Was ist das Recyclinglabel? (Teil 1)

Gepostet von am 13. Apr 2017

Was ist das Recyclinglabel? (Teil 1)

Worüber soll das Recyclinglabel Verbraucher informieren? Wie kann ein Label Verbraucher dazu bewegen, umweltfreundlicher zu konsumieren? Ist die „Wirkung“ eines solchen Recyclinglabels wissenschaftlich belegt? Hat es sich anderswo schon bewährt? Gibt es Alternativen zum Label? Ihr seht – es gibt Fragen über Fragen zum Recyclinglabel. Wir liefern euch in einer neuen Blogpost-Reihe Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist das Recyclinglabel?

Mit einem Recyclinglabel können konsumierbare Produkte gekennzeichnet werden. Es ist damit eine sogenannte Produktkennzeichnung. Als solche informiert es uns Konsumenten über die werkstoffliche Beschaffenheit und die Recycelbarkeit des gekennzeichneten Produkts. Somit ist das Recyclinglabel ein Instrument, das für eine werkstoffliche Transparenz sorgt, die wir Konsumenten in unsere bestenfalls umweltbewusste Kaufentscheidung für oder wider das Produkt einbeziehen können.

Wie kommt’s, dass das Recyclinglabel derzeit in aller Munde ist?

Wir haben euch hier auf dem Wertstoffblog bereits im Januar über das Manifest der Verbände der Kreislauf- und Recyclingwirtschaft berichtet, das diese unter Federführung des BDE Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. mit Blick auf die kommende Bundestagswahl formuliert hatten. Das Manifest enthielt dazu zwölf Forderungen, die plötzlich in aller Munde waren und kontrovers diskutiert wurden. Adressiert hatten die Verbände ihre Forderungen an die künftige Bundesregierung, die wir Deutsche am 24. September dieses Jahres wählen werden. Im März ging der BDE noch einen Schritt weiter: Er stellte drei der Forderungen aus dem Dutzend als zentral heraus. Dazu gehört neben einem europaweiten Deponierungsverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle und einem Markttest für bürgernahe Entsorgungsleistungen auch das freiwillige Recyclinglabel – das damit noch stärker in die Aufmerksamkeit der Diskussion rückte.

Peter Kurth, Präsident des BDE, erklärt, dass das Recyclinglabel, das den Verbraucher über die Recycelbarkeit eines Produkts sowie die dafür verwendeten Recyclingrohstoffe informiere, ein umweltfreundlicheres Konsumverhalten ermögliche: „Ein freiwilliges Recyclinglabel ist ein ebenso einfacher wie effektiver Weg, um Ressourcen und Umwelt zu schonen. Es setzt direkt beim Verbraucher an und hat dadurch immense Durchschlagskraft“, sagte Kurth.

Was sagen die Parteien zum Recyclinglabel?

Das Internetportal „Recyclingnews“ hat die drei zentralen Forderungen in der deutschen Parteienlandschaft zur Diskussion gestellt und die Stellungnahmen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und DIE LINKE veröffentlicht. Geantwortet hatten dem Portal zufolge „die Berichterstatter der jeweiligen Fraktion: Michael Thews (SPD), Peter Meiwald (Bündnis 90/Die Grünen) und Ralph Lenkert (DIE LINKE) sowie für die CDU die zuständige Fachabteilung im Konrad-Adenauer-Haus“.

Hier die Positionen der genannten Parteien im Überblick:

Das sagt die CDU zum Recyclinglabel:

Die Christlich Demokratische Union (CDU) ist der Meinung, dass heutige Produktionsweisen und Produktgestaltungen noch stärker an der Idee des Stoffkreislaufes ausgerichtet werden müssen. Ein Recyclinglabel könne demnach als ein Element der Verbraucherinformation einen Beitrag leisten, um wertvolle Rohstoffe zu schonen und Recycling voranzutreiben.

„Ein wichtiges Instrument einer Kreislaufwirtschaft ist allerdings die konsequente Anwendung und auch Ausweitung der Produktverantwortung“, heißt es laut den Recyclingnews aus der CDU-Parteizentrale. Wenn der Produkthersteller oder Inverkehrbringer die Entsorgungskosten trüge, dann bestünde der CDU nach ein wirklicher Anreiz, Produkte abfallarm beziehungsweise recyclingfähig herzustellen. Dieses Prinzip greife demnach bereits bei Verkaufsverpackungen, Elektrogeräten, Autos und Batterien.

Das sagt die SPD zum Recyclinglabel:

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) unterstütze die BDE-Forderung nach einem Recyclinglabel den „Recyclingnews“ zufolge voll: Demnach wolle die SPD, dass die Produktverantwortung schon beim Produktdesign ansetze. Schon zu Beginn des Produktlebenszyklus müsse der Einsatz von Sekundärrohstoffen, die Recyclingfähigkeit und auch die Langlebigkeit und Reparierbarkeit eines Produkts stärker berücksichtigt werden. Hier halte die SPD Anreize für Hersteller für sehr sinnvoll. Das schrieb Michael Thews von der SPD dem Internetportal. Das Recyclinglabel könne demzufolge für die Hersteller einen klaren Wettbewerbsvorteil schaffen. Mehr Transparenz für Verbraucher sei außerdem wichtig. Hier würde die SPD weitere Vorgaben auf EU-Ebene im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie für sinnvoll halten. Es müsse geprüft werden, wie Ressourceneffizienz in die Leistungsbeschreibungen bei der öffentlichen Beschaffung des Bundes verstärkt einbezogen werden könnte.

Das sagt/sagen das Bündnis 90/Die Grünen zum Recyclinglabel:

Bündnis 90/Die Grünen gehen mit der BDE-Forderung insofern d‘accord , als dass die öffentliche beispielsweise selbst Vorreiter beim Einsatz von Recyclingprodukten sein sollte. Angesichts des Fuhrparks des Deutschen Bundestages sähen Bündnis 90/Die Grünen den Recyclingnews zufolge in puncto Elektromobilität noch „Luft nach oben“. Außerdem sei es der Partei wichtig, die Verbraucher über recyclingfähige Produkte zu informieren, insbesondere Transparenz sei demnach für die Kaufentscheidung von Verbraucherinnen und Verbrauchern essentiell. Zum Ausbau des EU-Umweltzeichens fordern Bündnis 90/Die Grünen auch eine Stärkung der Mehrwegsysteme als effektive, konkrete Maßnahme des Ressourcenschutzes.

Das sagt DIE LINKE zum Recyclinglabel:

DIE LINKE schätze den Nutzen des Recyclinglabels den Recyclingnews zufolge als gering ein. „Noch mehr Label, damit noch mehr Unklarheit entsteht bei Verbraucherinnen und Verbrauchern?“, fragt Ralph Lenkert (DIE LINKE) in der Stellungnahme seiner Partei demnach. Anstelle eines Recyclinglabels fordere die Partei „Positivlisten zum Materialeinsatz“ zum Beispiel bei Verpackungen. Weniger verschiedene Kunststoffsorten ermöglichen der LINKEN zufolge höherwertiges Recycling und bessere Wiedereinsetzbarkeit. Das Recycling könne man vielmehr stärken, indem man die Reparierbarkeit und Demontierbarkeit von Produkten verbessere sowie Akkus nicht fest in Geräte verbaue.

Fazit:

Auch wenn das Recyclinglabel im zu diskutierenden Themenspektrum unserer Gesellschaft nur eins von vielen Themen ist, so bietet es uns Verbrauchern mit Stimmrecht bei der Bundestagswahl eine seltene Gelegenheit: die Parteien haben früh und klar Stellung zum Thema bezogen. Das hilft uns womöglich, unser Wahlkreuz zu setzen.

Im nächsten Teil stellen wir euch die „Konzeption für eine Ressourcenverbrauchspflichtkennzeichnung für Produkte (Endbericht)“ vor, die im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt wurde. Sie enthält unter anderem mögliche Wege zur Umsetzung eines Recyclinglabels. Bleibt dran!

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