Recycling – lohnt sich privates Engagement?

Gepostet von am 17. Jun 2016

Recycling – lohnt sich privates Engagement?

Es gibt so viele Menschen, die in den verschiedensten Ecken dieser Welt etwas tun, um den von Menschenhand verschuldeten Klimawandel aufzuhalten. Und auch wenn Wissenschaftler wie Dr. Ottmar Edenhofer sagen, dass das private Engagement kaum etwas ausmache, solange Politik und Wirtschaft nicht geschlossen nachzögen, machen diese Menschen weiter. Lest hier von ihren nachahmenswerten Initiativen.

Einer, der die Antwort auf die eingangs gestellte Frage wissen könnte, weil er Klimaforscher ist und sich auch damit beschäftigt, wie wir Menschen zum Klimawandeln bewegt werden können, ist Prof. Dr. Ottmar Edenhofer. Der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Lehrstuhlinhaber für die „Ökonomie des Klimawandels“ an der Technischen Universität Berlin sagte dieser Tage gegenüber dem Bayrischen Rundfunk (BR) nicht nur, dass wir uns mitten im Klimawandel befänden, sondern auch das:

„Ich kenne viele Leute, die bereit sind, für den Klimawandel ihren Lebensstil zu verändern. Die entscheidende Frage ist: Führen denn die vielen kleinen Schritte, die Menschen bereit sind zu unternehmen, dazu, dass am Ende die Emissionen sinken? Und die bittere Tatsache ist, dass eben die verschiedenen, kleinen, individuellen Beiträge sich nicht aufsummieren zu einer nachhaltigen Emissionsreduktion. Und deswegen glaube ich, dass wir mit Lebensstilveränderung, mit individuellen Beiträgen nur dann weiterkommen, wenn wir die politischen Rahmenbedingungen so verändern, dass am Ende dann der individuelle Beitrag sich aufaddiert zu einer substanziellen Reduktion von Emissionen.“

So, da steht es schwarz auf weiß: Mein privates Bemühen um Klima und Umwelt kann demnach den Klimawandel nicht aufhalten. Selbst wenn viele von euch mitmachen, denen die Reduzierung der klimaschädigenden Emissionen alltägliches Handlungsmotiv ist, reicht es nicht, solange wir von Politik und Wirtschaft beim Aufhalten des Klimawandels hängengelassen werden.

Das darf natürlich keiner von uns als Ausrede dafür nehmen, im Bemühen nachzulassen. Ich glaube fest daran, dass wir nur den einen Weg haben. Und ich weiß, dass es Vorläufer braucht, die den Weg weisen. Und deshalb habe ich hier einige spannende Recycling-Projekte zusammengesucht, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sich einem auftuen, wenn man sich auf Recycling & Co. einlässt. Es braucht immer nur einen, der die Idee hat und sie umsetzt. Einen, der uns inspiriert, mitzumachen. Doch schaut selbst – macht mit, macht’s nach, macht’s besser!

Blattrecycling

Leef – Geschirr aus Palmblättern

Die Gründer Claudio Fritz-Vietta & Marcel Frank sagen, dass sie auf einer Indienreise den lokalen Brauch entdeckten, getrocknete Palmblätter als Teller zu verwenden. Da sie sofort begriffen hätten, welchen Beitrag zu einer besseren Welt ein solches Produkt leisten könnte, wenn es langfristig gelänge, herkömmliche Plastikteller zu ersetzen, hängten sie ihre Jobs als Industriedesigner und Retail-Manager an den Nagel, kehrten nach Indien zurück und organisierten dort eine lokale Produktion in Kooperation mit örtlichen Kleinbauern und Kleinunternehmern. Sie gründeten Leef, um dann endlich die Revolution der Teller nach Deutschland zu tragen. Über eine Crowdfunding-Aktion hätten sie den ersten Container mit Palmblatttellern finanziert, mit dem sie die Produktion starteten, die bis heute andauere und ständig wachse.

Mehr Infos: http://www.leef.is

leaf republic – Picknick- und Outdoorgeschirr aus Laubblättern

Die Verpackungen bestehen aus einem Bio- oder Recycling-Kunststoff-Deckel und einer mehrschichtigen Naturschale aus Laubblättern, wasserfestem Laubpapier und wieder Laubblättern. Keine synthetischen Zusätze, keine Farbe, kein Kleber – und kein Baum wurde gefällt! Die Schale ist zudem biologisch abbaubar in gerade einmal 28 Tagen.

Mehr Infos: http://leaf-republic.com/language/de/

Ananasrecycling

Ananas Anam – Leder aus Ananasblättern

Das Start-up Ananas Anam aus Großbritannien hat eine vegane Alternative zu tierischem Leder entwickelt. Entdeckt hatte die spanische Designerin Carmen Hijosa auf den Philippinen, dass sich die Fasern aus Ananasblättern, die für gewöhnlich bei der Ernte übrig bleiben, zu Leder verarbeiten lassen. Wie das geht, zeigt die Designerin hier in einer Grafik. Das Naturleder Piñatex („Piña“ ist das spanische Wort für Ananas) ist nach sieben Jahren Entwicklung jetzt ein Rohstoff, den Ananas Anam heute in verschiedenen Farben, Stärken und Ausführungen anbietet. Daraus werden inzwischen Schuhe, Taschen, Bezüge für Stühle und Sofas und Verkleidungen für Kfz-Innenräume gemacht

Mehr Infos: http://www.ananas-anam.com/

Meeresmüllrecycling

Ocean Sole – Gummitiere aus angeschwemmten Flip-Flops

In Afrika sammeln rund 100 Kenianer am Meeresstrand für eine Recycling-Initiative (Ocean Sole Flip-Flop Recycling) Müll (der werde Großteils recycelt), darunter jährlich 400.000 angeschwemmte Flip-Flops, aus denen in der Hauptstadt Nairobi entzückend bunte Tiere geschnitzt werden. Die verkauft man vor Ort, insbesondere an Touristen, und exportiert sie, zum Beispiel nach Europa oder in die USA. Sogar der Papst hat schon eins bekommen! Laut der Tagesschau, die das Projekt dieser Tage auf ihrer FB-Seite in einem Video vorstellte, gehe ein Teil des Erlöses an ein Meeresschutzprogramm. Die Wochenzeitung Die Zeit hat schon 2013 hier eine Bildergalerie zur Initiative bereitgestellt.

Mehr Infos: http://ocean-sole.com/

RAW fort he Oceans – Hochleistungsgarn aus angeschwemmten Plastikmüll

Die Non-Profit-Organisation Parley fort he Oceans, das Unternehmen Bionic Yarn und Jeanshersteller G-Star aus den Niederlanden nutzen Kunststoffmüll aus dem Meer, vor allem PET-Flaschen, um daraus Hochleistungsgarne für Textilien zu recyceln. Die setzt G-Star in seinen Kollektionen ein. Der an Stränden angeschwemmte und gesammelte Kunststoff wird dazu geschreddert und mittels einer sogenannten Strangpresse zu einer Faser verarbeitet. Die wird anschließend mit Baumwolle ummantelt. Im Ergebnis spare man so etwa ein Drittel Baumwolle, um Textilien herzustellen. Gut zu wissen: Gesicht der Kampagne, Kreativdirektor und Anteilseigner (30 Prozent) von Bionic Yarn ist der Musiker Pharrell Williams.

Mehr Infos: http://rawfortheoceans.g-star.com/

Abfallrecycling

Recycled Orchestra – Musikinstrumente aus Abfall

Favio Chávez ist der Leiter des Recycled Orchestra in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays. Die Mitglieder des Orchesters, allesamt Slum-Kids, spielen laut einem Bericht der Wirtschaftswoche auf Instrumenten, die sie ausschließlich selbst aus Müll zusammengebaut haben: „Kontrabässe und Celli aus alten Ölfässern, eine Querflöte aus einem Wasserrohr und Geigen aus Konservendosen. Abfall wird zu Klangkörpern.“

Mehr Infos: http://www.recycledorchestracateura.com/

 

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