Thermische Verwertung von Abfällen – ein Beitrag zum Klimaschutz?

Gepostet von am 26. Mai 2016

Thermische Verwertung von Abfällen – ein Beitrag zum Klimaschutz?

Es gibt sehr viele Arten der Nutzung von Abfällen, von der Wiederverwendung über das Upcycling bis hin zur Deponierung. Auch die Müllverbrennung oder die thermische Verwertung gehören dazu, wenn sich keine bessere Lösung anbietet.

Ist das umgangssprachliche Wort Müllverbrennung eine thermische oder energetische Verwertung von Abfällen, wenn die daraus entstehende Wärme zur Wärmeversorgung und/oder Stromerzeugung genutzt wird?

Eine reine Müllverbrennungsanlage ist eine thermische Verwertung von Abfällen, die das Nebenprodukt Wärme für die Fernwärmeversorgung und zur Stromerzeugung nutzt. Bei der energetischen Verwertung hingegen werden Abfälle mit hohem Heizwert als ein Ersatzbrennstoff  für fossile Brennstoffe genutzt, z. B. in Zementwerken. Somit werden weniger fossile Brennstoffe durch die energetische Verwertung benötigt.

Beitrag der Müllverbrennung zur Energieversorgung

Laut Umweltbundesamt ist die thermische Abfallbehandlung eine der tragenden Säulen der Abfallentsorgung in Deutschland. In der Regel wird die beim Verbrennen freigesetzte Energie genutzt und als elektrische Energie, Wärme oder Prozessdampf abgegeben. Es gibt derzeit 68 Siedlungsabfallverbrennungs-anlagen mit einer Jahreskapazität von circa 19,6 Millionen Tonnen. Der erzeugte Strom wird in der Statistik den sonstigen Stromerzeugern zugeordnet (5,2 Prozent), jedoch nicht separat statistisch erfasst.

Die Effizienz der Verbrennung ist ähnlich der der klassischen Verbrennungskraftwerke und beträgt im Durchschnitt 50 Prozent. Werden Strom und Wärme oder Kälte genutzt, dann fällt die Effizienz deutlich höher aus.

70 Anlagen zur Müllverbrennung in Deutschland

Die Menge der erzeugten Energie durch die thermische Abfallbehandlung klingt enorm. 2009 haben 70 Anlagen, nach Angaben des Verband Kommunaler Unternehmen e.V. (VKU), 14 Terrawattstunden Wärme oder Kälte und sechs Terrawattstunden Strom geliefert. Diese Menge reicht aus um über drei Millionen Menschen mit Strom und zwei Millionen Menschen mit Raumwärme zu versorgen.

Um diese große Menge Energie zu erzeugen, wurden 45 Millionen Tonnen von Abfall aus allen Wirtschaftsbereichen, inklusive Haushalten, thermisch behandelt. Das waren ca. 12,5 Prozent des gesamten Abfalls. In den Kommunen wurden 37 Millionen Tonnen Siedlungsabfall gesammelt, fast die Hälfte davon (44 Prozent) wurde thermisch behandelt, so der VKU.

So verschwindet eine nicht unerhebliche Menge an Abfall aus unseren Augen scheinbar frei von Rückständen. Was bei der Verbrennung übrig bleibt, wird in anderen Bereichen weiter genutzt. So werden Rostaschen im Straßen und Wegebau verwendet. Eisen und Nicht-Eisen-Metalle werden aus der Schlacke zurückgewonnen und stofflich verwertet.

Recycling leistet größeren Beitrag zum Klimaschutz als thermische Verwertung

Auch für den Klimaschutz klingt die thermische Verwertung des Abfalls positiv. Denn es konnten durch die Verbrennung Deponien geschlossen und somit Methanemissionen vermieden werden. Daneben werden weniger fossile Energien für die Strom- und Wärmeerzeugung benötigt, was wieder gut für den Klimaschutz ist.

Allerdings ist die Verbrennung auf Kunststoffen auf Erdölbasis in Grundlastkraftwerken auch mit CO2-Emissionen und damit mit einer Belastung für das Klima verbunden. Durch Recycling von Reststoffen können hingegen Primärrohstoffe eingespart werden und die CO2-Emissionen durch die Verbrennung wird vermieden – ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz.

Harter Wettbewerb von Recyclingwirtschaft und Müllverbrennung

Doch auch wenn Recycling und thermische Verwertung oft als Partner genannt werden, sie stehen beide im Wettbewerb miteinander. In beiden Branchen werden die Rohstoffe benötigt. Damit die Müllverbrennungsanlagen ausgelastet sind, werden nicht nur Abfälle importiert, es findet auch ein Preiskampf um Abfälle statt. Dies geht zulasten der mittelständischen Recyclingwirtschaft, denn es wird von den Betreibern der Müllverbrennungsanlage (MVA) oft mehr gezahlt, als die Recyclingunternehmen bezahlen können.

Unflexible Müllverbrennung passt nicht zur Energiewende

Auch aus energetischer Sicht sind Müllverbrennungsanlagen kein Beitrag zu einer modernen Energieversorgung in Zeiten der Energiewende. Es ist aber nicht der Heizwert der Abfälle, der mit acht bis 13.000 kJ/kg im Bereich der Rohbraunkohle liegt, aber nur bei einem Drittel des Werts von Steinkohle, die das Problem darstellt. Es ist vielmehr die fehlende Flexibilität der Kraftwerke, die das Öko-Institut in 2014 bemängelt hat. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien werden keine oder nur noch wenige Grundlastkraftwerke für die Stromerzeugung benötigt. Stattdessen brauchen wir flexible Reservekraftwerke, die einspringen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.

Reststoffe, die verbrannt werden sollen, müssen daher künftig besser aufbereitet und für eine flexible Verbrennung gelagert werden. Es sollten auch nur noch die schadstoffhaltigen Abfälle, die nicht anderweitig verwertet werden können, durch thermische Verwertung beseitigt werden, so das Öko-Institut.

 

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