KlimaExpo.NRW, Teil 3: Klimaquartier Wuppertal Arrenberg – Porträt eines Vorreiters

Gepostet von am 22. Jul 2016

KlimaExpo.NRW, Teil 3: Klimaquartier Wuppertal Arrenberg – Porträt eines Vorreiters

In unserer kleinen Reihe zur KlimaExpo.NRW geht es heute mit einem Vorreiter weiter. In der Themenwelt „Quartiere entwickeln“ wurde gerade das „Klimaquartier Wuppertal Arrenberg“ auf’s diesjährige Siegerpodest (3. Platz) gehoben. Grund genug, den Stadtteil mal näher in Augenschein zu nehmen.

Über den Stadtteil Wuppertal-Arrenberg

51° 14‘ 57‘‘ N; 7° 7‘ 57‘‘ O – das sind die Koordinaten, unter denen man den Wuppertaler Stadtteil Arrenberg findet. Auf 0,86 Quadratkilometern leben dort 140 Meter über dem Meeresspiegel (Normalnull, NN) gut fünfeinhalbtausend Menschen (Stand 31. 12. 2014: 5.567 laut Wikipedia).

Seinen Namen hat das Quartier vom Arrenberg, dem nördlichen Hang des Kiesbergs, der 282 Meter hoch ist und mit seinem Gegenüber, dem Nützenberg, das Tal der Wupper bildet.

Arrenberg ist ein klassisches Arbeiterviertel, das im Zuge der Industrialisierung seine typische Bebauung erfuhr: Kennzeichnend ist der Mix aus Fabrikantenvillen, Fabrikgebäuden und Arbeiterwohnungen. Der Stadtteil sei in die Jahre gekommen, hätte sich Jahrzehnte in einer Abwärtsspirale befunden. Wohl ein Grund, warum das Wohnen in Arrenberg noch bezahlbar sei, sagt der WDR in seinem Radio-Bericht.

Über die Villa Media – Epizentrum des Klimaquartiers

Die Bemühungen, das Abwärts des Stadtteils Arrenberg aufzuhalten und daraus ein Aufwärts zu machen, gehen von der VillaMedia aus: Ihr Geschäftsführer Jörg Heynkes zog dort vor 15 Jahren ein und machte aus dem alten Schlachthof, ein 4.000-Quadratmeter-Gebäudekomplex aus drei denkmalgeschützten Villen und dem ehemaligen Pförtnerhaus, einen Medienstandort. Heute beherbergt er unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbildes 15 Unternehmen aus der Event- und Kommunikationsbranche.

Projekt-Video der KlimaExpo.NRW zum Klimaquartier:

Im Jahr 2012 begann man, die VillaMedia energetisch zu sanieren – das angestrebte Ziel: der Energiestandard „EnergiePlus“. Im Zuge dessen wurden sechs Photovoltaikanlagen (Solarstrom) auf den Dächern der Gebäude installiert und zwei Blockheizkraftwerke (kurz: BHKW) in Betrieb genommen, darunter eines, das auf Brennstoffzellentechnologie basiert. Heute funktioniere die Eventlocation bereits zu 70 Prozent energieautark. Die Investition in die Haustechnik lohne sich laut Betreiber allemal, nach seinen Berechnungen amortisierten sich die Ausgaben in die erneuerbaren Energien nach sieben Jahren.

Den Überschuss an regenerativer Energie verbraucht die VillaMedia selbst, indem sie damit den elektrisch betriebenen Fuhrpark tankt: Weil es ideal wäre, dass die vier E-Autos als mobile Energiespeicher nutzbar wären, die bei Bedarf auch wieder Strom ans Gebäudenetz abgeben könnten, nimmt die VillaMedia an einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt teil, um die Forschung dahingehend zu unterstützen. Die elektrischen Fahrzeuge werden dabei als Teile eines smart vernetzten Energiesystems erprobt. Herrscht Stromüberschuss im Netz, werden sie geladen, braucht das Netz mal mehr Strom, können sie den liefern.

Jörg Heynkes: „Die VillaMedia zeigt, dass es möglich ist, Gebäude klimagerecht zu versorgen und auch die Mobilität nachhaltig zu gestalten. Die Technologien dafür sind vorhanden und es ist machbar. Man muss es einfach wollen und tun. Denn jeder ist Teil des Problems Klimawandel, kann aber auch Teil der Lösung werden.“

Über das Klimaquartier Arrenberg

Das insbesondere energetische Vorbild der VillaMedia macht Schule: Mittlerweile bündelt der 2008 ins Leben gerufene Verein „Aufbruch am Arrenberg e.V.“ die Bemühungen von Unternehmen, Immobilienbesitzern und engagierten Stadtteilbewohnern um ihr Quartier. 120 eingetragene Vereinsmitglieder gibt’s derzeit. Der Verein hat ein Stadtteilbüro eröffnet und führt verschiedene Bürgerprojekte durch.

Auf der Vereinsseite im Internet liest man das: „Der Verein hat in den letzten Jahren den Arrenberg von einer ,no-go-area‘ zu einem aufstrebenden Stadtteil verwandelt und mit der Vision ,Klimaquartier Arrenberg‘ eine bundesweit einmalige Zielsetzung formuliert und damit begonnen diese als ,Blaupause‘ für Wuppertal, NRW und die ganze BRD umzusetzen. … Der Arrenberg ist ein sogenanntes ,Reallabor‘ für gesellschaftlichen Wandel und Transformation. … Was bedeutet das? Es ist der Versuch, zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland oder vielleicht auch Europas, das gesamte Quartier einer Großstadt so zu transformieren, dass die Bewohner und Unternehmen ihr Leben klimaneutral gestalten. Die Vision klingt geradezu fabelhaft und natürlich erscheint es nicht realistisch, dieses in einem Zeitraum von 15 Jahren bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung das Ziel ausgegeben hat, dieses bis zum Jahr 2050 auf nationaler Ebene zu organisieren, dann wird klar, dass es am Ende alternativlos ist und damit am Arrenberg die Blaupause für das nationale Engagement entsteht.“

Und das sind einige der Teilprojekte des Klimaquartiers Arrenberg:

Der essbare Arrenberg

Hier geht es um foodsharing wider die Lebensmittelverschwendung. Auch urbanfarming ist ein Baustein.

Die Arrenbergfarm soll die erste komplette Farm inmitten einer deutschen Großstadt werden, um erstmals wieder „professionelle und relevante Landwirtschaft“ in der Stadt zu organisieren: „In Baulücken sollen Beete und Gewächshäuser entstehen und den Anliegern die Möglichkeit zum Anbau des eigenen Gemüses geben. Wer sieht wie seine Möhren wachsen, wird diese auch mit einem anderen Bewusstsein schätzen und verzehren. Intensive Kooperationen mit Kitas und Schulen sollen die Jüngsten unserer Gesellschaft in diese Prozesse mit einbeziehen. Derzeit entsteht ein erstes ,Solidarisches Landwirtschaftsprojekt‘, bei dem auf der Fläche eines ehemaligen Bauernhofes erstmals am Arrenberg die gemeinsame Bewirtschaftung von Landwirt und Bürgern organisiert wird. Märkte und Einkaufsgemeinschaften mit benachbarten Biohöfen befinden sich im Aufbau.“

Der mobile Arrenberg

Hier geht es um nachhaltige Mobilität (Stichwort: Schwarmmobilität), zum Beispiel in Form von smarten und klimaneutralen Sharingsystemen, die vernünftige Nahverkehrssysteme ergänzen.

Die Projektbroschüre zum Weiterlesen (PDF).

Dazu können wir nur eins sagen: Bravo! Das ist wahrlich ein innovativer Vorreiter! Und auch damit das Beispiel Schule macht, haben wir das Projekt hier ausführlich vorgestellt. Sharing is climate-caring!

 

Weiterer Artikel zum Thema:

VORSTELLUNG DER KLIMAEXPO.NRW, TEIL 1

KLIMAEXPO.NRW, TEIL 2: AUSGEZEICHNETE PROJEKTE 2016

 

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