Woher unsere Rohstoffe stammen – Die Rolle von Afrika

Gepostet von am 20. Sep 2016

Woher unsere Rohstoffe stammen – Die Rolle von Afrika

Wissen Sie, welche Rohstoffe in Ihren Elektrogeräten stecken? Eine rhetorische Frage, denn wenn Sie ein durchschnittlicher deutscher Haushalt sind, laufen bei Ihnen daheim gerade 20 elektrogesteuerte Geräte. Allein durch den Griff nach Ihrer Fernbedienung strecken Sie sich nach den Metallen Gold, Kupfer und Tantal. Deutlich komplexer ist der Mix an Metallen, wenn wir uns Monitore und Smartphones vor Augen führen. Die leuchtenden Farben des Bildschirms. Das Handy, das durch Berührungen der Finger zu steuern ist. Das alles funktioniert nur dank den Metallen der Seltenen Erden.

Viele von Ihnen wissen genau, woher die Bananen kommen, die Sie in Ihren Joghurt mischen. Oder woher die Eier stammen, die Sie über dem Speck aufschlagen. Ganz klar: Uns interessiert, was wir konsumieren. Bei Elektrogeräten ist das noch nicht Usus. Unser Smartphone stammt entweder von Lenovo (China) oder von Samsung (Südkorea). Aber wer die einzelnen Bausteine dieser Hightech-Geräte zurückverfolgt, findet neben Spuren aus Asien und Südamerika eine große Portion Afrika darin.

Das Smartphone: Ein Pool voll mit Konfliktrohstoffen

Ohne Konfliktrohstoffe aus Afrika würde kein Smartphone funktionieren. Kobalt, das für den Akku gebraucht wird, stammt aus dem Kongo oder Sambia. Gold und Silber für die Kontakte und Anschlüsse wird mit hochgiftigen Substanzen unter anderem in Südafrika abgebaut. Tantal für die Kondensatoren und Wolfram für die Gehäusevibration stammt ebenfalls aus dem Kongo. Und auch das Zinn für die Legierungen, durch dessen Abbau Umweltschäden entstehen, wird im Kongo gewonnen.

Minenarbeiter in Afrika riskieren ihr Leben
für unser Smartphone

Im Human Development Report (HDI) der Vereinten Nationen belegte Kongo 2014 Platz 186 – und damit den vorletzten vor Niger. Ein Land, das reich an Bodenschätzen ist, das uns Bürgern in den Industriestaaten ermöglicht, leistbare Smartphones und Laptops zu erwerben, solch ein Land befindet sich am unteren Ende der Wohlstandsskala. Wie passt das zusammen?

Viele Minen zum Abbau seltener Metalle werden illegal betrieben, sind aber geduldet. Die Menschen, die in solche Stollen hinuntersteigen, müssen es tun, denn Arbeit ist rar und ihre Familien brauchen  Essen. Die Minen sind schlecht gesichert, Unfälle mit dutzenden Toten sind keine Seltenheit. Die Menschen ertrinken oder ersticken im Stollen. Mit dem Hammer in der linken, mit dem Meißel in der rechten Hand und mit Staub in der Lunge schaffen die Arbeiter Tonnen an Gestein an die Oberfläche, um daraus einige Gramm an wertvollen Rohstoffen zu gewinnen.

Wie umgehen mit Konfliktrohstoffen?

Kongo, wie viele andere Länder in Zentralafrika, ist ein vom Bürgerkrieg gezeichnetes Land. Die regionalen Militärs haben das Sagen. Und diese verlangen für die Duldung des Abbaus der seltenen Metalle Gebühren. Zu entrichten haben diese die Arbeiter in den Minen. Was von dem Punkt an mit den Metallen passiert, ist kaum mehr nachvollziehbar. Die Lieferkette sowie die vielen Arbeitsschritte vom Bergen eines Erzes bis zum Einbau des fertigen Metalls in ein Elektrogerät sind so komplex, dass derzeit nicht einmal die Hersteller den Weg des Produktes bis zur Mine zurückverfolgen können.

Gesetze, welche Herstellern verbieten, Rohstoffe zu verwenden, die womöglich aus illegalen Minen im Kongo, in Südafrika oder in Sambia stammen, müssen mit Bedacht formuliert werden. Die USA verabschiedeten ein solches Gesetz. Für die kontrollierten Minen in der Gegend, die gewisse Mindeststandards erfüllen, kam dies einem Embargo gleich, da die Hersteller vom Einkauf in der gesamten Region abgeschreckt wurden. Stattdessen florierte der illegale Schmuggel.

Interesse der Bürger erzeugt Interesse der Hersteller

Ein Verbot kann nicht die Lösung sein. Es schadet den Arbeitern, also jenen, die den Bergbau zum Leben brauchen. Stattdessen müssen Wege gefunden werden, den Abbau zu menschenwürdigen, risikoarmen und nicht gesundheitsschädigenden Bedingungen zu gewährleisten. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich an entsprechenden Projekten. Auch die Bürger können etwas beitragen. Sie können fragen. Fragen, woher genau die Metalle für das Smartphone oder den Laptop stammen. Je größer das Interesse der Kunden an der Herkunft der Rohstoffe ist, desto größer wird auch das Interesse der Hersteller sein.

 

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Quellen:

https://futurezone.at/produkte/handy-produktion-bleibt-ein-schmutziges-geschaeft/158.706.110

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