Primär- und Sekundärrohstoffe – eine Definition

Die Geschichte der Menschheit ist untrennbar mit Rohstoffen verbunden. Menschen haben sie seit jeher genutzt, gesammelt und Handel mit ihnen betrieben. Rohstoffe haben uns nicht nur begleitet, sie haben uns geprägt. Unsere frühen Epochen sind nach Rohstoffen benannt. Denn was wäre schon eine Stein-, Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit ohne Steine, Kupfer, Bronze und Eisen?
Schon bei den Namen der Epochen fällt auf: Welcher Rohstoff gerade begehrt ist, hängt von der Zeit und von den technischen Möglichkeiten ab, sie zu gewinnen und zu nutzen. Im Lauf der Jahre verbesserte der Mensch die technischen Möglichkeiten zur Gewinnung von Rohstoffen und fand immer mehr Wege, diese Rohstoffe auch zu verbrauchen.
Rohstoffe sind endlich
1972 wurde die Studie Die Grenzen des Wachstums herausgegeben. Spätestens ab dem Moment war einer breiteren Öffentlichkeit klar, dass Rohstoffe endlich sind – dass die Erde viele Tausende, wenn nicht gar Millionen Jahre braucht, um Rohstoffe zu erzeugen, wir aber teils nur wenige Tage und Wochen, um diese zu verbrauchen.
Nichtsdestotrotz werden heute fast doppelt soviele Rohstoffe gewonnen, als noch Ende der 1970er-Jahre. Es sind weltweit rund 70 Milliarden Tonnen pro Jahr. Allein seit 2000 ist der Verbrauch von Rohstoffen um ein Drittel gestiegen. Wir wissen also, dass einige essenzielle Rohstoffe in absehbarer Zeit aufgebraucht sein könnten. Wir wissen um die politischen und ökologischen Folgen, die sich daraus ergeben könnten. Doch wer bei Google nach dem Begriff „Rohstoffe“ sucht, der findet auf Seite 1 – neben dem Wikipedia-Eintrag – bloß Preise, Aktienkurse und Charts.
Rohstoffabbau in Krisenregionen. Konflikte im Kampf nach Rohstoffquellen. Schaden an der Natur durch die schamlose Ausbeutung der Erde. Oder Recycling von Rohstoffen, um all diesen Problemen entgegenzuwirken. Um solcherlei zu lesen, muss man bei Google weit nach hinten blättern.
Es gibt viele Möglichkeiten, Rohstoffe einzuteilen. So lassen sich etwa organische von anorganischen Rohstoffen unterscheiden. Erneuerbare wie Pflanzen und Wasser von nicht Erneuerbaren wie Öl und Metalle. Hier soll zunächst zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen differenziert werden.
Primär- versus Sekundärrohstoffe
Primärrohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie sind unbearbeitet – abgesehen von den Schritten, die nötig sind, um sie zu gewinnen. So ist bei der Papierherstellung das Frischholz der Primärrohstoff und nicht der Baum.
Sekundärrohstoffe stammen hingegen nicht von natürlichen Quellen – zumindest nicht unmittelbar. Sie werden durch Wiederaufbereitung der Primärrohstoffe gewonnen. Das heißt: Durch Recycling erhalten wir Sekundärrohstoffe und je mehr und besser wir recyceln, desto mehr Sekundärrohstoffe gewinnen wir. Und es ist wichtig, mehr davon zu gewinnen. Denn je mehr Sekundärrohstoffe genutzt werden, desto weniger Primärrohstoffe müssen eingesetzt werden. Dadurch werden die natürlichen Ressourcen geschont. So kann für die Papierherstellung anstatt Frischholz auch Altpapierfasern genutzt werden.
Da Rohstoffe endlich sind, macht es Sinn, – wenn möglich – auf Sekundärrohstoffe zu setzen. Die Nachfrage wird wohl nicht geringer werden, da China, Indien und andere Schwellenländer großen Bedarf haben. Doch selbst wenn unendlich viele Primärrohstoffe in und auf der Erde auf ihren Abbau warten würden, sind Sekundärrohstoffe oftmals die bessere Option.
Holz beispielsweise muss in vielen Ländern Europas importiert werden. Es stammt häufig aus ohnehin im Schrumpfen befindlichen Urwäldern. Dabei kann Papier bis zu siebenmal wiederaufbereitet werden. Und dabei muss nicht mal die Hälfte der Energie aufgewandt werden wie bei der Erzeugung von Frischpapier. Bei Glas sieht die Sache ähnlich aus. Beim Recycling von Altglas werden 30 Prozent weniger Energie verbraucht und die Wiederaufbereitung ist rund 50-mal möglich. Wir sehen: Auf Sekundärrohstoffe zu setzen, ist nicht bloß Resultat der Not, weil Primärrohstoffe knapp werden, sondern auch wirtschaftlich argumentierbar.
Urban Mining
Ein weiterer –recht junger– Begriff, der erläutert werden sollte, ist Urban Mining. Urban Mining versteht Städte, Siedlungen und Infrastruktur als Rohstoffminen. Das heißt: Wir befinden uns mittendrin in einem riesigen Hort von Sekundärrohstoffen. Es gibt zum Beispiel Leitungen im Boden, die mittlerweile nicht mehr genutzt werden und welche man recyceln könnte – oder Materialien aus alten, verlassenen Gebäuden.
Die Krux ist eine ähnliche wie beim herkömmlichen Recycling. Handys und andere technische Geräte sind so komplex verarbeitet, und das mit unzähligen Stoffen, dass eine Wiederverwertung schwer ist. Bei der Verlegung von Leitungen und beim Bau von Häusern, wurde vor 50, 60 Jahren kein Gedanke daran verschwendet, ob die gebrauchten Materialien wieder in den Kreislauf zurückfließen könnten oder nicht. Was und wie viel von Städten, Siedlungen und Infrastruktur als Sekundärrohstoffe genutzt werden könnte, ist bislang noch nicht klar.
Fazit: Primärrohstoffe und Sekundärrohstoffe. Die einen waren zuerst da, die anderen sind dafür öfter da. Gewinne ich einen Rohstoff aus der Natur, ist die Natur um diesen ärmer. Ich kann ihn verarbeiten oder verbrauchen. Landet er schließlich im Abfall, kann ich einen Sekundärrohstoff daraus gewinnen – also recyceln. Und je nach Rohstoff kann ich ihn zehnmal, 50-mal oder auch unendlich oft wiederaufbereiten.
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