgt. In der Tat begünstigt die Wärme, die bei der Verrottung von organischem Material entsteht, das Wachstum humanpathogener Pilze, besonders Aspergillus fumigatus (…) Aus diesen Gründen befürwortet das Robert-Koch-Institut zumindest für die Sommermonate eine wöchentliche Leerung von Bio- wie auch Restmülltonnen. Es wird allerdings oft übersehen, dass der normale Haushalt noch sehr viel mehr Quellen für Pilze bietet, die zu deutlich höherer Exposition führen können, als sie beim Öffnen der Biotonne zu erwarten ist: verschimmelte Lebensmittel (…) aber auch Gewürze wie gemahlener Pfeffer (…) Für Gesunde sind die Schimmelpilze ungefährlich (…) Des Weiteren sollten Müllbehälter, nicht nur die Bioabfallbehälter, täglich geleert und gereinigt werden. Zu beachten ist darüber hinaus, dass bei manchen Renovierungsarbeiten – beispielsweise, wenn fest verlegte Teppiche … entfernt werden, Staub aufgewirbelt wird, der große Mengen an Pilzen enthalten kann (…)“

Im nächsten Teil zur Biotonne schaue ich genauer auf die Biomüllsammelergebnisse in den einzelnen deutschen Bundesländern und versuche zu ergründen, warum die sich so sehr unterscheiden – obwohl vor dem Gesetz Biomüll Biomüll, Biotonne Biotonne und Verbraucher Verbraucher ist.

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