Lohnt sich das Reparieren?

Gepostet von am 20. Aug 2015

Lohnt sich das Reparieren?

Im Mai vergangenen Jahres gab es in unserem Haushalt eine Krise: Zuerst gingen innerhalb von zwei Tagen unsere beiden Laptops kaputt, dann folgte die Geschirrspülmaschine. Als einige Tage später auch das Ceranfeld vom Herd und schließlich kurz vor Monatsende die Waschmaschine ihren Geist aufgaben, hatte ich wirklich schlechte Laune. Nicht nur, weil die Arbeit der Geräte vorne und hinten im Haushalt fehlte, sondern auch, weil wir uns jeweils zwischen Reparatur und Entsorgung entscheiden mussten. Wofür wir uns entschieden haben und warum, begründe ich hier.

Das Abwägen zwischen einer Reparatur und einem Neukauf inklusive Entsorgung empfand ich in unserem „teuersten Mai aller Zeiten“ (TMAZ) als wahrlich schwer. Insbesondere solange ich keine Gründe kannte, warum meine Geräte ihren bis dato reibungslosen Dienst quittierten. Von der auffallenden Häufigkeit ganz zu schweigen. Eine Fehlerdiagnose traute ich mir bei keinem Gerät zu. Das kann nur ein Fachmann – und der muss zunächst gefunden und dann zur Besichtigung bestellt werden. Gut, die Laptops hätte ich auch zum Händler bringen können, bei dem wir sie gekauft hatten. Dennoch: Was für ein Aufwand! Lohnt sich Reparieren heutzutage überhaupt?

Wann lohnt sich eine Reparatur?

Der Spülmaschinenreparateur unserer Marke hatte sofort Zeit für mich. Am Telefon. Seine erste Frage: Wie alt ist Ihre Spülmaschine? Als er hörte, dass das Gerät schon siebzehn Jahre alt sei, riet er mir sofort zu einem Neukauf. Er begründete das so: Die Reparatur lohne nicht mehr, die Spülmaschine sei zu alt, Ersatzteile seien schwer zu bekommen und man wüsste ja auch nicht, wann das nächste Teil entzwei ginge … Gründe, die mir mehr oder weniger einleuchteten. Als ich einwandte, dass es sich doch um ein Markenprodukt handele und überhaupt … , meinte er: Ja, wenn das Gerät jetzt acht, neun, zehn Jahre fehlerfrei gelaufen wäre, würde das durchaus für eine Reparatur sprechen, aber mit siebzehn Jahren einwandfreier Laufzeit hätte das Gerät sich seinen buchstäblichen Ruhestand wohlverdient. Ich könne schließlich von Glück sagen, dass sie so lange ohne Probleme gearbeitet hätte … Ich glaubte dem Mann. Und entschied mich gegen seinen Besuch. Stattdessen kaufte ich eine neue Spülmaschine. Die spült mit weniger Wasser, weniger Strom und weniger Krach als die alte. Die Entsorgung es Altgeräts habe ich gleich mitgekauft.

Bei der Waschmaschine erging’s mir ähnlich: Der am übernächsten Tag erschienene Reparateur warf einen Blick auf die Maschine, einen zweiten hinein und fragte dann, wie lange sie meine Wäsche schon wusch. Nach meiner Antwort „elf Jahre“ riet er mir zum Neukauf. Seine Begründung: Eine Reparatur würde mich bis zu 600 Euro kosten, mit zehn Jahren tadelloser Betriebszeit sei die Maschine nach seiner Erfahrung bereits eine seltene Ausnahme ihrer Marke (Stichwort: geplanter Verschleiß) und neuere Modelle sparten sowieso mehr Strom und Wasser und böten auch mehr Waschprogramme. Für die Diagnose/Prognose kassierte der Reparateur mehr als 100 Euro inklusive Anfahrt, die ich sofort zahlte, da ich mich unmittelbar gegen die Reparatur entschieden hatte. Ich kaufte stattdessen eine neue Waschmaschine inklusive Entsorgung der alten. Die neue Waschmaschine hat neben all den neuen Funktionen auch ein viel größeres Fassungsvermögen, was für uns von Vorteil ist, denn während der letzten zehn Jahre ist unsere Familie von zwei auf sechs Personen gewachsen. Aber das nur nebenbei.

Als die Waschmaschine meiner Mutter kürzlich kaputtging, rief Mama mich aufgeregt aus dem Laden an, wo der Händler ihr gerade ein Nachfolgegerät gezeigt hatte, das noch mehr Waschprogramme hätte als meins und noch mehr Wasser spare und und und … Als ich Mamas Redefluss unterbrach und fragte, was das neue Modell denn mehr koste als meins, antwortete sie irgendwas mit 300. Meine Antwort: „Mama, spar das Geld und kauf mein Modell!“ Das hat sie gemacht und gut war’s. Schließlich rentiert sich der höhere Preis des Neumodells trotz der verbrauchsärmeren Funktionen bei den Nutzungskennzahlen meiner Mutter nicht.

Noch der Vollständigkeit halber: Das Ceranfeld von meinem Herd konnte ersetzt werden, ohne dass ich gleich einen neuen Herd kaufen musste. Das Gerät war noch gut in Schuss und das Ersatzteil war mit knapp 100 Euro bezahlbar.

Computer altern schneller als Großgeräte für den Haushalt

Doch was für Spülmaschine, Waschmaschine und Herd gilt, gilt nicht automatisch für Computer & Co. Diese Technik altert schneller. Dank meiner Einblicke in die IT-Welt, insbesondere während meiner sieben Redakteursjahre bei Computerbild, habe ich mir so manche Sache fürs Leben angewöhnt: Ich bringe IT-Geräte immer zu einer fachmännischen Fehlerdiagnose, um zunächst zu erfahren, was nicht funktioniert. Den Vorkostenanschlag für die Reparatur wäge ich dann gegen die Kosten eines Neukaufs ab, wobei ich eine viel kürzere Lebensdauer der Geräte kalkuliere als die oben erwähnten Experten für Haushaltsgeräte veranschlagten. Zwei bis vier Jahre gebe ich einem guten Notebook; dann haben sich so viele Neuerungen bei Hard- und Software ergeben, dass ein Neukauf sich für mich – ich arbeite ja täglich mehrere Stunden im schnelllebigen IT-Universum – immer lohnt. Unsere Laptops hatten vier Jahre zuvor jeweils knapp 500 Euro gekostet. Inzwischen gab’s ein neues Betriebssystem und und und. Ich mach’s kurz: Wir haben ein Gerät ersetzt, als wir hörten, dass seine Reparatur weit über 200 Euro gekostet hätte. Das andere Laptop wurde für 50 Euro repariert und mit neuer Software bestückt.

Was ich aus unserer Haustechnikkrise lernte

Reparaturmöglichkeit immer erwägen

Die Entscheidungen für oder wider Reparatur und für oder wider Entsorgung kann ein Verbraucher meist nur mit fachlichem Rat treffen. Denn es gilt, Reparaturkosten und zugehörigen Aufwand gegen Neukauf und zugehörigen Aufwand inklusive Entsorgung abzuwägen. Insbesondere der Verbraucher, der auch die wachsenden Schrotthaufen unserer Wergwerfgesellschaft im Auge hat, sollte zuerst eine Reparatur erwägen, um den Haufen nicht unnötig zu vergrößern. Selbst wenn er damit auf eine Fähigkeit der menschlichen Gesellschaft setzt, die aus der Mode gekommen zu sein scheint. Es gilt, diese Praxis wiederzuentdecken und als erstrebenswert zu erachten.

Industrie lässt Produkte – auch mithilfe von Werbung – vorzeitig altern

Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang auch eine distanzierte Sicht auf die Werbung, die jedes neue Gerät verkauft, als wäre es das erste seiner Art und käme mit nie gekannten Eigenschaften daher – gleichwohl es oft nur ein verbessertes Nachfolgegerät ist, dessen Vorgänger schon beworben wurde, als gäbe es nix Besseres. Wer den verlockenden Werbeversprechen erliegt, springt auf das Karussell der Industrie auf, das sich immer schneller dreht, sprich: in immer kürzeren Innovationszyklen Neuigkeiten auf den Markt wirft. Das senkt die Erstnutzungsdauer, obwohl ein Austausch der Geräte noch nicht nötig wäre.

Das Ganze führt zu folgender Frage:

Lohnt sich eine Reparatur eher als ein Entsorgen (Recyceln)?

Reparatur vor Entsorgen – das rechnet sich nur dann, wenn ein Gerät so gebaut ist, dass es sich reparieren lässt. Leider ist das bei vielen Geräten heute nicht mehr der Fall. Hersteller setzen zu häufig auf den Wegwerfwahn, der inzwischen trauriger Teil unserer Gesellschaft ist. Sie gießen zum Beispiel Bauteile in Kunststoff, verkleben sie auf Teufel komm raus oder planen den vorzeitigen Verschleiß von Bauteilen, indem sie trotz Alternativen auf minderwertige Komponenten setzen, und be– beziehungsweise verhindern so eine Reparatur – und aufgrund des kaum zu trennenden Mischmaschs leider auch eine ordentliche Entsorgung der einzelnen Wertstoffe.

Ein Teufelskreis …

… den zu brechen, Aufgabe aller zugleich sein muss: der Hersteller und der Verbraucher. Das geht nicht im Flickmodus, sondern braucht eine gesamtgesellschaftliche Neuorientierung hin zu nachhaltigem Wirtschaften einschließlich einer neuen Wertschätzung von Wertstoffen. Bis diese Saat gesät und aufgegangen ist, muss man von Fall zu Fall entscheiden, ob sich Reparatur oder Recycling eher auszahlen – für den Verbraucher und die Umwelt.

Mein Tipp im Dienste der Nachhaltigkeit

Produkte solange zu nutzen, wie sie funktionieren, sie dann vorrangig zu reparieren und wieder zu nutzen, sind nachhaltige Strategien gegen eine umweltunfreundliche Wirtschaft.

 

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    4 Kommentare

  1. All dem kann ich gut nachempfinden. Leider ist es heute doch aber auch so, dass eine Reparatur oft teurer ist als ein Neukauf. Was soll ich als Kunde nun tun? Bei einem Neugerät ist eben alles neu und ich habe Garantie auf das gesamte Gerät. Lass ich reparieren hab ich nur Garantie auf die Reparatur und wenn dann was anderes kaputt geht, habe ich wieder Kosten. In den großen Elektrmärkten werden supe Angebote gemacht, denen sich eigentlich kaum noch einer entziehen kann und auch wenn ich nicht alles auf einmal bezahlen kann, bekomme ich eine Finanzierung zu 0,00 % mit kleinen Raten. Die Reparaturkosten kann ich nicht in Raten zahlen.
    Ich finde das nicht gut, weil somit die Handwerksbetriebe für diese Branche kaputt gehen.

  2. Ja wie schon erwähnt es kommt auch darauf an welches Bauteil genau kaputt ist, aber oft muss man sich in den meisten Fällen eine neue kaufen.
    Aber ich würde es trotzdem jeden raten diese wenn möglich erst einmal reparieren zu lassen, oft sind auch nur kleine Bauteile kaputt. Es rendiert sich aufjedenfall mal nachzusehen was kaputt ist.

  3. Hey Leute, ich finde es kommt wie auch schon vorher gesagt ganz darauf an, welches Teil defekt ist, andernfalls kann man sich auch einen neuen Kaufen. Oftmals gibt es ja auch bei Ebay Kleinanzeigen schon recht Günstige, die noch von sehr guter Qualität sind. Also immer Kosten und Aufwand abwägen

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