#DIGICHAN 1: Schrott übers Internet verkaufen – Startup mischt Branche auf

Gepostet von am 10. Okt 2017

#DIGICHAN 1:  Schrott übers Internet verkaufen – Startup mischt Branche auf

Vorwort der Redaktionsleitung – Thomas Nasswetter:
Die Digitalisierung erobert immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft. Während in Industrie und Gewerbe noch über das Thema als kommende Veränderung (CHANGE) oder Chance (CHANCE) nachgedacht wird und Automatisierung gerne mit Digitalisierung verwechselt wird, sind 80% der Deutschen und 85% der Österreicher online. In Österreich sind 82% aller Mobiltelefon Smartphones – mit weiter steigender Tendenz. Die Gesellschaft ist quasi beinahe „durchdigitalisiert“. Deshalb haben wir den Hashtag #digichan, der sich ais DIGItaislierung und CHANge, CHANce aber auch CHANnel zusammensetzt, entwickelt. Der Wertstoffblog will unter diesem Hashtag die Entwicklungen der Digitalisierung in der Branche sichtbar machen und auf Chancen aber auch auf Risiken hinweisen.

Unser Autor Benjamin Kloiber startet mit einem Bericht aus Österreich:

Quizfrage: Warum erwirbt ein Grazer Startup zwei Passagierflieger der Marke Airbus A310? Nein, nicht, um Fluglinien wie AUA und Lufthansa Konkurrenz zu machen. Auch nicht, um ein extravagantes Restaurant in ihnen zu errichten. Die Passagierflugzeuge wurden gekauft, um verschrottet zu werden. Jawohl, Schrott wurde daraus. Und das ließ sich das Unternehmen Schrott24 einen hohen fünfstelligen Betrag kosten.

Es waren also nicht die Flieger per se, die Schrott24 interessierten. Nicht deren Reichweite, Kapazität oder Zustand. Es waren die rund 100 Tonnen an Aluminium, Titan, Kupfer, Stahl, Eisen und anderen metallischen Rohstoffe, welche die Begierde des Startups erweckten.

Wie lief der Deal ab?

Die slowakische Firma „Firefly Aircraft Salvaging“ war im Besitz zweier ausrangierter Jets, welche sie loswerden wollte. Sie waren nur zufällig auf Schrott24 gestoßen – über Google. Erst ließ Firefly die Flieger von einem belgischen Abrissunternehmen verschrotten und versandte das Altmetall anschließend an Schrott24.

Zwei riesige Passagierflugzeuge, die den Weg zu einem erst zwei Jahre alten Grazer Startup finden? Nur auf dem ersten Blick wirkt das ungewöhnlich. Denn was unternimmt jemand, der einen Haufen Schrott hat, diesen loswerden möchte aber noch keinen Schrotthändler seines Vertrauens als permanenten Abnehmer für seine Teile hat? Er googelt! Und was findet jemand, der „Altmetall verkaufen“ in einer Suchmaschine eintippt? Die Website von Schrott24.

Wie funktioniert Schrott24?

Und genau das zeichnet dieses Modell aus und macht es auch für Zukunft erfolgsversprechend. Es ist einfach und schnell. Ist man auf der Website angekommen, wählt man erstmal die Art von Schrott, die man verkaufen möchte aus. Zur Auswahl stehen Kupfer, Kabel, Hartmetall, Messing, Edelstahl, Aluminium, Blei, Elektronikschrott, Kupfer- und Nickellegierungen, Zink, Zinn, Eisen und Stahl. Im Anschluss schätzt man das Gewicht ab und lässt sich daraus den zu erwartenden Ankaufspreis berechnen, der aus dem aktuellen Marktwert, des Altmetalls resultiert. Dabei ist es nicht notwendig das Gewicht vorab präzise festzustellen. Sollte die Lieferung schwerer sein, als geschätzt, gibt es auch mehr Geld.

Hat man die Art der metallischen Rohstoffe und deren Gewicht online eingetippt, kann man wählen, ob die Rohstoffe mittels Paket verschickt werden sollen, ob man sie selbst liefert oder sie abgeholt werden sollen. Auf jeden Fall ist die Anlieferadresse jene eines zertifizierten Schrotthändlers oder Partners in der Nähe.

„Die verstaubte Branche ins digitale Zeitalter katapultieren“

Schon im Mai 2016 erhob das Startup den Anspruch, „die verstaubte Branche in das digitale Zeitalter zu katapultieren“. Ein Ziel war es, die Transparenz am Markt zu erhöhen. Viele Verkäufer – vor allem Einzelpersonen – seien nicht kund, was den Preis für Altmetall betrifft. Ihnen sei oft nicht bewusst, dass sie ihre Rohstoffe zu billig verkaufen – falls sie es überhaupt tun und sie nicht in einem Keller oder Schuppen abgelegt und vergessen werden.

Die Bandbreite der Kundschaft erstreckt sich von kleinen Privatkunden – wie die 46-jährige Ulrike, die beim Ausmisten ihres Kellerabteils, eine Kiste alten Metallschrotts findet – über kleine und mittlere Firmen bis hin zu Großunternehmen die zum Teil auch Rohstoffmengen von mehreren Dutzenden Kilogramm anliefern.

Wie ergibt sich der Preis?

Die Frage nach dem Preis gehört zu den interessantesten. Schrott24 argumentiert mit völliger Transparenz bei der Preisgestaltung. In dem der ungefähre Preis schon vor der Lieferung und dem Verkauf genannt wird, würden die Kunden Bescheid wissen und abwägen können. Grundsätzlich richtet sich der Preis bei Schrott24 an den aktuellen Börsenkursen der Altmetalle. Potentielle Kunden haben die Möglichkeit, sich auf der Website anzumelden und so informiert zu werden, wenn die Preise für den jeweiligen Rohstoff steigen oder fallen.

Liebling von Google

Schrott24 ist auf jeden Fall ein interessantes Modell. Das Startup will mit Transparenz punkten, indem es Preise offenlegt. Es will mit Einfachheit punkten, indem man Kunden von allen Hürden auf dem Weg zum Verkauf befreit, bevor sie Gefahr laufen, darüber zu stolpern. Und der vielleicht wichtigste Punkt ist: Man findet Schrott24 im Internet! Egal was man diesbezüglich eintippt – ob es „Schrott verkaufen“, „Altmetall verkaufen“, „Metall verkaufen“ ist: Schrott24 erscheint bei Google an vorderer Position.

Zur Website: https://www.schrott24.at

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