Reparatur-Cafés aller Städte vernetzt Euch!

Gepostet von am 16. Feb 2017

Reparatur-Cafés aller Städte vernetzt Euch!

In meinem Ausblick auf dieses Upcycling-Jahr habe ich Upcycling eine Chance gegeben, aus der „Bastelecke“ herauszukommen und gesamtgesellschaftlich akzeptiert zu werden. Vorausgesetzt, es gelingt, ohne den Einsatz neuer Ressourcen upzucyceln. Heute zeige ich Euch – frei nach dem Motto unserer Zeit „Sharing is Caring“ – Beispiele dafür, wie engagierte Menschen hierzulande das Thema Upcycling angehen. Weitersagen erwünscht!

Das Netzwerk Reparatur-Initiativen

Unter der Internet-Adresse https://www.reparatur-initiativen.de/ findet ihr die Seite des Netzwerks Reparatur-Initiativen. In der Rubrik „Über uns“ schreibt das Netzwerk dort, dass es „ehrenamtlich organisierten Reparatur-Projekten Wissensaustausch mit anderen Initiativen“ biete und „als Anlaufstelle für Fragen rund um die

  • Gründung,
  • Organisation
  • und Durchführung

einer Reparatur-Initiative ansprechbar“ sei.

Daneben verhelfe das Netzwerk Reparaturinitiativen der Reparaturbewegung zu größerer medialer Sichtbarkeit. Die von anstiftung betriebene Koordinationsstelle berate und vernetze demnach nicht nur online beziehungsweise telefonisch, sondern auch auf (regionalen) Vernetzungstreffen im ganzen Bundesgebiet, um die Aktivisten auch im Real Life zusammenzubringen.

ReparaturiInitiativen seien unter anderem Veranstalter von

  • Reparaturtreffs,
  • Reparierbars,
  • Repair Cafés.

Veranstaltungen also, „bei denen defekte Alltagsgegenstände in angenehmer Atmosphäre gemeinschaftlich repariert werden: elektrische und mechanische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Textilien, Fahrräder, Spielzeug und andere Dinge.“ Wobei die Treffen nicht-kommerzielle Veranstaltungen seien, deren Ziel es sei, Müll zu vermeiden und Ressourcen zu sparen, um so die Umwelt zu schonen und nachhaltige Lebensweisen in der Praxis zu erproben.

Das Netzwerk betont, dass „gemeinsam reparieren“ nicht heiße: „kostenloser Reparaturservice“. Es heiße vielmehr „gemeinschaftlich organisierte Hilfe zur Selbsthilfe“. Hinter den Veranstaltungen stünden demnach ehrenamtlich engagierte Helfer und Reparierende, die ihr Wissen und Können

  • freiwillig
  • und unentgeltlich

zur Verfügung stellten, weil sie Interesse an Technik, Selbermachen und Werken hätten.

Als weitere Vorteile solcher Reparaturinitiativen nennt das Netzwerk, dass die Initiativen mit den Reparaturen

  • Obsoleszenzstrategien unterlaufen
  • sowie die Nutzungsdauer von Gebrauchsgütern verlängern

würden. Darüber hinaus könnten Interessierte und Tüftler dort Erfahrungen austauschen und eine gute Zeit miteinander verbringen. Daher seien Kaffee und Kuchen ebenso wichtiger Bestandteil der Veranstaltungen wie Schraubenzieher und Lötkolben. Denn die Veranstaltungen würden die nachbarschaftliche Kommunikation und gegenseitige Unterstützung stärken und dem Inter-Generationen-Dialog dienen.

Hierzulande koordiniere anstiftung das Netzwerk für Reparatur-Initiativen. Derzeit liege seien rund 600 Initiativen aktiv, weitere befänden sich in der Gründungsphase.

Meine Bewertung

Nach dem Aufruf der Internetseite des Netzwerk Reparatur-Initiativen springen einem zuallererst ein Kalender mit aktuellen Veranstaltungen sowie eine Karte ins Auge. Ich habe dort meine Stadt Hamburg eingegeben und mir wurden zwei Veranstaltungen für Februar sowie diverse Initiativen der Hansestadt angezeigt.

Per Klick auf eines der aufgezeigten Standortsymbole

wird der Name der zugehörigen Initiative angezeigt und man kann sich zu den von dieser auf der Plattform hinterlegten Infos durchklicken:

Eine feine Sache. Möchte-gern-Initiativen-Gründer finden unter der gleichnamigen Rubrik viele Infos. Mir gefällt die Plattform, weil sie Reparierende und Initiatoren zusammenbringt.

Die Schülerreparaturwerkstatt

Auf facebook stolperte ich dieser Tage über die Reparaturinitiative (die übrigens auch auf dem eben vorgestellten Netzwerk präsent ist) der Rudolf-Steiner-Schule München-Schwabing. Dort gibt es seit April 2016 das Unterrichtsangebot „Reparatur von defekten Geräten“. Über das Konzept dahinter lese ich auf der Internetseite der Schule, dass Schüler der 9. und 10 Klasse seit 2016 im Rahmen des Wahlpflichtfaches „Reparatur“ unter Anleitung Elektrogeräte, defekte oder beschädigte Möbel, Spielzeug oder Fahrräder reparieren und sie so vor dem Müll retten würden. Auch Defektes im und am Schulhaus soll repariert werden.

Die Schüler-Reparaturwerkstatt wolle „eine Alternative zum Wegwerfwahn erproben“. Beim gemeinsamen Reparieren mit ehrenamtlichen Experten könnten die Schüler die vermeintlichen Wunder der Technik entmystifizieren und ihre Mechanismen kennenlernen. Denn ein tiefes Verständnis erlange man, indem man ein Gerät öffne und versuche herauszufinden, wie oder warum es nicht mehr funktioniere, heißt es weiter. So verstünden die Schüler am besten die sie umgebende technische Welt, können sich so mit der Welt verbinden und Verantwortung übernehmen. Das Internet sei hier eine große Stütze: Gebrauchsanweisungen, Schaltpläne beziehungsweise Ersatzteile für die defekten Geräte könnten heruntergeladen beziehungsweise bestellt werden. Man erhalte aber auch Videoreparaturanleitung oder Tipps in Gesprächsforen.

Das Youtube-Video stellt die Schüler-Reparatur-Werkstatt näher vor:

Zwölf Schüler im Jugendalter würden in Zweierteams wöchentlich für jeweils anderthalb Stunden defekte Geräte reparieren. Für Holzarbeiten würden sie die Holzwerkstatt, für Reparaturen an elektrischen Geräten, an Fahrrädern und anderem gebe es neu geschaffene Arbeitsplätze in der Physiksammlung. Mit dem Hausmeister reparierten die Schüler im Schulgebäude. Repariert würde alles, was Kunden während der Öffnungszeit der Reparaturwerkstatt einliefern. Man könne sein defektes Gerät per E-Mail anmelden und erhalte dann eine Mitteilung, ob und wann man das Gerät in die Schule bringen könne. Im Falle, dass Ersatzteile benötigt würden, würde die Schülerreparaturwerkstatt einen über die Kosten informieren, und man könne sich dann entscheiden, ob man die Reparatur wünsche. Andere Kosten fielen demnach nicht an.

Meine Bewertung:

Große Klasse! Die Münchner Schule sollte Beispiel machen! Mir gefällt, dass die Schülerreparaturwerkstatt in der Schule angekommen ist. So wird Reparieren selbstverständlich und alltäglich – zwei Attribute, die viele heute dem Reparieren nicht mehr zuschreiben. Zeit das zu ändern!

Nachtrag: Im Kindergarten meiner Nr. 4 zerlegen die Kids gerade ausgediente Elektrogeräte wie CD-Spieler und Co. Als ich heute zum Abholen kam und durch die Scheiben lugte, sah ich mit Werkzeugen hantierende Jungs und Mädels, die sich über das Innenleben der Geräte hermachten und ihre Handfertigkeit im Umgang mit Schraubendreher und Zange übten. Es geht los, überall. Reparieren kommt wieder – ich sag’s euch!

 

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