Mehr Recycling – weniger Treibhausgase

Gepostet von am 26. Mai 2015

Mehr Recycling – weniger Treibhausgase

Treibhausgase verringern, Energie sparen und Rohstoffe bewahren. Drei Fliegen mit einer Klappe. Und die Klappe heißt: Recycling. Durch eine effizientere Wiederaufbereitung von Wertstoffen kann man mühelos die Umwelt schonen. Schon bisher hat eine effizientere Abfallwirtschaft maßgeblich zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beigetragen. Ausgeschöpft ist das Potential noch nicht. Durch ein Wertstoffgesetz, das seinen Namen verdient könnten weitere 1,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

Müll ist nicht gleich Müll. Vieles, was im Abfall landet, ist wertvoll. Sei es die Metallhülle des alten Computers oder die Zeitung von gestern. Beide gehören nicht in den Restmüll. Sie sind Wertstoffe. Neben Metall und Altpapier zählen noch Bio- und Grünabfälle, Kunststoff und Glas dazu. Werden diese Wertstoffe nicht erfasst, sondern enden als Rest- oder Sperrmüll, ist dies nicht nur eine immense Verschwendung von teils seltenen Materialien; obendrein wird die Umwelt unnötig belastet.

Erfüllen sich die Hoffnungen an das neue Wertstoffgesetz, schiebt das nicht nur der Verschwendung einen Riegel vor. Bis dato sind nämlich zwei Drittel des Restmülls eigentlich Wertstoffe, die nicht aussortiert wurden. Pro Person sind das 100 Kilogramm an Wertstoffen, die wir vergeuden – meist ohne es zu wissen. Eine bessere Erfassung von recycelbarem Material schont zudem die Umwelt, indem Treibhausgase verringert und Energie gespart wird.

Darum schaden Treibhausgase

Die Umweltbelastung durch Müll wächst schneller als die durch Treibhausgase. Doch durch Müll der nicht recycelt wird, werden wiederum unnötig Gase produziert. Treibhausgase sind lebensnotwendig. Aber gibt es in der Atmosphäre zu viel von ihnen, ist das natürliche Gleichgewicht gestört und aus dem Segen wird ein Fluch. Das durch Menschen verschuldete Gas führt zur globalen Erwärmung und allen damit verbundenen Folgen für Mensch und Natur. Die Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist also nicht nur ein deutsches oder europäisches Projekt, sondern – wie das Kyoto-Protokoll zeigt – eine weltweite Aufgabe.

Treibhausgasbelastung in Deutschland

@ BIld: Fraunhofer Umsicht

@ Bild: Fraunhofer Umsicht

Deutschland produziert jährlich knapp 950 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Da CO2 zwar das häufigste Treibhausgas ist, es aber noch andere gibt (wie zum Beispiel Methan und Lachgas) und alle anders auf die Umwelt wirken, werden verschiedene Gase in CO2-Äquivalente zusammengefasst. Dieser Index Ausstoß von Methan mit dem Ausstoß von Lachgas oder CO2 vergleichbar.

Von den 950 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, die Deutschland jährlich in die Luft entlässt, wird das meiste durch die Energiewirtschaft und den Verkehr produziert. Während diese großen Brocken nur sehr schwer zu regulieren sind, liegt das Einsparungspotential in der Abfallwirtschaft quasi zum Abholen bereit. Bereits zwischen 1990 und 2006 war ein Viertel des gesamten Rückgangs von Treibhausgasemissionen in Deutschland allein auf die verbesserte Abfallwirtschaft zurückzuführen. Durch effizienteres Recycling könnten auf Anhieb weitere 1,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

Treibhausgasbelastung in der EU

Viele EU-Mitgliedsstaaten haben ein Problem, das Deutschland schon beseitigt hat: Mülldeponien. Die Deponierung von unbehandelten Abfällen belastet die Umwelt beträchtlich mit Methan. Dieses Gas verweilt zwar „nur“ 15 Jahre in der Atmosphäre, wirkt aber 25-mal stärker auf den Treibhauseffekt, wie CO2.

Je mehr Müll auf Deponien landet, desto weniger wird recycelt. In Deutschland und Österreich gilt seit Jahren ein Deponieverbot. Nicht vorbehandelter Siedlungsabfall darf dort nicht deponiert werden. In den meisten EU-Ländern wird mehr als die Hälfte des Siedlungsabfalls deponiert. In Malta und Bulgarien über 90% – in Rumänien nahezu alles. Das heißt auch, es gibt dort kein Recycling von Siedlungsabfall. Deutschland ist im Recycling als Europameister ein Vorbild für andere EU-Länder. Doch die Deponierung von Abfall und die damit verbundene niedrige Recyclingquote vieler EU-Länder betrifft auch Deutschland. Schließlich machen die Umweltverschmutzung und der Treibhauseffekt nicht vor Staatsgrenzen halt.

Passend dazu wird in der EU schon seit Jahren ein Deponieverbot nach deutschem Vorbild diskutiert. So sollen Wertstoffe weder sinnlos in der Gegend herumliegen und die Umwelt verpesten, noch der Müllverbrennung zum Opfer fallen, sondern wiederaufbereitet werden.

Die jetzigen 28 EU-Mitgliedsstaaten haben kein gemeinsames Kyoto-Ziel, da einige Länder erst nach der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls der EU beigetreten sind. Allerdings haben sich die Mitgliedsstaaten in einem Klimaaktionsbündnis darauf geeinigt ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) um 20% zu senken. Für ein Viertel bis ein Drittel der Reduktion könnte eine effizientere Abfallwirtschaft sorgen.

Chancen durch Wertstoffgesetz

Ein Wertstoffgesetz würde den Umweltschutz stärken. Ein Wertstoffgesetz würde die Menge an Rest- und Sperrmüll drastisch verringern. Und gibt es weniger Müll, wird auch weniger umweltschädliches CO2 und Methan ausgestoßen. Durch das Recyceln von Wertstoffen würden im Jahr 1,6 Millionen Tonnen CO2 Äquivalente eingespart werden. Geht man davon aus, dass Bio- und Grünabfälle künftig vermehrt in Vergärungsanlagen landen, ist sogar eine Reduktion der Treibhausgasemissionen von 2 Millionen Tonnen möglich.

Nationale Klimaziele

Derweil stößt Deutschland pro Jahr 950 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre ab. Bis 2020 sollen es nicht mehr als 750 Millionen Tonnen sein. Damit Deutschland sein Minderungsziel erreicht, müssen in den nächsten Jahren 200 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten weniger emittiert werden.

Wie bereits erwähnt, hat die Abfallwirtschaft schon bisher die dominante Rolle bei der Treibhausgasreduzierung inne gehabt. Ein wichtiger Schritt war der schrittweise Abbau von Mülldeponien, der 2005 im Verbot für die Deponierung von unbehandelten Abfällen mündete. Weitere CO2-Einsparungen wurden durch die bisherige Wiederaufbereitung von Wertstoffen realisiert.

Ein effizienteres Recycling wäre ein weiterer Schritt in diese Richtung. Denn schöpft man die Potentiale der getrennten Müllerfassung aus, so würden 1,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Und das entspricht laut CUTEC-Gutachten 6% des jährlichen Reduktionsziels bis 2020.

 

Weitere Artikel von Benjamin Kloiber:

RECYCLING – VON GELD UND GOLD UND KLIMASCHUTZ

 

Quellen:

Studie: Treibhausgas- und Ressourceneinsparpotenziale gesteigerter Erfassungsmengen und Verwertungsquoten (CUTEC-Studie)

Recycling und Rohstoffe, Band 7 (VIVIS Verlag)

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4061.pdf

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