Urlaubszeit: Unser Müll auf Reisen

Gepostet von am 23. Jul 2015

Urlaubszeit: Unser Müll auf Reisen

Sommerzeit ist Urlaubszeit ist Reisezeit. Neue Orte, neue Menschen und deren Lebensart kennenzulernen – das ist vielen Ausgleich für den Alltag. Gegen das Reisen ist an sich auch nix einzuwenden, solange man dabei nachhaltige, ökologische wie ökonomische und soziale Prinzipien mit im Koffer hat.

Schöne, heile Welt – die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Touristen hinterlassen große Müllberge, mit denen die Urlaubsländer kaum zurechtkommen. Davon zeugen Schlagzeilen wie diese:

  • Sonne, Strand und Müll. Touristen hinterlassen auf den Malediven jedes Jahr Tonnen von Abfällen – zu viel für den winzigen Inselstaat. Ein Teil landet auf der künstlichen Müllinsel Thilafushi.“ (Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 35/2014)
  • Mülldeponie geschlossen. Ferieninsel Djerba erstickt im Müll. Wenn nicht bald eine Lösung gefunden wird, werden dieTouristen wohl gänzlich wegbleiben, denn die tunesische Touristeninsel Djerba steckt in einer Müll“ (dpa, 15.7.2014)
  • Bali, das Müllparadies – Von einem Paradies, das einmal war“ (indojunkie, 29.11.2014)

Für viele Urlaubsregionen gilt: Urlauber machen meist mehr Müll als die Einheimischen. Dafür nur zwei Belege: In Indien mache der Müll aus dem Tourismus 36 Prozent des gesamten Abfalls aus, in der Dominikanischen Republik seien es gar 70 Prozent, heißt es hier.

Die gute Nachricht: Will man die Ursachen für diese traurige Nebenwirkung des Tourismus ergründen, braucht man gar nicht weit zu reisen. Das buchstäbliche Kehren vor der eigenen Haustür bringt einen diesbezüglich schon enorm weiter. Aber eins nach dem anderen. Bevor ich gleich mal ein bisschen Hausstaub aufwirbele, will ich noch schnell ein paar harte Fakten in die Diskussion einwerfen: geldharte Fakten sozusagen.

Was Deutsche sich den Urlaub kosten lassen – die Zahlen

Die folgenden Zahlen sprechen für sich:

  • 2014 gehörten die Deutschen zu den größten Nettodevisenbringern im internationalen Reiseverkehr: Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) entsprachen die Reiseausgaben im Ausland 4,4 Prozent des gesamten privaten Verbrauchs der Bundesbürger, Tendenz steigend.
  • Für Auslandsreisen gaben die Deutschen demnach 69,9 Milliarden Euro aus, für Inlandsreisen fast genauso viel.
  • Fast ein Drittel (30 Prozent) der reisenden Bundesbürger tun dies im Land, 7,6 Prozent der Reisenden haben Fernziele, der Rest verteilt sich laut DRV auf Nah-/Mittelstreckenziele, vor allem: die Mittelmeerländer.

Ich schließe daraus, dass wir Deutsche uns unseren Urlaub gerne etwas kosten lassen. Man gönnt sich das Besondere, um sich vom Alltäglichen zu erholen. Um Kraft zu tanken für ein weiteres Jahr Arbeit. Denn für viele ist nach diesem Urlaub vor dem nächsten Urlaub.

Urlaubszeit – sechste Jahreszeit mit eigenen Regeln?

Was das Eine (Müll) mit dem anderen (Urlaubsgeld) zu tun hat? Ich vermute, dass es vielen Reisenden geht wie mir, wenn ich im Urlaub bin: Ich bin in kleinen Dingen großzügig. Mitunter sogar deutlich großzügiger als im Alltag zuhause.

Urlaubszeit: Das Geld sitzt lockerer …

Soll heißen: Ich gebe das Geld, dass ich bildlich geschrieben im Koffer mitgebracht habe, auch aus. Unterwegs für Andenken, Speis und Trank – letztere nicht immer nur gegessen und getrunken im Restaurant, sondern auch als schnell mal zwischendurch gekauftes Lebensmittel auf die Hand. Je nach Angebot (und das schreibe ich bewusst, denn auch diese Medaille hat zwei Seiten) landen im Urlaub so auch weniger ökologische Produkte (teils sogar Wegwerfprodukte) in meinem Einkaufskorb. Produkte also, die ich daheim links im Regal liegen lassen würde.

Urlaubszeit: Was schert mich mein Abfall?

Vielen, die ich auf Reisen beobachte, scheint es aber auch anders zu gehen, als mir: Während ich neben Klamotten und Urlaubsgeld auch immer meine Lifestyle-Prinzipien einpacke (darunter: Hinterlasse die Natur, wie Du sie vorgefunden hast!) – und versuche, mich auf fremden Boden möglichst fair und umweltfreundlich zu bewegen, ist anderen Reisenden offensichtlich ziemlich egal, welchen insbesondere ökologischen Fußabdruck sie am Urlaubsort hinterlassen. Ich spüre zum Beispiel abends an vermüllten Stränden so eine Art „nach-mir-die-Sintflut“-Mentalität von Touristen. Von denen übrigens diejenigen, die den größten Haufen hinterlassen haben, am nächsten Morgen am lautesten darüber meckern, dass der Müll noch immer am Strand liegt oder mit jeder Meereswelle heranschwappt. Nur zur Info: Wegen der Kinder sind wir meist morgens und abends am Strand, damit sie nicht in der allzu heißen Sonne baden.

Doch ich will auch das nicht auf die Ferne projiziert diskutieren, sondern lieber hier daheim. Ich denke nicht, dass es sich bei den Müllschweinen vom Strand um Umweltsünder per se handelt. Nicht bei allen zumindest. Viele von ihnen haben sicher ein sauberes Zuhause, einen gepflegten Garten, ein ordentliches Müllgebaren. Sie zahlen dafür regelmäßig ihre Abfallgebühren. Sie leben umweltbewusst, auch wenn sie Umwelt nicht ganz so global definieren würden wie ich.

Und da liegt wohl das Problem: Die persönliche Betroffenheit von Kosten für die Abfallbeseitigung ist im Alltag daheim spürbar – unterwegs auf Reisen eher nicht. Mit der eigenen, alltäglichen Umwelt identifiziert man sich mehr, mit dem Urlaubszuhause auf Zeit weniger. Der Müll daheim ist eigener, der im Urlaubsort fremder. Und so handelt mancher daheim nicht nur kosten- sondern auch umweltbewusster als im Urlaub.

Ich pack‘ in meinen Koffer … auch Benimm und Umweltbewusstsein ein

Ich habe es zwischen den Zeilen bereits anklingen lassen: Das Angebot im Urlaubsland ist mitunter derart gestaltet, dass einem gar nix anderes übrigbleibt, als zum Wegwerfprodukt zu greifen. Ja, stimmt. Doch bitte: Die Nachfrage beeinflusst das Angebot wie umgekehrt. Auch hier gilt es, den ersten Schritt zu tun. Und die Händler vor Ort nach fairen, ökologischen und sozialverträglichen Alternativen zu fragen. Und wenn sich dazu noch jeder „benehmen“ würde wie daheim in den eigenen vier Wänden und zumindest den Platz vor der Haustür (besser: ums Handtuch herum) kehren würde, könnte sich das Meer von uns Touristen ebenso gut erholen, wie wir an ihm.

In diesem Sinne: Gute Reise! Bleiben Sie sauber!

 

 

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    1 Kommentar

  1. Vielen dank für die Informationen. Ich gib mir wirklich große Mühe meinen Müll zu trennen und informiere mich auch immer. Aber wenn ich dann Leute sehe die sich keine Gedanken darüber machen, ist schon Traurig. Immerhin ist die Umwelt unsere Zukunft.

    Gruß Anna

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