Recycling als Konzept – gelernt von klein auf an

Gepostet von am 17. Mai 2016

Recycling als Konzept – gelernt von klein auf an

Wer will, dass ein Konzept wie Recycling sich in der Gesellschaft als selbstverständlich etabliert, wird es schwer haben, dies allein per Gesetz durchzusetzen. Ich baue auf die Macht der Gewohnheit und gewöhne meinem Nachwuchs von Kindesbeinen an, zu recyceln.

Keine Frage, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Forscher haben inzwischen eine Menge darüber herausgefunden, wie wir so ticken. Gewohnheiten spielen eine wichtige Rolle in unser aller Leben. Sie navigieren uns durch dessen Höhen und (Un-)tiefen. Sie sind die Leine, an der wir uns durchs Leben hangeln. Die Zeit schreibt hier, dass das Gehirn ohne Gewohnheiten von den Details des Alltags überfordert wäre. Und weiter heißt es dort, dass Gewohnheiten einerseits eine Art Trick seien, um Energie zu sparen, der es uns andererseits zugleich erschwere, unser zur Gewohnheit gewordenes Verhalten zu ändern. Den Grund dafür nennt die Zeit auch: Wir könnten demnach den Bereich des Gehirns nicht bewusst kontrollieren, in dem die Steuerung für gewohnheitsmäßiges Verhalten stattfinde.

Wann wird Handeln zu gewohntem Handeln?

Wie aber wird ein Handeln zur Gewohnheit? Auch das wissen die Forscher laut dem Bericht in der Zeit heute: Gemäß einem klassischen Lernprozess, der eine „Wechselwirkung zwischen auslösendem Reiz, Routinehandlung und Belohnung“ darstellt. Oft genug wiederholt, fresse sich der Handlungspfad als Abfolge von Auslösereiz, Handlung und Belohnung tief in das Gehirn und werde so zur Routine, zur Gewohnheit. Wobei eine Belohnung das durch den Reiz ausgelöste Verhalten verstärke. Nur ein Beispiel: Laut aktuellem Forschungsstand zu Essgewohnheiten dauere es mindestens drei Jahre, bis sich neue Routinen stabilisiert hätten.

Vererbungslehre in Sachen Gewohnheit

Ich habe in meinen vier Kindern vier heranwachsende Menschen, an denen ich Tag für Tag sehe, wie sie sich wegen der Vorbildwirkung meiner selbst von mir wertgeschätzte (und selbstverständlich auch die weniger geliebten) Routinen zu eigen machen – oder auch nicht. Ich erlebe mit meinen Kids tagtäglich, wie viele Wiederholungen eine Handlung braucht, bis sie sich als Gewohnheit manifestiert hat. Und wie schwer es ist, ihnen in meinen Augen „weniger wertvolle“ Angewohnheiten wieder abzugewöhnen. Da hilft es wenig, von den Vorzügen einer Gewohnheit zu reden, das lässt die Kids kalt. (Zu Recht wohlbemerkt: Es sind ja Kinder!) Sie müssen die Stabilität erst noch schätzen lernen, die Gewohnheiten uns bringen.

Und auch die Nachteile, die Gewohnheiten uns bringen, sind für die Kinder meist (noch) nicht greifbar: Zum Beispiel, dass sie uns in unserer Wahrnehmung beschränken und wir wegen ihnen in gewisser Weise in der Routine festhängen. Eine Menge Flexibilität gehe uns so verloren, sagen die Forscher.

Recycling als Gewohnheit? Recycling als Gewohnheit!

Warum tische ich euch hier so viel Psychologie auf? Weil ich meine, dass ein Konzept wie Recycling nur dann Erfolg haben wird, wenn wir es uns zur Gewohnheit machen. Und das, darauf deuten die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Gewohnheit hin, funktioniert leichter, wenn wir es von Vornherein als wertvolle Routine lernen, anstatt später als neue Routine, die ein „Fehlverhalten“ ersetzen soll, einstudieren. Zugleich gilt, dass es leichter ist, eine neue Gewohnheit zu etablieren, als eine alte abzulegen.

Wie wird man eine Gewohnheit los?

Dazu müssen wir noch einen genaueren Blick auf den Prozess werfen, der ablaufen muss, um eine Gewohnheit zu ändern. Nach heutigem Forschungsstand verknüpfen wir Situationen stark mit Handlungen. Daraus schlussfolgern die Forscher, dass derjenige, der sein Verhalten ändern wolle, den Kontext ändern müsse. Sei das nicht möglich, müsse der Reiz mit einer neuen Handlung verknüpft werden. Das setze voraus, dass man es schaffe, ein Verlangen nach der neuen Handlung zu wecken, was wiederum voraussetze, zu wissen, warum es einen überhaupt nach der zu verändernden Handlung verlange.

Kann ein Wertstoffgesetz helfen?

Druck von außen helfe laut der Wissenschaft dabei, gewohntes Handeln zu ändern. Denn als soziales Wesen habe jedes Tun und Lassen eines Menschen eine soziale Komponente. Ich schließe daraus einerseits, dass ich auf dem richtigen Weg bin: Mein eigenes Verhalten in Bezug auf Recycling habe ich geändert. Bei den Kindern versuche ich, wertstoffschätzendes Verhalten wie Recycling von Beginn an zu etablieren, was mir, dank der voraus gegangenen eigenen Verhaltensänderung (Vorbildwirkung) besser gelingt. Freuen tue ich mich dabei über Ergebnisse, die davon zeugen, dass den Kindern inzwischen so manches zur Routine geworden ist. Grund zur Freude bieten mir aber auch Begegnungen mit anderen Gewohnheitstieren, die Recycling wie ich zu schätzen gelernt haben und/oder ihre Wertschätzung dessen an andere weitergeben. Andererseits bedeutet die Tatsache, dass Druck von außen dem Etablieren eines gewohnheitsmäßigen Recyclings in jedem Einzelnen von uns und damit als gesellschaftsfähiges Konzept durchaus dienlich ist, dass ein Gesetz wie das ausstehende Wertstoffgesetz, das Recycling zur anerkannten Norm erhebt, ebenso hilft.

Von einander lernen

Ganz wichtig: Ich weiß sehr wohl von der sozialen Bedeutung, die hinter „Gleich und Gleich gesellt sich gern!“ steckt. Natürlich findet Recycling in meinem sozialen Umfeld Zuspruch, „meine Welt“ ist ganz klar eine grüne. Doch gerade deshalb, weil ich weiß, das es neben meiner grünen Welt jede Menge andere gibt, ist es mir umso wichtiger, dass Konzept Recycling auf allen möglichen Ebenen zu stärken. Gutes Beispiel muss hier Schule, ach, was schreibe ich!, Krippe und Kindergarten machen. Denn auch das habe ich als Mutter schon gelernt: So manches, was die Kids von draußen (Werte der Erzieher, Lehrer, Trainer, Freunde, Eltern der Freunde) heimbringen, ist es wert, auch von mir geschätzt zu werden. In diesem Sinne freue ich mich, wenn mein Grün abfärbt und ich mir hier und da eine Farbe ins Leben holen kann. Was meint ihr: Können wir uns so ans Recycling gewöhnen?

 

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