Interview mit Johanna Spinn, REMONDIS, zu den WERTSTOFFPROFIS

Gepostet von am 29. Feb 2016

Interview mit Johanna Spinn, REMONDIS, zu den WERTSTOFFPROFIS

„Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, das Wissen um die Wertstoffe in die Familien tragen.“ Johanna Spinn, Leitung Marketing/Unternehmenskommunikation bei REMONDIS und Leiterin des Bildungsprojektes „DIE WERTSTOFFPROFIS“

Wenn DIE WERTSTOFFPROFIS mit Theater Schule machen

Ich habe euch hier vor ein paar Tagen das Bildungsprojekt DIE WERTSTOFFPROFIS vorgestellt. Heute sitzt mir Johanna Spinn (32) gegenüber, die das Projekt leitet. Im Interview berichtet die Leitung Marketing/Unternehmenskommunikation bei Projektinitiator REMONDIS über Inhalte, bisherige Erfolge und aktuelle Aktivitäten der DIE WERTSTOFFPROFIS – und über zwei Preise, die das Projekt gerade erhielt.

Portrait Johann Spinn

Johanna Spinn / REMONDIS

Johanna Spinn, würden Sie uns bitte zunächst Ihr Unternehmen REMONDIS vorstellen!

Johanna Spinn: REMONDIS ist eins der weltweit größten privaten Dienstleistungsunternehmen für Recycling, Service und Wasser. Wir sind in 34 Ländern aktiv und haben mehr als 31.000 Mitarbeiter. Unser Jahresumsatz 2014 betrug 6,4 Milliarden Euro.

Welche konkreten Dienstleistungen verbergen sich hinter „Dienstleistungsunternehmen für Recycling, Service und Wasser“?

Johanna Spinn: Das Geschäftsfeld Recycling umfasst die Erfassung, Rücknahme, Sortierung und Aufbereitung beziehungsweise energetische Verwertung von Wertstoffen, kurz: die gesamte Wertstoffkette. Die Wertstoffe stammen sowohl von privaten Haushalten als auch von Gewerbe und Industrie. In unseren unternehmenseigenen Anlagen wird der „Abfall“ sortiert, aufbereitet und stofflich verwertet. Was stofflich nicht verwertbar ist, kommt in die energetische Verwertung.

Im Geschäftsbereich Wasser geht es um alle Facetten der Wasserwirtschaft, also um die Versorgung mit Wasser, die Rücknahme von Abwasser und dessen Reinigung, sprich: die (Wieder-)Gewinnung von Wasser. Im vergangenen Jahr zum Beispiel haben wir gemeinsam mit der HAMBURG WASSER eine Pilotanlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche in der Hansestadt gestartet, um zu zeigen, dass Phosphorrecycling im industriellen Maßstab sehr wohl laufen kann.

Unsere Services schließlich lassen sich in Industrieservices und Public Services einteilen. Der Bereich Industrieservices beinhaltet die Aufbereitung und Verwertung gefährlicher Abfälle sowie Services wie Industriereinigung, Flächenrecycling und anderes. Im Bereich Public Services kümmern wir uns mit verschiedenen Dienstleistungen wie Stadtpflege oder Sanierungsservices um den Bürger und die öffentliche Hand. Hier kommt aber auch unser Safety Truck, das REMONDIS-Schadstoffmobil, zum Einsatz.

Was waren die Gründe für REMONDIS, das Bildungsprojekt „DIE WERTSTOFFPROFIS“ ins Leben zu rufen?

Johanna Spinn: Das ist zum einen abfallhistorisch begründet: In den 1990er-Jahren ging die Einführung des Dualen Systems einher mit vielen Bildungsaktivitäten – von der Bildungswelle ist heute kaum mehr etwas zu spüren. Zum anderen wissen wir aus unseren Abfallanalysen, dass die privaten Haushalte ihren Müll immer schlechter trennen. Der Sortiereifer ist spürbar abgeflaut. Grund genug für uns, zu handeln. Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, das Wissen um die Wertstoffe in die Familien tragen. Deshalb gehen wir mit den DIE WERTSTOFFPROFIS in die Kindergärten und Schulen. Als größtes Recycling-Unternehmen des Landes übernehmen wir so unternehmerische Verantwortung.

Welchen Vorurteilen begegnen Sie?

Johanna Spinn: Zwei Vorurteile halten sich besonders hartnäckig. Das eine ist ein Klassiker: „Trennen lohne sich nicht, es lande eh alles in der Müllverbrennungsanlage.“ Das andere ist nicht minder haltlos: „Wir Entsorger hätten heutzutage so moderne Maschinen – die trennten alles von ganz allein  . . .“ DIE WERTSTOFFPROFIS klären darüber auf, dass beide Vorurteile nicht stimmen.

Welche Ziele verfolgen DIE WERTSTOFFPROFIS?

Johanna Spinn: Wer den Umgang mit Wertstoffen verändern will, muss sehen, wo das Ganze anfängt und wo jeder Einzelne seinen Beitrag zur Veränderung leisten kann. Aus unserer Sicht fängt Wertstoffwertschätzung mit der Wertstofftrennung zu Hause an. Wir Deutsche gelten zwar immer noch als Weltmeister in Sachen Recycling, aber andere Länder haben längst nachgezogen, wenn sie nicht sogar schon besser als wir sind. Wir wollen Bewusstsein für Wertstoffe schaffen, schon bei den Kleinsten – und das mit Spaß und Freude trotz des und gerade wegen des eher drögen Themas.

Was tun DIE WERTSTOFFPROFIS konkret, um Kinder zu WERTSTOFFPROFIS auszubilden?

Johanna Spinn: Angefangen hat alles 2012 mit unserem Brettspiel „DIE WERTSTOFFPROFIS“. Das haben wir bewusst als Brettspiel angelegt (und nicht etwa als Online-Spiel), um über unser Thema „Wertstoffe“ Familien an einen Tisch zu bringen, gemeinsam zu spielen und sich auszutauschen. (Das Lernspiel kann man bei DIE WERTSTOFFPROFIS online bestellen. Preis: 15 Euro – Anmerkung der Redaktion.)

2015 haben wir unsere Lernmaterialien für Kindergarten und Grundschule herausgebracht. Dieser Tage folgte das Material für die Sekundarstufe I.

Und dann ist da noch unser interaktives Lerntheater. Das machen wir seit 2013 gemeinsam mit unserem Partner, der Pädagogik, Schauspiel und unser Thema „Wertstoffe“ auf hohem Niveau verbindet und altersgerecht auf die Bühne bringt.

Wie kommt das Projekt an . . .

. . . bei den Kindern und Jugendlichen?

Johanna Spinn: Aus den Theateraufführungen strömen begeisterte Kinder, die etwas gelernt haben und dabei ganz viel Spaß hatten.

. . . bei den Erziehern und Lehrern?

Johanna Spinn: Das Feedback der Erzieher und Lehrer „sammeln“ wir zum Beispiel auf Messen wie der Bildungsmesse didacta: Als wir letztes Jahr in Hannover unser Lernmaterial der Öffentlichkeit präsentierten, wurde es uns förmlich aus den Händen gerissen. Kein Wunder, es gibt kaum Vergleichbares . . .

. . . bei den Eltern?

Johanna Spinn: Den Eltern begegnen wir WERTSTOFFPROFIS on Tour, beispielsweise beim Bürgerfest des Bundespräsidenten, wo wir bereits zweimal sein durften. Oder auf den NRW-Tagen in Düsseldorf. Viele Eltern sind von unserem Bildungsprojekt ebenso angetan wie ihre Kinder. Häufig lernen sie gemeinsam mit ihrem Nachwuchs noch viel Neues – denn Fakt ist: Zum Thema Wertstoffe gibt es immer noch große Wissenslücken bei den Verbrauchern.

Das Bildungsprojekt, sprich: die Lernmaterialien und das interaktive Lerntheater sind für die Kitas und Schulen kostenlos erhältlich. Wie rechnet sich das für Ihr Unternehmen?

Johanna Spinn: Wir sehen das als eine Investition in die Zukunft. Als unseren Beitrag, die Welt auch für zukünftige Generationen lebenswert zu erhalten beziehungsweise zu gestalten.

Haben Sie aktuelle Zahlen für uns: Welche Erfolge können DIE WERTSTOFFPROFIS bislang verbuchen?

Johanna Spinn: Seit der ersten Lerntheateraufführung im Jahr 2013 gab es mehr als 100 gebuchte Aufführungen. Das erste Halbjahr 2016 ist bereits ausgebucht, das zweite so gut wie. Die Zahl der versandten Lernmaterialien geht in die Tausende: Mehr als 6.000 Schülerarbeitshefte und mehr als 2.000 Mappen für Kitagruppen sind bislang von uns verschickt worden.

Das sind beeindruckende Zahlen, die für den Erfolg sprechen. Doch DIE WERTSTOFFPROFIS wurden auch ausgezeichnet, stimmt’s?

Johanna Spinn: Ja. Schon unser Brettspiel heimste den German Gift Award ein. Und das Bildungsprojekt als solches bekam gerade zwei Preise: Einmal zeichnete uns der Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung (auch Nachhaltigkeitsrat genannt – Anmerkung der Redaktion) gerade mit dem „Qualitätssiegel N“ aus, als eine/s von 100 richtungsweisenden Ideen und Projekten, die nachhaltiges Denken und Handeln im Alltag lebendig machen.

Außerdem hat uns die KlimaExpo.NRW als einen ihrer mindestens 1.000 Schritte in die Zukunft erklärt: Wir sind damit offiziell ein Schritt, „um Klimaschutz im Zeichen des gesellschaftlichen und technologischen Fortschritts voranzutreiben“.

Was bedeuten Ihnen die Auszeichnungen?

Johanna Spinn: Wie über die von unseren Lernmaterialien und Theateraufführungen begeisterten Kinder freuen wir uns auch über diese offizielle Anerkennung sehr. DIE WERTSTOFFPROFIS sind noch sehr jung. Wir sind innerhalb weniger Jahre quasi vom Brettspiel zu einem bundesweiten, ganzheitlichen Bildungsprojekt gewachsen. Das macht uns stolz und ist uns zugleich Ansporn, so weiter zu machen.

Apropos weitermachen: Was planen DIE WERTSTOFFPROFIS für das anstehende Jahr 2016?

Johanna Spinn: Wir haben auf der didacta in Köln unsere neuen Lernmaterialien für die Sekundarstufe I vorgestellt. Im Nachgang zur Messe wollen wir sie natürlich bundesweit bekannt(er) machen. Und mindestens 30 Lerntheateraufführungen stehen schon auf dem Programm . . .

Dann wünschen wir den DIE WERTSTOFFPROFIS viel Erfolg weiterhin! Und schreiben: Vielen Dank, liebe Johanna Spinn, dass Sie uns heute Rede und Antwort gestanden haben!

 

 

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