COP21 Paris Weltklimakonferenz: Mein Recycling und die deutsche Abfallwirtschaft

Gepostet von am 8. Dez 2015

COP21 Paris Weltklimakonferenz: Mein Recycling und die deutsche Abfallwirtschaft

COP21 Paris: Was hat die Weltklimakonferenz mit meinem Recycling und deutscher Abfallwirtschaft zu tun?

In Paris ringen derzeit die Nationen um einen weltumspannenden Vertrag, der verbindliche Ziele zum Schutz des Klimas festlegen soll. Beobachtet wird der in dieser Zusammenkunft bisher einmalige Staatenakt voller Hoffnung, aber auch Skepsis: Wird die klimaschützende Einigung gelingen? Und wird es einen Vertrag geben, der auch deutsche Abfallmengen und Recyclingquoten reglementiert?

  1. November 2015 – man möchte aufatmen: Das Thema Klimaschutz ist wohl endlich zur Chefsache geworden. Nach Angaben der UN seien noch niemals zuvor so viele Staats- und Regierungschefs auf einmal zusammengetroffen wie vergangene Woche zur Eröffnung der COP21 (Dahinter steckt der englische Ausdruck: „21st Conference of the Parties“, kurz: „COP21“.) in Paris: rund 150. Doch bei aller Hoffnung auf einen Klima schützenden Vertrag, an den sich alle Nationen dieser Welt auch halten – der braucht Diskussion, Verständnis, Vertrauen und Kompromissbereitschaft. Wer an der Fähigkeit des einen oder anderen Staates beziehungsweise seiner Abgesandten diesbezüglich Zweifel hegt, hegt diese sicher mit Recht.

Der Weltvertrag zum Klimaschutz – machbar oder nicht?

Denn mal ehrlich, wie soll das gehen: die Einigung auf einen verbindlichen Vertrag? Ein Vertrag, den alle Staaten unterzeichnen. Ein Vertrag, auf den gepocht werden darf, wenn ein Vertragspartner sich nicht dran hält. Um Verbindlichkeit zwischen den Vertragspartnern zu schaffen, müsste darin klipp und klar stehen, wie Klimaschutz umgesetzt werden soll. Und das umfasst nicht nur die multimedial kolportierte Grenze von zwei Grad Celsius, um die sich die Erde nicht weiter erwärmen dürfte und die hoffentlich zu 1,5 Grad Celsius werden wird, so denn der Vertrag schwarz auf weiß gedruckt und unterschrieben wird. Nein, auch verbindliche Abfallmengen und Recyclingquoten tragen bekanntermaßen dazu bei, die Menge der Treibhausgasemissionen, allen voran CO2, zu mindern. Den genauen Zusammenhang zwischen Recycling und Treibhausemission hat Benjamin Kloiber hier auf dem Wertstoffblog schon mal ausführlich erläutert. Und deshalb gehören auch diese Zahlen in den Vertrag von Paris! Machen wir uns nichts vor: Es geht in Paris um einen Vertrag, bei dem teilweise wie auf einem Markt um einzelne Zeichen gefeilscht werden wird. Denn hinter der uns rettenden Verbindlichkeit von Temperatur-, Abgas-, Abwasser- und Abfallbegrenzung, von Recyclingquoten und Kreislaufwirtschaft stecken Interessen, die nicht das Ziel maximalen Gewinns für einige Wenige im monetären, sondern im unser aller Klima schützenden Sinne haben. Anders ausgedrückt: Klimaschutz wird die Welt eine Stange Geld kosten – Geld, das so mancher Staat/Staatschef, wenn er es denn überhaupt hat, sicher gerne für andere Dinge ausgeben würde.

Ein Vertrag ist nur ein Vertrag – solange seinen Worten
nicht Taten folgen

Ich sag’s mal wie ich‘s sehe: Es geht in Paris um alles und um nichts. Natürlich geht es um die Rettung der Welt. Doch die lässt sich nun mal nicht retten, indem 150 Staatsoberhäupter – wenn sie sich denn überhaupt darauf einlassen und es geschafft haben, sich zu einigen – ein gemeinsam erarbeitetes Papier unterschreiben, das besagt, dass sie das fortan tun wollen, also: die Welt retten. Der Vertrag ist sein Papier nur dann wert, wenn er verbindlich formuliert, wie das hehre Ziel, die Weltrettung, vonstatten gehen soll. Und das bis ins kleinste Detail. Und auch das nur dann, wenn er ebenso wie die Ziele, die Strategie zu ihrer Umsetzung, also Mittel und Wege dafür, aufzeichnet – und Werkzeuge zu ihrer Bilanzierung nennt. Und auch Konsequenzen für Vertragsbrecher enthält.

Aber das geht doch gar nicht!, wird so mancher jetzt sagen. Eben! Eben drum sollte man COP21 als ein Zeichen sehen. Ein hoffnungsvolles allemal. Aber eben nicht mehr als das. Es ist ein Anfang. Die harte Arbeit der Weltrettung kommt auf uns alle zu: Denn während die Unterschrift der Vertragsunterzeichner noch trocknet, müssen wir uns auf eine neue Zeitordnung gefasst machen: die Zeit nach COP21.

Klimaschutz hat Priorität – mit und ohne COP21-Vertrag

Nach COP21 geht es ums Handeln – und nicht mehr nur ums Verhandeln. An ihren Taten werden sich die Vertragspartner messen lassen müssen. An dem, was sie in ihren Staaten und grenzübergreifend in der Vertragsgemeinschaft tun. Im Interesse aller. Für das Klima. Und damit gegen so manche nationale Interessen. Interessen derer, die die Abgesandten als ihre Willensvertreter gewählt haben, von wegen Volkes Wille und so. Interessen derer, auf deren Payrolls sie teilweise stehen. Was nicht immer mit demokratischer Wahl und Vertretung zu tun hat, wie wir alle wissen.

Als Bürger der Bundesrepublik kann ich nur für die mir hier bekannten Hindernisse sprechen, die einem COP21-Ziel wie der maximalen Erwärmung der Erde um weitere 1,5 Grad Celsius entgegenstehen. Zum Beispiel die hierzulande längst noch nicht rund laufende Kreislaufwirtschaft. Noch immer landen bei uns schließlich Jahr für Jahr rund 100 Kilogramm Wertstoffe pro Kopf im Abfall, die sich schon mit heutiger Recyclingtechnik prima recyceln ließen. Beispiele dafür haben wir auf dem Blog bereits vorgestellt. Das sind bei gut 80 Millionen Deutschen also acht Milliarden Kilogramm oder acht Millionen Tonnen Wertstoffe: Metalle, Kunststoffe, Papier, Glas, Biomasse. Eine Menge, die ich mir selbst mit lebhafter Phantasie nicht vorstellen kann. Eine Menge davon geht buchstäblich noch immer in Rauch auf oder wird deponiert, wenn auch nicht auf deutschem Boden. Eine Menge, die das Klima zerstört. Nachhaltig.

Das zu ändern, ist unsere Aufgabe. Daran müssen wir arbeiten. Jetzt. Ganz gleich, ob es einen COP21-Vertrag geben wird oder nicht. Denn, wie ich die Welt sehe, ist nach COP21 vor COP22.

 

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