#International: So recycelt die Welt – oder eben nicht!

Gepostet von am 18. Aug 2015

#International: So recycelt die Welt – oder eben nicht!

Glas, Papier, Metall, Kunststoff: Nachdem wir sie gebraucht haben, wandern sie in den Müll. Doch dort sollten sie nicht bleiben. Sie sind Wertstoffe – bereit, wiederverwertet zu werden. Daher wird zurzeit an einem Wertstoffgesetz gearbeitet, das die Recyclingquoten anheben soll. Dies ist auch nötig, da jeder Metallklumpen, der nicht recycelt wird, der Umwelt schadet. Und die Rede ist nicht von bloß einem Metallklumpen. Es sind rund acht Millionen Tonnen an Wertstoffen, die im deutschen Haushaltsabfall versickern.

Durch ein ambitioniertes Wertstoffgesetz können der Abfall und infolge der Treibhausgasausstoß reduziert werden. Bei der Diskussion um ein neues Wertstoffgesetz geht es aber bloß um den deutschen Abfall. Treibhausgase, welche die Ozonschicht angreifen, sind jedoch kein nationales Problem. Grund genug, einen Blick über die Grenzen hinauszuwerfen. Wie wird in Europa und anderswo auf der Welt recycelt?

So recycelt Europa

In Deutschland steht ein neues Wertstoffgesetz in den Startlöchern, das die Recyclingquote steigern soll. Neben nationalen Zielen, wie der Reduzierung von Treibhausgasemissionen bis 2020, ist auch die Abfallrichtlinie der EU ein starker Antrieb in der Sache. Das Europäische Parlament und die zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten haben sich im Jahr 2008 darauf geeinigt, dass ab dem Jahr 2015 die Wertstoffe Papier, Metalle, Kunststoffe, Glas und Bio- und Grünabfälle getrennt gesammelt werden müssen.

Das langfristige Ziel ist, bis 2020 EU-weit zumindest die Hälfte des Siedlungsabfalls zu recyceln. Momentan sind es rund 41 Prozent. In einzelnen Ländern – darunter Österreich – ist die Quote gar rückläufig. Um das Ziel einer Recyclingquote von 50 Prozent zu erreichen, müssen sich noch viele EU-Länder zu einer umweltfreundlichen Abfallwirtschaft bekennen. Das heißt: neue Gesetze müssen her.

Kreislaufwirtschaft muss warten

In diesem Sinne ist nicht einzusehen, warum EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Pläne für eine umfassende Kreislaufwirtschaft noch im März diesen Jahres ad acta gelegt hat. Zuerst müsse die Wirtschaft angekurbelt werden, heißt es. Die Kommission glaubt also, ihre Prioritäten pro Wirtschaft gesetzt zu haben. Doch das ist sehr kurzsichtig gedacht. Das langfristige Ziel wäre gewesen, den nicht wiederverwertbaren Abfall komplett zu beseitigen. Die Reformen hätten nicht nur den Treibhausgasausstoß reduziert, sondern auch hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Und diese könnte man in der EU zurzeit brauchen.

Zero Waste in Schweden?

Einen recht eigenwilligen Zugang zum Recycling pflegt Schweden. Dort prahlt die Regierung mit einer Recyclingquote von 99 Prozent. Allerdings zählen die Schweden auch das Verbrennen von Abfall dazu. Tatsächlich wird bloß knapp die Hälfte der Wertstoffe wiederaufbereitet. Das sind weniger als in Deutschland oder Österreich.

Es wird also eine Hälfte des Abfalls verbrannt, die andere wird wiederaufbereitet. Und in der Hälfte, die verbrannt wird, befinden sich auch nicht erfasste Wertstoffe. Aber immerhin: Durch die Müllverbrennungsanlagen, entstehen weniger Umweltschäden, als durch Deponien. Und das emittierte CO2 greift die Atmosphäre weit weniger an, als jenes, das durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe entsteht.

Außerdem haben es die Schweden geschafft, so wenig Abfall zu produzieren, dass sie ihn importieren müssen, um ihre 32 Verbrennungsanlagen „am Laufen“ zu halten. Obwohl das Land beim klassischen Recycling von Wertstoffen viel Luft nach oben hat, bietet der schwedische Hunger nach Abfällen eine Perspektive. Denn nach wie vor wird im EU-Raum Siedlungsmüll deponiert – in Rumänien gar sämtlicher Abfall von Haushalten.

Die ökologischen Vorteile überwiegen bei Weitem bei der Wiederaufbereitung von Wertstoffen. Auch der Ressourcenverschwendung schiebt es einen Riegel vor. Doch die wenigsten EU-Länder haben in diese Richtung ambitionierte Initiativen gesetzt. Und bevor der Müll auf Deponien landet, ist es besser, man erzeugt Energie. Bislang importiert Schweden seine Abfälle vor allem aus Norwegen, Irland, Italien und Großbritannien.

Großbritannien entdeckt Recycling

Obwohl die Briten immer noch beinahe die Hälfte ihrer Siedlungsabfälle deponieren, haben sie in den letzten 15 Jahren gezeigt, wie rasch eine Recyclingquote steigen kann, wenn ambitionierte Reformen durchgeführt werden. Lag die Recyclingquote im Jahr 2001 noch bei zwölf Prozent, liegt sie nun bei rund 40 Prozent.

2012 beschloss die britische Regierung sich den Verpackungsabfällen anzunehmen. Diese machen immerhin 20 Prozent des gesamten Haushaltsabfalls aus. Indem Unternehmen in die Pflicht genommen werden, soll die Recyclingquote von Aluminium bis 2017 jährlich um drei Prozentpunkte steigen. Die Quote von Plastik um fünf und von Stahl um einen Prozentpunkt.

Zero Waste in San Francisco

In den USA liegt die Recyclingquote bei 35 Prozent. Da keine nationalen Gesetze die Wiederaufbereitung von Wertstoffen regeln, müssen Staaten und die lokalen Verwaltungen Initiative ergreifen. Die Stadt San Francisco hat sich hohe Ziele gesteckt. Bis 2020 soll die Stadt „müllfrei“ sein. Mit Zero Waste meint man dort: Abfall soweit vermeiden oder wiederaufbereiten, dass nichts deponiert oder verbrannt werden muss. Die Definition ist demnach eine völlig andere als in Schweden, wo Müllverbrennung die Norm statt der Ausnahme darstellt.

San Francisco setzt auf selbstständige Abfalltrennung. Es gibt verschiedenfarbige Tonnen, umfangreiche Informationen für die Bürger und Abfallinspektoren. Job der Inspektoren ist es, morgens und abends die Tonnen zu untersuchen und zu kontrollieren, ob der Abfall ordnungsgemäß entsorgt wurde. Finden die Inspektoren eine Dose in der falschen Tonne, wird das sofort notiert und in eine Datenbank übertragen. Später wird der Übeltäter davon in Kenntnis gesetzt.

Ob es an Big Brother, den Informationen oder am generellen Umdenken der Bürger liegt, sei dahingestellt. Aber San Francisco ist auf einem guten Weg: 77 Prozent des Mülls werden schon recycelt. Eine Rate von der Europa noch träumen darf.

 

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Quellen:

Recycling und Rohstoffe, Band 7 (VIVIS Verlag)

https://sweden.se/nature/the-swedish-recycling-revolution/

http://green.wiwo.de/kampf-dem-muell-schweden-will-keinen-abfall-mehr-produzieren/

https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/82437/packaging-ia-120321.pdf

http://www.c40.org/case_studies/zero-waste-program

http://www.sfenvironment.org/zero-waste/overview/zero-waste-faq

http://www.citylab.com/politics/2013/04/san-franciscos-trash-inspectors-get-earlier-you-do/5191/

http://www.3sat.de/page/?source=/boerse/magazin/178745/index.html

    1 Kommentar

  1. Bitte um Hilfe
    Wir sind eine3 Gruppe und versuchen für Teheran einen Müllverbrenungsanlage herzustellen.Dafür brauchen wir
    nützliche Literatur ,Filmen,Werbungsmaterial um den Menschen zu überzeugen,weniger Müll zu produzieren.

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