Energieverbrauch der Industrie: Welchen Einfluss hat der Einsatz von Recyclingrohstoffen

Gepostet von am 1. Dez 2015

Energieverbrauch der Industrie: Welchen Einfluss hat der Einsatz von Recyclingrohstoffen

Vom negativen Image der Energieeffizienz und von Recycling hatte ich bereits berichtet und auch andere Autoren thematisieren dies hier in ihren Beiträgen. Wie sieht es aber mit handfesten Vorteilen durch den Einsatz von Recyclingrohstoffen in der Industrie aus? Kann der Energieverbrauch verringert werden, wenn mehr Sekundärrohstoffe eingesetzt werden?

Welche Bedeutung haben Energie- und
Materialkosten in der Industrie?

In Diskussionen zur Energiewende hören und lesen wir immer wieder viel von der Belastung der Industrie durch steigende Energiepreise. Der Anstieg der Energiepreise in Deutschland belaste die internationale Wettbewerbsfähigkeit, heißt es in den Aussagen. Damit muss die Industrie sich eigentlich mehr mit der Effizienz des Energieeinsatzes beschäftigen, um die Gesamtkosten im Rahmen halten zu können.

Der Energieverbrauch der Industrie insgesamt ist in den letzten Jahren eher wieder angestiegen. Im Jahr 2013 hat die Industrie 733 Terrawattstunden Endenergie benötigt oder verbraucht, 2003 waren es noch 707 und 2008 719 TWh Endenergie. Der Sektor Industrie hat damit einen Anteil von 28 Prozent am Endenergieverbrauch (Quelle der Zahlen: Umweltbundesamt mit Bezug auf die AG Energiebilanzen).

Energieverbrauch in der Hälfte der Unternehmen
mehr als fünf Prozent der Gesamtkosten

Schwieriger wird die Suche nach dem Anteil der Energiekosten an den Produktions- oder Gesamtkosten in der Industrie. Diese Zahl könnte die Bedeutung des Energieverbrauchs an den Kosten im Unternehmen aufzeigen. Man spricht so von zwei bis drei Prozent im Maschinenbau, bei anderen Branchen kann der Anteil deutlich höher sein. Für kleine und mittlere Unternehmen habe ich Zahlen einer Umfrage der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz gefunden. Dort sagt über die Hälfte der Unternehmen, dass die Energiekosten mehr als fünf Prozent der ausmachen. In rund acht Prozent der Betriebe betragen die Energiekosten sogar mehr als 20 Prozent der gesamten Ausgaben. Dort sind die Energiekosten in der Tat ein wesentlicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Maßnahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs sind in diesen Branchen umso wirkungsvoller.

Hinzu kommen die Materialkosten, die in der Regel noch deutlich höher sind als die Energiekosten. Durch eine höhere Nachfrage auf dem Markt oder Verknappung der Rohstoffe steigen auch die Preise für das Material. Es besteht also auch im Materialeinsatz ein Interesse an geringeren Kosten.

Wie viel Energie kann mit Einsatz von
Recyclingwerkstoffen eingespart werden?

Bei der Verwendung von Reyclingrohstoffenrohstoffen entfällt die aufwendige Aufbereitung des Rohstoffs, auf der anderen Seite müssen die Rohstoffe sortenrein getrennt werden, damit sie wieder verwendet werden können. Lohnt sich der Aufwand für den Einsatz von Werkstoffen aus Recyclingmaterial aus energetischer Sicht?

Beispiel 1: Papier

Das berühmteste Beispiel für Recyclingwerkstoffe ist Papier, hier sind wir alle mal beim Kauf von Papier für den Drucker, für Kalender oder für Schulhefte etc. gefragt. Die Herstellung von Papier ist ein relativ energieintensiver Prozess, nach Angaben des Verbandes der Deutschen Papierfabriken trägt der Energieverbrauch bei der Papierherstellung rund zwölf Prozent zu den gesamten Herstellungskosten bei.

Durch die Nutzung von Produktionsreststoffen, Kraft-Wärme-Kopplung und anderen Effizienzmaßnahmen konnte der Energieverbrauch schon deutlich reduziert werden. Doch nach einer Studie des Heidelberger IFEU-Institutes aus dem Jahr 2006 ist der Energiebedarf für die Herstellung von Zellstoff aus Holz immer noch deutlich höher als der zur Aufbereitung von Altpapier. Nach den Angaben des Umweltinstitut München e.V. wird für die Herstellung von Recyclingpapier bis zu 60 Prozent weniger Energie benötigt als für Frischfaserpapier.

Beispiel 2: Glas

Ein weiteres Beispiel, das wir alle kennen, ist Glas. Bei Glas ist die Verwendung von Recyclingrohstoffen nicht so offensichtlich wie bei Papier, doch dessen Anteil ist durchaus bedeutend. Nach Angaben des Bundesverband Glasindustrie e.V. besteht heute jede Flasche im Schnitt zu 60 Prozent aus altem Glas. Je nach Farbe kann der Anteil auf bis zu 90 Prozent steigen. Der große Vorteil von Glas ist, es lässt sich zu 100 Prozent wieder verwenden und es kann beliebig oft eingeschmolzen werden.

Die Verwendung von alten Glasscherben wirkt sich positiv auf den Energieverbrauch im Schmelzvorgang aus, denn mit zehn Prozent Anteil Altglas reduziert sich der Energieverbrauch um drei Prozent (BV Glas). Bei einem Anteil von 60 bis 90 Prozent ergeben sich somit deutliche Energieeinsparungen.

Beispiel 3: Metall

Weniger bekannt ist die Wiederwendung von Metallen. Mit wachsender Nachfrage und steigenden Preisen für die Rohstoffe wird der Einsatz von Recyclingmetallen immer wichtiger für die Industrie. Hinzu kommt, dass die Metallschmelze sehr energieintensiv ist und die Energiekosten rund die Hälfte der gesamten Herstellungskosten betragen können.

Bei Aluminium ist das Recycling aus energetischer Sicht besonders interessant. Der Energieaufwand reduziert sich auf bis zu fünf Prozent im Vergleich zur Herstellung von Primäraluminium, nach Angaben der Aluminiumindustrie. Auch bei anderen Metallen wird bei der Verwendung von Recyclingmetallen deutlich weniger Energie benötigt.

Zusammenfassung

Diese Beispiele zeigen, dass Einsparung von Ressourcen mit der Einsparung von Energie einhergeht. In den gezeigten Fällen kann auch mit den Recyclingrohstoffen das Ausgangsprodukt wieder hergestellt werden, jedoch mit einem deutlich geringeren Energieeinsatz als mit den Rohstoffen, die sonst importiert werden müssen. Das Interesse der Industrie an Recycling müsste, zumindest in diesen Bereichen, vorhanden sein.

 

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    1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Kühl,
    dieses Thema interessiert uns sehr. Es wäre schön, wenn Sie in diesem Zusammenhang auch den Werkstoff Kunststoff beleuchten würden.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Dr. Bärbel Naderer
    Geschäftsführerin kunststoffland NRW e. V.

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