„Bewusst konsumieren und richtig entsorgen“: Ein unbequemes, aber wichtiges Thema

Gepostet von am 19. Nov 2018

„Bewusst konsumieren und richtig entsorgen“: Ein unbequemes, aber wichtiges Thema

Europäische Woche der Abfallvermeidung – Europas größte Kommunikationskampagne zu Abfallvermeidung und Wiederverwendung

Berlin, 19.11.2018. Die Europäische Woche der Abfallvermeidung ist am Samstag gestartet. Das Jahresmotto im neunten Kampagnenjahr: „Bewusst konsumieren und richtig entsorgen“. Der Fokus liegt dabei auf gefährlichen Abfällen und der Frage, wie es gelingt, Herstellung und Konsum umweltgerechter zu gestalten, damit diese Abfälle gar nicht erst entstehen. Knapp 450 Aktionen finden in ganz Deutschland vom 17. bis zum 25. November statt.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen der kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebe und Stadtreiniger vertritt, koordiniert die Woche zum fünften Mal. VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp:  „Das Motto „Bewusst konsumieren und richtig entsorgen“  ist eher unbequem. Aber wir müssen darüber sprechen – insbesondere über den steigenden Konsum von Elektroartikeln und der damit einhergehenden Wegwerfmentalität.“ In Deutschland wurden 2016 zwei Millionen Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte gekauft. Neben wertvollen Metallen enthalten Elektrogeräte oft auch Schadstoffe wie Quecksilber, Fluorchlorkohlenwasserstoffe oder polybromierte Flammschutzmittel. Gleiches gilt für Batterien, die giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium oder Blei enthalten können.  Hasenkamp: „Hersteller müssen Geräte umweltschonend, langlebig und reparierbar produzieren. Die europäische Ökodesignrichtlinie zum Beispiel bietet dafür eine gute Basis.“

Auch die Entsorgung  muss an die neuen Herausforderungen angepasst werden: „Die kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebe sind für die Bürgerinnen und Bürger die ersten Ansprechpartner für die Entsorgung von Elektroschrott. Der Handel nimmt hingegen seine Rücknahmepflicht nur stiefmütterlich wahr und ihm fehlt die erforderliche Entsorgungskompetenz. Auch die Kommunen müssen allerdings mit ihren Sammelstrukturen dichter an die Bürger heranrücken, um die ehrgeizigen Sammelquoten ab dem nächsten Jahr zu erfüllen. Dafür können Depotcontainer im öffentlichen Straßenraum eine gute Lösung sein, die allerdings derzeit durch das Gefahrgutrecht zu stark reglementiert werden. Zudem unterstützen die Kommunen das neue Sammelstellenlogo, das vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Sammelstellen für alte Elektrogeräte und Batterien sollen einheitlich und flächendeckend gekennzeichnet werden.“

Ebenfalls eine wichtige Aufgabe: Der Export von E-Schrott ins außereuropäische Ausland muss verringert werden. Hasenkamp: „Es darf nicht sein, dass  E-Schrott aus Deutschland in Ghana auf der Müllkippe endet, wo Menschen unter äußerst gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen unseren Schrott auseinander nehmen müssen.“

Hintergrund zu gefährlichen Abfällen:

Problemabfälle, Problemstoffe oder Schadstoffe – all das sind Begrifflichkeiten für verschiedene problematische Abfälle, die im Haushalt anfallen. Gefährlichkeitsmerkmale sind zum Beispiel leichte Entzündbarkeit, ätzende Wirkungen, Gesundheits- oder Umweltgefahren. Gefährliche Abfälle müssen gesondert gesammelt und erfasst werden. Bei der anschließenden gesonderten Verwertung oder Entsorgung muss der Schutz von Mensch und Umwelt gewährleistet sein. Sie enthalten– für die Umwelt und den Menschen – schädliche Inhaltsstoffe. Darunter fallen zum Beispiel: Farbreste (Altanstrichstoffe und Oberflächenbehandlungsmittel), Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Reste von Chemikalien für Hobby und Handwerk (zum Beispiel Fixierbäder, Klebstoffe), Fahrzeugpflege- und Betriebsmittel (zum Beispiel Motorenöle), Lösemittelreste, Altmedikamente, Altbatterien und -akkumulatoren, Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen, Elektronikschrott wie Computer, Fernseher, Kühlschränke und andere. Diese enthalten unterschiedlich große Anteile an Umweltschadstoffen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe, Cadmium, Quecksilber, Blei, Nickel, Kupfer, Säuren oder Laugen. Allerdings gibt es keine bundesweit einheitliche Definition der Begrifflichkeiten.

Hintergrund zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung:

Europaweit findet die Abfallvermeidungswoche jährlich in über 30 Ländern mit vielen Tausenden Aktionen und Projekten in der letzten Novemberwoche statt. Ihr Fokus: praktische Wege aus der Wegwerfgesellschaft aufzeigen. Alle Europäer*innen sollen dafür sensibilisiert werden, mit Alltagsgegenständen und dem Ressourcenverbrauch bewusster umzugehen und wo es geht, Abfälle zu vermeiden. Die Aktionswoche lebt von lokalen Aktionen zur Abfallvermeidung: von Vereinen, Behörden, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen. Alle Aktiven und Projekte präsentieren sich auf der Website www.wochederabfallvermeidung.de/aktionskarte.

 

Über den VKU:

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.460 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 260.000 Beschäftigten wurden 2016 Umsatzerlöse von knapp 114 Milliarden Euro erwirtschaftet und rund 10 Milliarden Euro investiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen haben im Endkundensegment große Marktanteile in zentralen Versorgungsbereichen (Strom 60 Prozent, Erdgas 65 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Wärmeversorgung 72 Prozent, Abwasserentsorgung 43 Prozent). Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 66 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Die kommunalen Unternehmen versorgen zudem mehr als sechs Millionen Kunden mit Breitbandinfrastrukturen. Sie investieren in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro in digitale Infrastrukturen von Glasfaser bis Long Range Wide Area Networks (LoRaWAN) in den Kommunen und legen damit die Grundlagen für die Gigabitgesellschaft.

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