Mobilität in der Recyclingwirtschaft: Wie „mobil“ wird die Zukunft?

Gepostet von am 14. Nov 2017

Mobilität in der Recyclingwirtschaft: Wie „mobil“ wird die Zukunft?

Mobilität meint aufs Individuum bezogen Beweglichkeit, also die Fähigkeit, sich selbst und sich fort zu bewegen. In einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ist Mobilität systemisches Grundprinzip, denn ein ökonomischer Kreislauf ergibt sich nur mit mobil agierenden Akteuren und mobilen („kreisenden“) Wertstoffen. Wie wird die Recyclingwirtschaft als mobiler und mobilisierender Akteur einem nachhaltigen Mobilitätsanspruch an eine rund laufende Kreislaufwirtschaft heute und künftig gerecht? Das ist hier die Frage.

Mobilität in der Recyclingwirtschaft von heute

Wer heute über morgen schreiben möchte, muss wissen, was heute läuft. Und deshalb bekommt ihr hier zunächst einen Überblick über die aktuelle Mobilität in der Recyclingwirtschaft am Beispiel der wohl bekanntesten „Mobile“ der Branche: den Müll transportierenden Automobilen, die auf den deutschen Straßen fahren, sprich: den Müllfahrzeugen.

Die deutsche Müllwagenflotte

Über 16.000 Müllautos seien derzeit auf deutschen Straßen unterwegs, schreibt der Focus. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) dröselt uns die deutsche Müllwagenflotte detaillierter auf: Demnach würden deutsche Kommunen zwischen 6.000 und 8.000 Müllautos einsetzen (Quelle: Verband kommunaler Unternehmen (VKU)). Die größte Müllsammelflotte habe dabei Berlin mit rund 300 Fahrzeugen. Zum Vergleich: In einer Stadt wie Rüsselsheim entsorgen sieben städtische Müllautos den Müll.

Hinzuzurechnen sei dazu noch die große Flotte privater Entsorger. Jährlich würden laut der FAZ im Land etwa 1.000 neue Fahrzeuge angeschafft (Quelle: Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE)). Damit sei die deutsche Fahrzeugflotte vergleichsweise jung.

Was rollt denn da? Gängige Typen von Müllwagen

Müllauto ist nicht gleich Müllauto: Die Frei Enzyklopädie Wikipedia gibt uns einen Überblick über gängige Fahrzeugtypen von Müllwagen. Dazu zählen demnach:

Müllfahrzeuge mit Hecklader unterteilt man noch in weitere Untertypen:

  • Rotopresssysteme für Städte mit vorrangig Mülltonnen und kleinen Containern: Der in die Schüttung gefüllte Abfall werde bei diesen Fahrzeugtypen in der drehenden Trommel mit schneckenförmigen Stegblechen an der Wandung (sogenannte Förderschnecke) in das Innere transportiert und dabei leicht zerkleinert. Eine feststehende gegenläufige Pressschnecke an der Heckklappe verdichte den Abfall zusätzlich, sobald die Trommel weiter gefüllt sei. Zum Entleeren des Fahrzeugs werde die Heckklappe geöffnet und die Trommel auf Rückwärtslauf geschaltet.
  • Pressplattensystem für ländliche Umgebung zum Sammeln größerer Container, loser Abfälle wie Spermüll sowie zur Wertstoffsammlung (Gelber Sack). Diese Fahrzeugtypen haben eine zuführende Pressplatte und ein bewegliches Gegenschild im Pressraum des Sammelfahrzeugs. Die Abfälle werden laut der Wiki in die Mulde der Schüttung gefüllt und von der Pressplatte zuerst nach innen und dann nach oben in den Aufbau des Fahrzeugs geschoben und dabei erheblich verdichtet. Das bewegliche Gegenschild im Inneren des Aufbaus baue den notwendigen Gegendruck auf. Mit zunehmender Befüllung des Fahrzeugs werde das Gegenschild stückweise hydraulisch Richtung Führerhaus verschoben, um weiteren Speicherraum freizugeben. Zur Entleerung des Fahrzeugs werde die Schüttung komplett nach oben geklappt, sodass das Gegenschild die eingesammelten Abfälle hinausschieben könne.
  • Presskopffahrzeuge, die Abfall im Inneren mit Hilfe eines hin- und her schwingenden Presskopfes verdichten.
  • Systemfahrzeuge mit absetzbarem, geschlossenem Container und getrennter Schüttung.

Müllfahrzeuge mit Frontlader kommen laut Wikipedia insbesondere bei der Gewerbeabfallsammlung für großvolumige Container zum Einsatz. Die Sammelbehälter werden vom Fahrer mit dem Frontlader gehoben, über das Fahrerhaus gehievt und dahinter in eine Schüttung ausgeleert.

Zumeist rechts zu lenkende Müllfahrzeuge mit Seitenlader und Front-Seitenlader zur Entleerung kleinerer Mülltonnen.

Die sogenannten Seitenlader würden laut der FAZ weniger als zehn Prozent der Flotte ausmachen, den Rest bildeten Fahrzeuge mit klassischer Schüttung im Heck (etwa 70 Prozent) sowie Fahrzeuge anderer Bauarten. Zu diesen sonstigen Ausführungen gehörten demnach die oben beschriebenen Frontlader sowie Spezialfahrzeuge für die gleichzeitige Abfuhr verschiedener Müllarten (sogenannte Fraktionen) in voneinander getrennten Laderäumen.

Womit fahren die deutschen Müllautos heute?

Die Frage, womit ein Müllfahrzeug betankt wird, ist vor allem eine Frage des Preises. Denn je nachdem, welche Art Sprit das Müllahrzeug verbraucht, ist es technisch unterschiedlich beschaffen. Und Technik hat ihren Preis: je moderner, effizienter un nachhaltiger sie ist, desto teurer ist sie auch.

So berichtet Der Tagesspiegel uns hier, dass etwa „die Hälfte der Berliner Müllwagenflotte“ mit Erdgas fahre. Ein Berliner Müllwagen, der mit Erdgas betrieben werde, koste demnach 242.000 Euro, einer der mit Diesel fahre, etwa 212.000 Euro. Im Jahr 2015 sei laut der Zeitung online in Berlin erstmals weltweit ein Müllwagen mit einem umweltschonenden Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb eingesetzt worden. Wobei das Fahrzeug nach wie vor mit Diesel betankt werde und „nur“ das „Ankippen der Mülltonen und das Zusammenpressen des Mülls“ mit Hilfe des neuen Antriebes erfolge.

Die Verkehrsrundschau beschrieb Anfang 2016 den ersten hessischen E-Müllwagen n Kassel, der für einen Aufpreis von 80.000 Euro auf den leisen Elektro-Betrieb umgestellt worden sei. Das Fahrzeug habe demnach zwar noch einen Dieselmotor für längere Strecken, doch das Anheben der Tonnen und das Pressen des Mülls laufe über eine Batterie. Auch kurze Strecken von Tonne zu Tonne schaffe der Elektroantrieb. Dank der Batterie sei der Wagen deutlich leiser und verbrauche weniger Diesel-Kraftstoff. Bislang laufe das Vorhaben nach Plan. Im ersten Monat seien 20 Prozent des Diesel-Verbrauchs eingespart worden. Die Batterie werde eine Photovoltaik-Anlage auf dem Werkstatt-Dach geladen, die etwa 37.000 kWh Solarstrom im Jahr produziere.

Interessant: Der Verkehrsrundschau zufolge sei das E-Müllauto in Kassel das dritte seiner Art in Deutschland gewesen. „Skandinavien und die Schweiz seien in diesem Bereich deutlich weiter.“

Mobilität in der Recyclingwirtschaft von morgen

Gehen wir von der derzeitigen Abfallsituation hierzulande und weltweit aus, werden Müllfahrzeuge in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch immer von großer Bedeutung sein, um die Abfälle von A nach B zu transportieren.

Die Bundesregierung setzt zur Erreichung der Energiewende einerseits auf Elektro-Mobilität, also auf elektrisch betriebene Fahrzeuge. Auf der Internetseite der Bundesregierung steht, dass es das Ziel sei,

„bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sechs Millionen. Diese Ziele schreibt das Regierungsprogramm Elektromobilität von 2011 fest. Denn Elektrofahrzeuge verringern nicht nur die Abhängigkeit vom Öl. Lädt man die Batterien mit Strom aus erneuerbaren Energien, fahren Elektrofahrzeuge praktisch ohne Schadstoffausstoß.“

Die Bundesregierung fördere nach eigener Aussage auch weiterhin Erdgasfahrzeuge. Für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge habe Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt demnach im April angekündigt, der Bund werde in den kommenden Jahren insgesamt 511 Millionen Euro in die Erforschung und den Ausbau der nötigen Infrastruktur stecken. Bis 2023 sollen, parallel zum Fahrzeughochlauf, insgesamt bis zu 400 Wasserstofftankstellen in Deutschland verfügbar sein. Die Bundesregierung werde außerdem den Bio-Anteil in Kraftstoffen weiter steigern und den Einsatz von Bio-Kraftstoffen noch klimafreundlicher gestalten. Die Automobil- und Kraftstoffindustrie solle technische Voraussetzungen für einen Bio-Anteil über zehn Prozent bei Benzin und sieben Prozent bei Dieselkraftstoffen schaffen. Außerdem möchte die Bundesregierung die Nutzung von Bio-Kraftstoffen auf Bahnverkehr und Binnenschifffahrt ausdehnen.

Nur kurz angemerkt sei: Das sind Zukunftspläne. Geplant in einer präjamaikanischen Regierungszeit.

Fazit: Der Umstieg auf eine nachhaltige Müllfahrzeugflotte ist extrem teuer und aufwändig. Wie viele der Müllfahrzeuge zu den zunächst eine und dann sechs Millionen E-Autos gehören werden, die Deutschland anstrebt, das wird uns die Zukunft zeigen.

Es gibt spannende Studien zur Zukunft in der Stadt, zum Beispiel „Die nachhaltige Stadt 2030“, die das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hat und deren Teilbericht „Kreislaufstadt 2030“ sich mit Mobilität im Besonderen auseinandersetzt. Dabei geht es nicht nur um künftige Formen von Mobilität, die die Versorgungssicherheit unseres Landes mit Rohstoffen garantieren, sondern auch um die Auswirkungen auf die Infrastruktur, um zum Beispiel E-Mobilität erst zu ermöglichen (Rück- oder Umbau von Straßen, Netzaufbau für E-Mobility und Organisation von Mobilität) sowie um neue integrierte Mobilitätskonzepte vor allem in den Städten. Das Leitkonzept „Stadt und Region der kurzen Wege“ hat das Umweltbundesamt 2011 schon veröffentlicht.

Ihr seht schon, das Thema Mobilität in der Recyclingwirtschaft bietet unzählige Ansätze dafür, schon heute an morgen zu denken und entsprechend strategisch zu handeln. Wir vom Wertstoffblog bleiben dran, versprochen.

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