Foodwaste (1) – Wie viel Lebensmittel verschwenden wir Tag für Tag und warum?

Gepostet von am 21. Nov 2017

Foodwaste (1) – Wie viel Lebensmittel verschwenden wir Tag für Tag und warum?

Foodwaste, auf Deutsch: Lebensmittelverschwendung, ist ein Thema, das wir dringend besprechen müssen: Zum einen, weil Foodwaste eins der großen Probleme unserer Gesellschaft ist. Zum anderen, weil es längst praktikable Lösungen gibt, den Berg an Lebensmitteln, die wir tagtäglich noch verschwenden, abzutragen. Im ersten Beitrag unserer Reihe zu Foodwaste machen wir eine Bestandsaufnahme und suchen nach Antworten auf Fragen wie: Wie viele Lebensmittel verschwenden wir? Wo verschwenden wir Lebensmittel? Warum verschwenden wir Lebensmittel?

Lebensmittelverschwendung in Deutschland – Zahlen und Fakten zu Foodwaste

Um sich ein Bild davon zu machen, wie groß das Problem Foodwaste hierzulande ist, haben wir ein paar Zahlen für Euch gesammelt:

  • 11 Millionen Tonnen Lebensmittel sollen laut Rewe jährlich in der Tonne landen.
  • Die Menge der von uns Deutschen weggeworfenen Lebensmittel habe demnach einen Wert von rund 25 Milliarden Euro.
  • Von den oben bezifferten 11 Millionen Tonnen Lebensmittel, die wir wegwerfen, seien Rewe zufolge 800.000 Tonnen noch ungeöffnete, unberührte verpackte Lebensmittel.

Rewe schreibt weiter, dass wir Deutschen unseren Foodwaste um ein Vielfaches unterschätzen würden. Nach Selbsteinschätzung wanderten 6 Prozent unserer Lebensmittel in den Müll, tatsächlich seien es im Schnitt jedoch 21 Prozent.

Lebensmittelverschwendung in Europa und der Welt – Zahlen und Fakten zu Foodwaste

Die Menge von Foodwaste in Europa beziffert Rewe auf 105 Kilo Lebensmittel pro Kopf und Jahr. Dem gegenüber stünden nur 7 Kilogramm Lebensmittel, die ein Mensch in Afrika, Süd- und Südostasien jährlich verschwenden würde.

Das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) beruft sich bei folgenden Zahlen und Fakten auf das International Food Policy Research Institute: In reichen Ländern gebe man demzufolge 7 Prozent seines Einkommens für Nahrung aus (Rewe nennt 9,5 Prozent für Deutschland), von der 30 Prozent im Abfall landen würden. In Entwicklungsländern beliefen sich die Ausgaben für Nahrung auf 70 Prozent des Einkommens, nur drei Prozent der Nahrungsmittel würden im Müll landen.

Wann und wo Foodwaste stattfindet

Foodwaste geschieht auf der ganzen Linie: von der Erzeugung beziehungsweise Herstellung der Lebensmittel über die gegebenenfalls Verarbeitung und den Transport bis hin zum Handel und Verbrauch beim Endkunden, der sowohl ein privater Haushalt als auch ein Gewerbetreibender / Dienstleister sein kann.

Bei genauerer Analyse wird offensichtlich, dass Foodwaste nicht gleich Foodwaste ist: Früchte, die wegen eines Unwetters zerstört werden, sind anders zu betrachten als Lebensmittel, die vom Verbraucher nicht rechtzeitig verbraucht und deshalb in die Tonne geworfen werden.

Nebenbei aber nicht unwichtig: Das Problem, dass die entsorgten Lebensmittel von vielen Verbrauchern noch nicht einmal korrekt entsorgt werden und daher statt in der Biotonne, über die sie einer ressourcenschonenden Verwertung zugeführt werden könnten, in der Restmülltonne landen, haben wir hier auf dem Wertstoffblog schon ausführlich diskutiert.

Man nutzt daher im Zusammenhang mit Lebensmittelverschwendung (Foodwaste) auch den Begriff Foodlost (Nahrungsmittelverlust), um die Verluste an Lebensmitteln zu beschreiben, die bei Erzeugung/Produktion, Lagerung/Transport und Verarbeitung anfallen. Foodlost wird per Definitionem damit Foodwaste, Nahrungsmitteln, die für den Menschen gemacht wurden, aber nicht von ihm verbraucht wurden, an die Seite gestellt.

Das oben schon als Quelle bemühte BLW schlüsselt die prozentualen Anteile von Foodlost und Foodwaste in den folgenden fünf Bereichen auf:

  • Landwirtschaft: 27 Prozent
  • Lagerung & Transport: 9 Prozent
  • Verarbeitung: 18 Prozent
  • Groß- und Einzelhandel: 9 Prozent
  • Konsum: 37 Prozent

Ein scharfer Blick auf die einzelnen Verlust- beziehungsweise Verschwendungsbereiche zeigt, wann und wo Foodlost und Foodwaste vorkommen:

Foodlost und Foodwaste in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft seien demnach Lebensmittelverluste zu verbuchen, weil Schädlinge und Witterungsbedingungen den Lebensmitteln schaden würden. Außerdem würden die Lebensmittel nach geltenden Qualitätskriterien aussortiert, noch bevor sie überhaupt gelagert und/oder zur Verarbeitung weiter transportiert würden. So gebe der Handel beispielsweise Formen und Größen für Produkte vor, die der Konsument angeblich wünsche. Alles, was den Standardmaßen nicht entspreche, bliebe entweder auf dem Feld oder werde in der Viehzucht als Futter verfüttert oder als Biomasse zur Erzeugung von Energie benutzt, um nur einige Beispiele anzuführen.

Foodlost und Foodwaste während Lagerung & Transport

Beim Lagern und Transportieren gebe es einen systembedingten Verlust (auch Schwund genannt). So würden regelmäßig Reste der gelagerten und transportierten Lebensmittel in den Lagerräumen und -behältern ebenso wie in den Transportmitteln verbleiben. Außerdem würden Fäulnis und Verderb hier einen erheblichen Anteil an Foodlost verursachen.

Foodlost und Foodwaste bei der Verarbeitung

Als Ursache von Foodlost und Foodwaste bei der Verarbeitung der Lebensmittel werden vom BLW sogenannte Rüstverluste angeführt. Das seien laut einschlägigen Lehrbüchern der Branche Verluste an Lebensmitteln, die beim Putzen, Schälen, Kochen und/oder Braten (dem sogenannten Rüsten) anfallen würden. Ein Beispiel: Von zehn Kilogramm geerntetem Spargel kämen höchsten fünf auf den Teller. Denn bei Spargel gebe es einen Lagerverlust (Schwund) zwischen 2 und 4 Prozent, einen Putzverlust von bis zu 30 Prozent und einen Garverlust von weiteren bis zu 30 Prozent. Auch die bewusst aussortierten Abfälle, zum Beispiel Innereien von Tieren, die sicher auch kulturell-traditionell bedingt sind, machen hier einen beachtlichen Anteil an Foodlost und Foodwaste aus.

Foodlost und Foodwaste beim Groß- und Einzelhandel

Im Groß- und Einzelhandel hat Lebensmittelverschwendung zwei Gründe: Entweder sind die Lebensmittel offensichtlich verdorben. Oder das auf den Produkten angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Beides führt dazu, dass die Produkte aus dem Handel verschwinden: Sie gelangen gar nicht erst ins Regal oder werden dort herausgenommen und entsorgt. Dabei kommt es massiv zu Foodwaste, denn abgelaufene Lebensmittel sind nicht per se schlecht. Und wenn in der Packung von Ware ein Stück Zeichen von Beschädigung und/oder Verderb zeigt, wird oft die ganze Packung in die Tonne gehauen.

Foodlost und Foodwaste beim Konsum & Konsumenten

Die Lebensmittel, die wir Verbraucher

  • zu viel kaufen,
  • die wir mangelhaft lagern und aufbewahren, so dass sie verderben,
  • deren Haltbarkeitsdaten wir nicht verstehen oder missverstehen
  • und die wir oder Restaurants (das Umweltbundesamt spricht vom Außer-Haus-Konsum in Restaurants, Kantinen und bei Event-Catering als sehr erfolgversprechenden Bereich für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen) zu viel kochen,

wandern in die Tonne. Laut Rewe könnte jeder Deutsche rund 300 Euro im Jahr sparen, wenn er weniger Foodwaste verursachen würde.

Warum wir Lebensmittel verschwenden

Mit dem Vorgeschriebenen klang hier und da bereits an, warum Foodwaste passiert. Zu diskutieren wären zum Beispiel:

  • Die Qualitätskriterien für Lebensmittel, die wie gewachsen in den Handel kommen sollen, darunter Obst und Gemüse. Eine „andere“ Form und Größe mindert selten Geschmack und Verarbeitung seitens des privaten Verbrauchers. Und selbst automatisierte Prozesse in Gewerbe und Industrie ließen sich sicher darauf einstellen, dass beispielsweise Kartoffeln unterschiedlich wachsen.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), mit dem der Hersteller sein Produkt kennzeichnet, muss als das zum Verbraucher transportiert werden, was es ist – und was es nicht ist: Ein Datum, bis zu dem das Lebensmittel laut Herstellergarantie und bei entsprechender Aufbewahrung in Geschmack und Konsistenz so bleibt, wie es ursprünglich verpackt wurde. Das MHD ist damit kein Wegwerfdatum.
  • Der Umgang von Händlern (Groß- wie Einzelhändlern) mit nach MHD-Angabe „abgelaufenen“ Lebensmitteln. Die von Medien des Öfteren kolportierte Entsorgung abgelaufener Lebensmittel in die Mülltonnen auf dem Firmengelände ist Foodwaste, der nicht sein müsste, wenn stattdessen ein entsprechendes Netzwerk von Organisationen diese bekäme und an Bedürftige verteilen würde.
  • Der Umgang von uns Verbrauchern mit Lebensmitteln. Wir müssen lernen, Lebensmittel vorausschauend zu kaufen und zu lagern, Lebensmittel bestmöglich zu verwerten und wenn nötig Reste von Mahlzeiten zu verwerten, zu teilen, zu tauschen.

Ihr seht, das Thema Foodwaste bietet genug Stoff, um sich damit weiter zu beschäftigen. In den kommenden Beiträgen dieser Reihe geht es demnächst deshalb unter anderem um:

  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum – Vorteile, Nachteile, Alternativen
  • Die Lebensmittelretter: Tafeln, Anti-Foodwaste-Aktionen und -Start-ups
  • Die bestmögliche Verwertung von Lebensmitteln – die besten Tipps für Daheim

Bleibt dran!

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