Filmkritik: Wie weit darf Greenwashing gehen?

Gepostet von am 22. Mrz 2018

Filmkritik: Wie weit darf Greenwashing gehen?

Wir alle kennen und sehen die Entwicklung: Bis auf die immer kleiner werdenden natürlichen Räume wird alles grüner. Etiketten werden grüner. Gütesiegel ebenso. Und natürlich Firmenlogos. Wir erinnern uns: Das gelbe McDonalds-„M“ leuchtete früher auf rotem statt grünen Hintergrund hervor. Am Beispiel der Palmölproduktion geht Filmemacher Werner Boote in seinem neuen Werk „The Green Lie“ der grünen Spur nach. Und was er findet, ist alles andere als grün.

Versuchen Sie einmal, eine Zeitlang auf Palmöl zu verzichten. Sind sie kein Experte auf diesem Gebiet und denken Sie jetzt: „Aber klar doch. Mir nichts, dir nichts klappt das!“? Dann lassen Sie sich gesagt sein: Sie könnten bei dem Versuch verzweifeln. Zum Ersten brauchen Sie Hilfsmittel. Denn wenn Sie nicht die Augen eines Luchses haben, dann müssen Sie sich mit Lupe bewaffnen, wenn sie im Supermarkt die Gänge entlangstreifen und die Etiketten der Produkte nach dem bösen Wort „Palmöl“ absuchen. Und dann,… ja dann werden Sie feststellen, dass in unfassbar vielen leckeren Sünden auch noch die Sünde Palmöl versteckt ist: Schokoladentafeln, Schokoriegel, Pizzas, und so viele Produkte mehr, dass Sie es gar nicht glauben würden, wenn ich Ihnen alle aufzählen würde.

Und wenn Sie all die Etiketten all dieser Produkte penibel durchsuchen, finden Sie auf einigen ein Gütesiegel. Natürlich ist dieses in grüner Farbe gehalten. Und dieses Gütesiegel bestätigt, dass nachhaltiges Palmöl im betreffenden Produkt verarbeitet ist. Doch was soll das sein, dieses nachhaltige Palmöl? Es ist eine Lüge – eine krasse grüne Lüge. Der Film „The Green Lie“ geht dieser Lüge nach.

Gemeinsam mit der Journalistin Kathrin Hartmann besucht Werner Boote auch einen Müllplatz und erfährt dort, dass der Abfall in früheren Zeiten viel mehr Wertstoff war, als heute. Gegenstände wie Ventilatoren, Lampen und dergleichen waren aus wertvollem Material und auch gut verarbeitet. Viele Dinge in der heutigen Zeit würden zum Wegwerfen geschaffen. Gebrauchsgegenstände, die absichtlich Verschleißteile beinhalten die einen frühen Neukauf provozieren sollen, sind keine Seltenheit, sondern die Norm.

Und selbst DAS grüne Produkt schlechthin, die naive Hoffnung vieler Menschen auf eine grünere Zukunft – das Elektroauto – ist eine grüne Lüge. Obwohl keine Emissionen austreten, sind Tesla und Co. keineswegs sauber, was die Umweltbilanz betrifft. Für den Bau von Elektroautos benötigt man Seltene Erden oder Lithium. In beiden Fällen ist die Umweltbelastung enorm. Und mit dem Import von Seltenen Erden macht man sich abhängig von China, die quasi ein Monopol innehaben. Dies soll kein Plädoyer gegen Elektroautos und für Benziner und Co. sein. Wir sollten uns nur vor Augen führen, dass auch die scheinbar sauberen Dinge einen beträchtlichen umweltschädlichen Haken haben.

Was können wir als Konsumenten tun? Ein Teil der Antwort lautet: Aufmerksam und bewusst konsumieren. Uns muss bewusst sein, dass Autos, Nutella, Schreibblöcke, usw. mit dem Ziel produziert werden, Gewinn abzuwerfen. Egal wie grün ein Etikett auch gestaltet sein mag, hinter der Produktion steckt ein Profit-Gedanke. Manche Produkte belasten die Umwelt weniger als andere. Aber der Umweltschutz per se ist nicht das vorrangige Ziel von Konzernen.

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