Wertstoffpotential: Was jetzt – 5 kg oder doch 95 kg?

Gepostet von am 28. Jul 2015

Wertstoffpotential: Was jetzt – 5 kg oder doch 95 kg?

5 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Das ist eine konkrete Menge, welche die Koalition in ihrem Eckpunktepapier für ein neues Wertstoffgesetz nennt. 5 Kilogramm mehr Wertstoffe pro Einwohner und Jahr sollen im Land erfasst werden. Ein Gutachten von INFA kommt zu dem Schluss, dass das Wertstoffpotential 95 Kilogramm pro Einwohner und Jahr beträgt. Wie kommt es zu dieser immensen Abweichung von Ziel und Potential?

Eckpunkte für ein neues Wertstoffgesetz

Die 5 Kilogramm zusätzliche Wertstofferfassung, von denen im Eckpunktepapier die Rede ist, ergeben sich schon alleine dadurch, dass die bestehende Produktverantwortung der Hersteller und Vertreiber für Verpackungen auf die stoffgleichen Nichtverpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbunden ausgeweitet wird. Was Zielwerte darüber hinaus betreffen, bleiben die Eckpunkte vage. „Die konkrete Höhe der Anforderungen sollte sich dabei am Stand der besten jeweils in der Praxis verfügbaren Technik orientieren und dynamisch gestaltet werden.“ Konkrete Zahlen nennt die Regierung keine. Die stehen dafür im INFA-Gutachten.

INFA-Gutachten

Die INFA GmbH hat aufgezeigt, wie viel Wertstoffe im Rest- und Sperrmüll versickern und Recyclingquoten errechnet, durch die mehr Glas, Kunststoffe, Metalle und andere Wertstoffe der Kreislaufwirtschaft erhalten bleiben. In der optimistischen Variante sind es 95 Kilogramm, die jeder Deutsche im Jahr mehr recyceln könnte. Aber wie kommt das Gutachten zu diesen Zahlen?

Potential hängt von Einwohnerdichte ab

Die Voraussetzungen sind für alle öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger verschieden. Die Abfallentsorgung läuft in einer Stadt anders ab als in einem kleinen Dorf, in dem jeder Haushalt seine eigenen Tonnen vorm Wohnsitz stehen hat. Um diesen Unterschieden gerecht zu werden, hat die INFA die Landkreise und kreisfreien Städte nach Einwohnerdichte in fünf Gruppen eingeteilt:

  • weniger als 150 Einwohner/km²
  • zwischen 150 und 500 E/km²
  • zwischen 500 und 1.000 E/km²
  • zwischen 1.000 und 2.000 E/km²
  • über 2.000 E/km².

Für jede dieser Gruppen wurde die noch abzuschöpfende Menge an Wertstoffen errechnet. Und zwar für jeden einzelnen Wertstofftyp (Glas, Altpapier, Altholz, Metalle, Kunststoffe, Bio- und Grünabfälle und Getränkekartons).

Mehr Wertstoffe erfassen und recyceln

Darauf aufbauend stellt die INFA in ihrem Gutachten zwei Varianten vor, um die Wertstoffe erfassen zu können. Diese zwei Lösungen bauen aufeinander auf. In der ersten Variante wird zu der momentan erfassten Wertstoffmenge lediglich das Wertstoffpotential hinzugerechnet, das derzeit noch im Rest- und Sperrmüll versickert.

Variante 1: Wertstoffpotentiale von Rest- und Sperrmüll heben

Es ist also kein menschenunmöglicher Kraftakt notwendig, um die Recyclingquoten zu steigern. Im Gegenteil: Es ist beachtlich, dass 25 – 50% der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger die Vorgaben der ersten Variante bereits erfüllen. Würden die anderen Entsorgungsträger nachziehen, könnten im Jahr 5,6 Millionen Tonnen mehr Wertstoffe erfasst werden. Das sind 70 Kilogramm pro Person.

Ambitioniertere Variante 2: zusätzlich 7,8 Millionen Tonnen Wertstoffe

Die zweite Variante orientiert sich an der Leistung der besten öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger. Das heißt: Der Sollwert der zu erfassenden Wertstoffe ist genau jener, der von 25% der öffentlichen Entsorgungsträger pro Gruppe überschritten wird. Ebenso wie die erste ist auch die zweite Variante kein utopisches Gedankenspiel. Die Vorgabe an zu erfassenden Wertstoffen ist nicht unermesslich hoch, denn die Besten erreichen sie schon. Das sind derzeit zwischen 20% – 30% der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger. Würden 100 Prozent die vorgegebene Marke erreichen, könnten im Jahr zusätzlich 7,8 Millionen Tonnen Wertstoffe erfasst werden. Das sind 95 Kilogramm Wertstoffpotential pro Person und Jahr.

Mutig und ambitioniert

Das Eckpunktepapier für das neue Wertstoffgesetz ist 4 Seiten kurz. Das ist kein Drama – schließlich sind es bloß Eckpunkte. Vieles muss noch konkretisiert werden. Und das INFA-Gutachten bietet eine gute Grundlage zum Definieren konkreter Ziele. Nebenbei: Die 95 Kilogramm an Wertstoffpotential pro Person wirken deutlich beeindruckender, als die 5 Kilogramm, die im Eckpunktepapier genannt werden. Diese 5 Kilogramm können als Minimum betrachtet werden. Selbst durch eine bis auf die Knochen abgespeckte Variante eines Wertstoffgesetzes können zusätzliche 5 Kilogramm an Wertstoffen pro Person und Jahr erfasst werden. Die 95 Kilogramm des INFA-Gutachtens zeigen, was durch ein mutiges und ambitioniertes Wertstoffgesetz möglich wäre.

 

Weitere Artikel zum Thema von Benjamin Kloiber:

RECYCLING SPART ENERGIE

MEHR RECYCLING – WENIGER TREIBHAUSGASE

RECYCLING – VON GELD UND GOLD UND KLIMASCHUTZ

 

Quellen:

http://wertstoffgesetz-fakten.de/infa-gutachten-recyclingquoten/

http://wertstoffgesetz-fakten.de/wp-content/uploads/INFA_Gutachten.pdf

http://wertstoffgesetz-fakten.de/wp-content/uploads/INFA_Kurzfassung.pdf

http://wertstoffgesetz-fakten.de/wp-content/uploads/2015/06/endfassung-eckpunkte-wertstoffg-120615.pdf

 

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.