CHINA: Abfallentsorgung – Der Blick in die Schwellenländer III

Gepostet von am 27. Jun 2016

CHINA: Abfallentsorgung – Der Blick in die Schwellenländer III

Ja, Chinas Wirtschaft wächst zwar so langsam, wie schon seit Jahren nicht mehr. Aber sie wächst nach wie vor. Und mit ihr die Müllberge. Die Menschen werden wohlhabender. Eine starke Mittelschicht bildet sich. Heute sind es rund 200 Millionen. In einigen Jahren sollen es 600 Millionen sein. Und diese Mittelschicht konsumiert – und zwar kräftig. Dadurch gehört das weltgrößte Schwellenland auch zu den weltgrößten Schmutzfinken.

Die „Verwestlichung“ Chinas ist in vollem Gange. Anstatt daheim, essen die Menschen immer öfter unterwegs. Nicht nur in Restaurants, denn dafür ist die Zeit oft zu knapp. „Hektik“ ist das Wort, nach dessen Philosophie die chinesische Mittelschicht lebt. Und für ihre Essgewohnheiten bedeutet das: „to go“. Und für die Umwelt bedeutet das: Verpackungsabfälle en masse.

Steigende Abfallmengen, träge Institutionen

Wie schon in Ägypten und wie schon in Indien zeigt sich auch bei unserem dritten Beispiel, warum Abfälle in Schwellenländern ein so massives Problem darstellen und Lösungen nur schwer zu finden und dann auch umzusetzen sind. Wachstum erzeugt eine Dynamik mit vielen Wechselwirkungen. Aber auf einen Bereich greift diese Dynamik traditionell schwach und verzögert über: Die politischen Institutionen. Diese sind dem Abfallproblem zunächst nicht gewachsen, da dies eine bislang unbekannte Herausforderung darstellt. Oft ist in Schwellenländern gar nicht klar, welche Institutionen zuständig sind oder ob die Gesetze ausreichen, um wilden Mülldeponien in der Mitte von Millionenstädten Herr zu werden.

Auch in China wurde zu spät reagiert. Der Abfall nimmt seit Jahren stetig zu. Aber Strategien und Gesetze, diesen Abfall einzudämmen, waren nicht ausreichend. Pro Kopf produzieren die Einwohner von Shanghai und Peking etwa 480 Kilogramm Abfälle pro Jahr. Zum Vergleich: Die Deutschen kommen auf 520 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Wir sehen: Die größten Städte Chinas verursachen Abfälle auf europäischem Niveau. Das wäre nur dann zu managen, wenn deren Entsorgung und Wiederverwertung auch auf europäischem (oder besser deutschem) Niveau funktionieren würden. Dem ist leider nicht so.

Thermische Verwertung als Hoffnung

Recycelt wird praktisch nichts. Es gibt zahlreiche wilde Deponien, die Boden und Luft verseuchen. Darauf haben die chinesischen Institutionen und Firmen bereits reagiert. Der Abfall wird zunehmend verbrannt. Dadurch könnten das Abfallproblem gemildert werden, der Boden und die Luft weniger belastet und Energie für eine wachsende Anzahl an Konsumenten erzeugt werden. Mehrere Fliegen mit einer Klappe, könnte man denken. Leider ist es nicht so einfach.

Zwar gibt es derzeit rund 200 Verbrennungsanlagen in China und zwischen 2015 und 2020 sollen 300 weitere gebaut werden. Aber oft werden die Luftfilter aus Kostengründen ausgeschaltet, was verheerende Auswirkungen auf die Umwelt hat. Sogar auf Schulungen für Mitarbeiter solcher Anlagen wird zum Teil verzichtet. (Wie es dazu in Deutschland aussieht)

China zapft deutsches Know-how an

Deutsche Firmen errichten nicht nur ganze Anlagen, sie liefern auch Einzelteile. Aber dafür mussten die chinesischen Unternehmen bislang tief in die Tasche greifen. Ein Strategiewechsel zeigte sich erst im heurigen Februar bei der bislang größten chinesischen Übernahme in Deutschland. Beijing Enterprises kaufte für 1,4 Milliarden Euro den Abfallkonzern EEW. Chinesische Unternehmen wollen nicht länger Kunden sein, um von deutschem Know-how zu profitieren, sie wollen es kaufen. Der deutsche Abfallentsorger EEW passt perfekt in diese Strategie, denn er betreibt hochmoderne Anlagen, in denen Abfall zu sauberem Strom verarbeitet wird. Aber selbst wenn sich das Reich der Mitte die Technik angeeignet hat, ist dies noch lange nicht die Lösung.

Die Bevölkerung muss umdenken – und die Regierung

Es gäbe genug Abfall zum Verbrennen und es gibt genug Bedarf an Energie. Doch der Abfall, der in die Verbrennungsanlagen kommt, brennt schlecht. Der Grund: Es gibt keine Mülltrennung. 70 Prozent der chinesischen Abfälle landen unbehandelt und ungetrennt auf Deponien. Die Leute wissen das. Sie schmeißen alles in dieselbe Tonne. Auch in Städten, in denen theoretisch zwischen Restmüll und verwertbaren Abfällen getrennt wird, da es unterschiedliche Tonnen gibt. Denn die Menschen wissen, dass bei der Abholung wieder alles zusammengeschüttet wird.

Die Gebühren für die Abholung des Hausabfalls in Shanghai sind gering. 3,5 Yuan kostet es pro Haushalt im Monat. Das ist weniger als ein Euro. Es fehlt noch an der richtigen Mentalität, an der Einsicht, dass Abfälle auch Wertstoffe sind. Sobald Abfälle getrennt werden, kann China auch an Recycling denken, aber derweil kann das Land vor allem Energie brauchen und dafür eignet sich der Abfall allemal.

 

Weiterer Artikel zum Themenkreis Abfall-Schwellenländer und thermische Verwertung:

ABFALLENTSORGUNG – BLICK IN DIE SCHWELLENLÄNDER II

THERMISCHE VERWERTUNG VON ABFÄLLEN – EIN BEITRAG ZUM KLIMASCHUTZ?

DIE GESCHICHTE DES RECYCLING III – DIE INDUSTRIALISIERUNG

THERMISCHE VERWERTUNG – WARUM DEUTSCHLAND ABFÄLLE IMPORTIERT

 

Quellen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article126456136/Chinas-Grossstaedte-ersticken-an-ihrem-eigenen-Muell.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/abfallkonzern-eew-chinesen-verbrennen-jetzt-deutschen-muell/12920508.html

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