Die Geschichte der Mülltonne

Gepostet von am 28. Mai 2017

Die Geschichte der Mülltonne

In der Geschichte des Recyclings, die ich hier auf dem Wertstoffblog Kapitel für Kapitel schreibe, spielt die Mülltonne meist nur eine Nebenrolle. Vor allem geht es dabei um den Wertstoff Müll, der in die Tonne kommt. Das ändere ich jetzt: Im vorliegenden Blogbeitrag steht die Mülltonne im Mittelpunkt. Lest hier ihre spannende Geschichte!

Eine Vorgeschichte, die zum Himmel stinkt

Jahrhundertelang warfen unsere städtischen Vorfahren ihren Hausmüll aus dem Fenster. Der landete wie auch die Abwässer in hohem Bogen auf der Straße, die damals noch nicht groß befestigt war, und schichtete sich dort auf. Das Ganze stank buchstäblich zum Himmel. Als man begann, die Straßen zu pflastern, funktionierte das beschriebene Entsorgungssystem nicht mehr: Der Müll sollte schließlich das gute Straßenpflaster nicht überdecken. Statt ihren Hausmüll also auf die Straße zu werfen, schafften sich die Städter Schweine an. Allerdings entsorgten die Müllschweine nicht nur den von Menschen verursachten Unrat, sondern produzierten selbst eine Menge Müll, sprich: Mist. So kam’s, dass man im 19. Jahrhundert dazu überging, häuslichen Unrat und Abwässer in Gruben hinter dem Haus zu sammeln. Waren die voll, rief man einen privaten Fuhrmann, der Kopf und Rücken in einen Sack stülpte und den Müll aus der Grube in Weidenkörbe oder alte Karbidtrommeln umfüllte, die er dann durchs Haus nach vorn auf die Straße trug, wo sein offenes Fuhrwerk stand.

1895: Die Mülltonne wird in Berlin geboren

Berlin sei die erste Stadt gewesen, die diese Art der Müllentsorgung änderte. Im Januar des Jahres 1895 verordnete der Polizeipräsident den Berlinern Müllbehälter:

„Haus- und Wirtschaftsabgänge, insbesondere Müll, Asche, Schlacken, Abraum, Schutt, Kehricht, Modder, Küchen- und Fleischabfälle, Knochen, Lumpen usw. dürfen auf der Straße nur in völlig undurchlässigen, geschlossenen Behältern transportiert werden.“

In der Geschichte der Müllentsorgung gilt diese Verordnung als der Meilenstein, der die Geburtsstunde der staubfreien Müllabfuhr und der Mülltonne markiert.

In den Altstädten ist es bis heute oft ein Problem, im Haus oder auf dem Grundstück einen geeigneten Platz für die Mülltonne zu finden. Der wurde beim Bau der alten Häuser schlichtweg nicht geplant und realisiert, weil es die Mülltonne damals noch nicht gab.

Wer hierzu mehr lesen will: Schon 1953 erschien von Oberbaurat Otto Tope aus Hannover ein reich illustriertes Buch namens „Die Mülltonne – Ein Stiefkind der baulichen Städtegestaltung“. Tope schreibt darin, dass die Mülltonnen

„daher an zufällig zur Verfügung stehenden Stellen untergebracht werden (mussten), sei es nun in Vorgärten, in Kellern, auf Höfen, in Tordurchfahrten, selbst auf Baikonen und auf dem Dachboden. Hierdurch ergaben sich für die mit dem Abtransport der vollen Tonnen beschäftigten Arbeiter wahre Leidenswege, die auch heute noch Tag für Tag gegangen werden müssen. Unfälle der Müllwerker durch Stürze, Zerrungen, Prellungen, Brüche, Quetschungen, Hautabschürfungen, Verhebungen, Hand- und Fußverletzungen waren und sind heute noch an der Tagesordnung“.

1961: Die Mülltonne aus Kunststoff kommt
und macht das Leben leichter

Ein weiterer Meilenstein folgte gute 60 Jahre später mit der Einführung von Mülltonnen aus Kunststoff. 1961 wurden sie erstmals in Ausstellungen gezeigt. Der Vorteil: Gegenüber den bislang üblichen Mülltonnen aus Stahlblech, die in der Standardgröße von 110 Litern Fassungsvermögen leer 25 Kilogramm wogen, war die gleich große Kunststofftonne mit ihren sechs Kilogramm ein Leichtgewicht.

Die runden Stahlblechtonnen hatte es in den Größen 35, 50 und 110 Liter gegeben. Doch mit den ab den 1960er-Jahren deutlich wachsenden Müllmengen pro Haushalt mussten auch die Müllbehälter wachsen. In dieser Zeit kam der sogenannte MGB 240 auf die Welt: der 240 Liter fassende Müllgroßbehälter. Neu war nicht nur seine Größe, sondern auch die eckige Form. Die war den zunehmend sperrigeren Verpackungen geschuldet, die die Menschen immer häufiger im Müll entsorgten. Der MGB 240 hatte zudem zwei Räder. Er war aus Kunststoff (Polyäthylen) und damit beständig gegenüber Hitze, Frost und Chemikalien.

Mit der Mülltrennung wächst die Zahl der Mülltonnen

Inzwischen steht nicht mehr nur eine Mülltonne vor deutschen Häusern sondern eine bunte Reihe davon: Neben sogenannten „Depotcontainern“ für Altglas und Altpapier stehen da braune, grüne, blaue, rote und natürlich gelbe Tonnen. Mit der Mülltrennung schrumpfte die Restmüllmenge, so dass auch die graue Tonne dafür wieder kleiner ausgelegt werden konnte. Hinzu kommen die sogenannten Mekam-Tonnen, also Mehrkammermülltonnen. Die haben eine Trennwand in der Mitte, so dass sie zwei Müllsorten fassen können. Die Deckel der Mülltonnen sind auf Wunsch zweifarbig lieferbar. Gut zu wissen: Dazu gibt’s das passende Mekam-Müllfahrzeug, das den Müll aus den Mekam-Mülltonnen aufnimmt, ohne die beiden Müllsorten zu vermischen.

Die Mülltonne hat viele Namen

Während das vorher Geschriebene die Geschichte der Mülltonne eher chronologisch schildert, kann man sich dieser auch namenskundlich nähern. Denn die Mülltonne heißt nicht nur Mülltonne, sondern auch Bezeichnungen wie Abfalltonne, Abfalleimer, Abfall- und Wertstoffbehälter, Ascheeimer, Ascheneimer, Kehrichteimer, Abfallkübel, Müllkübel, Mülleimer und Müllcontainer sind geläufig. Womit noch nicht einmal die regionalen Bezeichnungen aufgeführt wurden. Die verschiedenen Bezeichnungen beschreiben sowohl die Beschaffenheit des entsprechenden Behältnisses recht anschaulich als auch dessen Zweck beziehungsweise das, was darin entsorgt wird.

Die klassische Mülltonne hat ihren Namen, weil sie entweder eine zylinderförmige Tonne, speziell eine Ringmülltonne, kurz: Ringtonne, oder ein tonnenförmiger Systemmülleimer war – beide ohne Räder. Man bewegte sie mit einer geschickten Drehung oder nutzte eine spezielle Karre dafür. Oder man trug sie mit den beiden seitlichen Griffen. Diese Mülltonnenart wird seit der jüngsten Jahrtausendwende kaum noch benutzt.

Zum Weiterlesen:

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