Biokunststoffe: Ökologisch vorteilhaft und geeignet für die Biotonne?

Gepostet von am 24. Mai 2017

Biokunststoffe: Ökologisch vorteilhaft und geeignet für die Biotonne?

Biokunststoffe werden heutzutage in zahlreichen Anwendungen eingesetzt. Im haushaltsnahen Bereich sind das vor allem Verpackungsmaterialien (z. B. Becher, Folien, Beutel, Tüten) oder auch Einweggeschirr. Biokunststoffe können biologisch abbaubar oder biologisch nicht abbaubar sein. Von den biologisch abbaubaren Kunststoffen erhofft man sich insbesondere, dass sie das „Littering“-Problem lösen, da sie sich – eigenständig in der Natur, wenn schon ungeachtet weggeworfen – in Nichts auflösen und weder Flora noch Fauna schaden. Wenn Biokunststoffe einer geordneten Entsorgung zugeführt werden, stellt sich die Frage, welcher Weg der ökonomisch und ökologisch sinnvollste ist: Hersteller biologisch abbaubarer Kunststoffe favorisieren dabei gerne den Weg über die Biotonne, was jedoch kritisch betrachtet werden muss.

Vermutlich löst die Vorsilbe „Bio“ bei vielen Menschen den Eindruck aus, es handele sich bei Biokunststoffen um etwas Natürliches oder von der Natur Kommendes, das problemlos in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Bei Biokunststoffen ist das mitnichten so. Denn dieser weite Oberbegriff umfasst Kunststoffe, die sowohl biologisch abbaubar als auch biologisch nicht abbaubar sind.

Biologisch abbaubare Kunststoffe sind aus nachwachsenden oder aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Je nach Anwendungsfall werden petrochemische Komponenten sowie weitere Hilfs- und Zusatzstoffe genutzt. Kunststoffe, die ausschließlich auf Basis nachwachsender Rohstoffe oder von Naturstoffen erzeugt werden, werden als „biobasiert“ bezeichnet.

Keine Vorteile durch Sammlung und Verwertung über Biotonne

Der Test, mit dem die biologische Abbaubarkeit nachgewiesen wird (DIN EN 13432), gibt eine Kompostierungszeit von zehn Wochen vor. Mehr als 90 Prozent des Produktes müssen dann unter bestimmten Milieubedingungen abgebaut sein. Da in der Praxis zum Teil kürzere Rottezeiten üblich sind und auch keine Laborbedingungen herrschen, besteht die Gefahr, dass am Ende des realen Prozesses der Kunststoff nicht vollständig abgebaut ist und damit als Fremdstoff im Kompost verbleibt.

Aufgrund der Tatsache, dass Produkte aus biologisch abbaubaren Kunststoffen optisch zum Teil nicht zu unterscheiden sind von biologisch nicht abbaubaren Kunststoffen, gibt es eine weitere Gefahr: Es kann zu steigenden Fehlwürfen kommen, die zu einer grundsätzlichen Verschlechterung der Kompostqualität führen. Für die Aufbereitung bedeutet das einen monetären Mehraufwand.

Zudem bringen Biokunststoffe keinen Nutzen für die Kompostierung, da keine wertgebenden Bestandteile wie Nährstoffe oder Humus verbleiben. Von daher rät das Umweltbundesamt von einer Entsorgung über die Biotonne ab und stuft die Hausgartenkompostierung als gänzlich ungeeignet für diese Stoffe ein.[1]

Einen Test für die anaerobe (sauerstofffreie) Abbaubarkeit gibt es derzeit noch nicht. Angesichts dessen, dass organische Abfälle zunehmend über kombinierte Verfahren verwertet werden sollen, d. h. zunächst energetisch (anaerob; Vergärung mit Biogasgewinnung) und dann aerob (Kompostierung), ist der Einsatz von abbaubaren Kunststoffen noch kritischer zu sehen.

Interessanterweise fehlt auch der ökologische Vorteil durch die Kompostierbarkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die eine vergleichende Ökobilanz für verschiedene Bechersysteme für ein Fußballgroßereignis erstellt hat: Es kam heraus, dass die Umweltbelastungen der biologisch abbaubaren Einweggetränkebecher (diese bestanden aus PLA = Polylactid = Polymilchsäure) vergleichbar sind mit denen von Einweggetränkebechern aus PET (Polyethylenterephthalat) und deutlich über jenen der Einweggetränkebecher aus Karton liegen.[2] Mit der Kompostierung des PLA war also kein nennenswerter ökologischer Nutzen verbunden.

Anlagenbetreiber und Qualitätssicherer bleiben kritisch

Die Kompostverbände VHE und BGK, gestützt auf zahlreichen auch negativen Erfahrungen der Anlagenbetreiber und der Qualitätssicherung, sehen den Einsatz von biologisch abbaubaren Kunststoffen sehr kritisch und lehnen eine grundsätzliche Entsorgung über die Biotonne ab.[3],[4] Hierbei ist auch die Erwartungshaltung der Kompostanwender zu berücksichtigen. Diese gehen in der Regel davon aus, Produkte aus nativ organischen Rohstoffen ohne die Zugabe anderer abbaubarer Gegenstände zu erhalten.

Dennoch gibt es Kommunen, die der Verwendung biologisch abbaubarer Kunststoffe in der Biotonne zustimmen. Dabei handelt es sich i. d. R. um die Zustimmung zum Einsatz von bestimmten Beuteln, die im Vorsortiergefäß genutzt werden können und sich in der jeweiligen Behandlungsanlage vollständig abbauen. Biotonnennutzer sollten sich diesbezüglich jedoch bei ihrem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger erkundigen, denn Biokunststoffe gehören nicht per se in die Biotonne!

 

Quellen:

[1] Beier W (2009) Biologisch abbaubare Kunststoffe. UBA-Hintergrundpapier

[2] Bertram H-U (2016) Energie nutzen. Die Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen müsste aus ökologischer Sicht optimiert werden. ReSource 2/2016

[3] VHE Position zur Verwertung von biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW) einschließlich BAW-Sammeltüten über die Biotonne vom 26. 2. 2014

[4] BGK-Standpunkt „Kompostierung von Biokunststoffen ist ein Irrweg“ vom 21. 3. 2014. Download unter: http://www.kompost.de/fileadmin/docs/Archiv/Thema_Position/5.4.1_Position-BAW_2014_final.pdf

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