Globaler Abfall: Deutschland in der Pflicht

Gepostet von am 22. Mai 2017

Globaler Abfall: Deutschland in der Pflicht

Umweltprobleme haben immer öfter globale Ausmaße und müssen grenz- und kontinentüberschreitend angegangen werden. Beim Kampf gegen Erderwärmung und Klimawandel ist das offenkundig und akzeptiert. Bei Problemen der Entsorgung ist das vielen noch nicht bewusst. Es wird Zeit, dass der Aufbau leistungsfähiger Kreislaufwirtschaften weltweit Ziel der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wird.

In vielen Ländern des globalen Südens existieren bis heute keine funktionierende Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft. Es fehlen vernünftige Sammelstrukturen genauso wie Behandlungsanlagen. Stattdessen landet der Abfall auf der Straße oder im Fluss.

Kunststoffabfälle als globales Problem

Die Konsumgewohnheiten allerdings haben sich weltweit geändert: Kunststoff – und damit Kunststoffabfälle – gibt es auch in den entlegensten Winkeln unserer Welt. Die Folgen sind fast täglich in den Medien zu sehen: dramatische Zunahme der Plastikvermüllung unserer Meere, flächendeckende Verschmutzung von Stränden und Biotopen, Gefährdung der Meeresfauna.

Wir in Europa begegnen dem mit einer Drosselung von Plastiktüten in Supermärkten. Ein guter Ansatz. Aber so bekommen wir in Asien, Lateinamerika und Afrika das Problem nicht in den Griff. Die Menschen dort passen sich in ihren Konsumgewohnheiten uns an – und deshalb brauchen wir die zu diesen Konsumgewohnheiten passenden Entsorgungsstrukturen. Und wir sollten nicht zu lange damit warten. Weil die Konsequenzen des Abwartens schon jetzt spürbar sind und auch künftig immer deutlicher spürbar werden.

Was kann getan werden?

Kreislauf- und Sekundärrohstoffwirtschaft muss eine Priorität der wirtschaftlichen Zusammenarbeit werden. Die Bevölkerung vor Ort – wenn sie denn informiert ist – wird auch rasch überzeugt werden können. Wir brauchen dann aber auch Angebote der Getrenntsammlung. Dort, wo haushaltsnahe Sammlung auf absehbare Zeit nicht realistisch ist, brauchen wir Sammelstrukturen. Vor allem dort, wo Menschen zusammenkommen: in Schulen, Behörden und Supermärkten. Soweit es vor Ort Schrottsammler gibt, sollten diese einbezogen werden. Wer Schrott sammelt, kann auch Kunststoffe sammeln. Wichtig ist, mit Aufklärungsarbeit an Universitäten und Schulen schnell zu beginnen.

Behandlungsstrukturen müssen ebenfalls entwickelt werden. Ballenpressen lassen sich auch in schwächer besiedelten Regionen zum Einsatz bringen. Weitergehende Sortierung und Behandlung müsste zentralisierter erfolgen. Investitionen in eine Kreislaufwirtschaft können Existenzgründungen und den Aufbau eines regionalen Mittelstandes fördern. Genau hier könnte eine wirkungsvolle Unterstützung schnell ansetzen.

Globale Partnerschaften für die Zukunft

Deutschland hat heute schon Rohstoffpartnerschaften: mit der Mongolei, Kasachstan und Peru. Grund hierfür sind die dort vorhandenen Vorkommen an wichtigen Primärrohstoffen. Sekundärrohstoffe sind jedoch ungleich wichtiger: Weil sie Energieverbrauch reduzieren und damit Schadstoffemissionen, weil sie die Umwelt ent- statt belasten und weil sie für rohstoffarme Länder eine Chance sind, eigene Produktionen aufzubauen.

Es ist überfällig, dass Deutschland neue Rohstoffpartnerschaften mit Ländern aufbaut, die schnell auf die veränderten Konsumgewohnheiten ihrer Bevölkerung reagieren müssen und bei denen die Gefährdung der Umwelt durch die Abfallflut längst regionale Grenzen überschritten hat. Ein solches Signal einer neuen Bundesregierung würde weltweit verstanden werden, als Bereitschaft, globale Herausforderungen partnerschaftlich und gemeinsam anzugehen.

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